
mitten
in der Stadt
Reise nach Lissabon (2)
In
den Brigate Rossi waren keine CIA-Leute, aber der italienische
Geheimdienst SISMI. Gladio-Leute waren auf der Planungsebene beteiligt
und als agents provocateurs. Nicht als Ausführende der Entführung,
wobei das Gerücht geht, unter anderem wurde ein Safehouse der
CIA als Versteck benutzt. Nach jenen Personen, die Attentate und
dergleichen aktiv durchführten, wird Mr. Spy vergeblich gefragt:
“we didn't have much to do with guys at that level". Auch wenn
er selbst nach Moros Ermordung ITAC-Chef wurde und vor dem Palme-Mord
ging, hat er keine Skrupel gehabt, zu solchen Mitteln zu greifen.
Wer war eigentlich die RAF, die einen Vertrag mit den Brigate
Rossi abgeschlossen hatte und wie diese über das Hyperion-Sprachinstitut
der CIA in Paris mit Waffen beliefert wurde? “I don't know, it's
a phantom!"
Wie
bitte? Las ich doch den Realnamen von Mr. Spy erstmals im “RAF-Phantom"
und habe ich doch von Gerhard, einem der Autoren, auch Fragen
mitbekommen. Mr.Spy lässt sich nur entlocken, dass Alfred Herrhausen
von der Deutschen Bank vom MI 6 unter dem Cover RAF getötet wurde,
weil er die Bank der Queen, Morgan Grenfell, gekauft hat. Gerhard
meint dann, er habe auch davon gehört, dass RAF in diesem Fall
den britischen Geheimdienst meint. Mr. Spy und Philip reden über
den Briten Brian Crozier, dessen einstiges Londoner Institut für
Strategische Studien in manchen Büchern der CIA zugeordnet wird.
Sie sprechen von ihm als Agenten des MI 6. In Andreas von Bülows
“im Namen des Staates" habe ich gelesen, dass Andreas Baader die
Thesen jenes Institutes zur “Aufstandsbekämpfung" durch Unterwanderung
linker oder terroristischer Gruppen gekannt hat. Heisst das, auch
die erste RAF-Generation war vom MI 6 gesteuert?! Mr. Spy reagiert
wie der Bhudda, als den David Yallop ihn in der Figur des “Oscar
Benjamin" verewigt hat.
Die
Dinge sind kompliziert, und weitere Infos sind erstmal einem deutschen
Autor vorbehalten. Der nicht Gerhard heisst, den Mr. Spy nicht
kennt ebensowenig das Phantom-Buch. Er war jedoch auch der BBC
mal behilflich für eine Gladio-Story, nachdem 1990 die Aldo
Moro-Verhörprotokolle die Existenz der NATO-Geheimorganisation
enthüllten. Zum griechischen 17. November, der in unseren
Medien als "rätselhafte Terrorgruppe" bezeichnet
wird, meint er "in Greece every child knows it's the army".
Tatsächlich wird die Phantomtruppe in Veröffentlichungen
zu Gladio als militärisch agierend beschrieben. - In Gedichten
verarbeitet Mr. Spy die Wandlung vom Literaturprofessor und Psychoanalytiker
zum Täter im Namen der nationalen Sicherheit der USA. Als gebürtiger
Österreicher, als jüdisches Kind gerade noch vor den Nazis geflüchtet,
möchte er nie wieder Opfer sein. Was ein wenig an jene Mentalität
erinnert, die er bei Betrachtungen zu Israels Politik wohl erkennen
kann: wenn wir untergehen, dann nehmen wir möglichst viele mit
in den Tod. Er fürchtet, Israel werde seine atomare Erstschlagskapazität
in der Region einsetzen wollen. Er will wissen, was ich zu seinen
Gedichten sage ich meine, ich kann mit Lyrik wenig anfangen,
muss ich ehrlicherweise zugeben, obwohl ich schreibe.

Glorreicher
Entdecker, verewigt in einem Gewölbe
Was
ich dann nahezu unerträglich finde, veranlasste unsere gemeinsame
Bekannte in Wien dazu, ihn anzuschreien. Ich höre seine Gedanken
zum Putsch in Chile und zum Tod Allendes, oder dazu, was Griechenland
durch die US-gestützte Diktatur verloren hatte. Er gesteht den
Opfern der Central Intelligence Agency durchaus Würde in ihrem
Leiden und Sterben zu. Wo ich mir Leute wie ihn früher so vorgestellt
hatte, dass sie unsereins “normale Menschen" wie sadistische Versuchsleiter
die Laborratten durchs Labyrinth irren sehen. Nein, nicht mal
als “normale Menschen" wahrgenommen, sondern als weniger Menschen,
als jene, denen das banale Alltagsleben vorenthalten wird. Als
Individuen, die sich verzweifelt, aber vergeblich wehren, die
keine Chance haben und für die Bestimmungen der Menschenrechtskonvention
unerreichbarer Traum sind.
Er
zeigt mir, dass er selbstverständlich bewaffnet ist einerseits
Gewohnheit, andererseits liebt die Agency Renegaten nicht. Als
Literaturprofessor war er in den 60er Jahren nach Polen eingeladen
und das State Department bat ihn dann um eine Analyse. Anhand
solcher Texte werden Leute bewertet, ob sie das Zeug zu Agenten
hätten. Ich meine, sowas hat doch die ehemalige deutsche Grüne
Jutta Ditfurth als Anwerbeversuch der CIA verstanden und abgelehnt,
wobei sie andeutet, dass etwa ein Herr Joschka Fischer diese Skrupel
nicht hatte. Ja, so gehen sie wirklich vor. Anscheinend hat ihnen
seine Analyse gefallen, und er war bereit, den Job zu wechseln:
weil er so viel mehr Geld bekam, aus Abenteuerlust und weil er
zu den Siegern gehören wollte. Mr. Spy durchlief auf der “Farm"
die Ausbildung der Agenten für covert operations. Viel Selbstverteidigung
war dabei, da man sehr oft ganz auf sich gestellt sein würde.
Dann
ging es nach Vietnam zum Phoenix-Programm: wie bei den Nazis wurde
eine Kartei angelegt, und wer zweimal aus welchen Gründen auch
immer von seinen Nachbarn als Vietcong denunziert wurde, den erschossen
sie auf offener Strasse.
Der
Grundstein zur Verbreitung von Drogen in den USA wurde damals
gelegt, denn die Agency schmuggelte Heroin ins Land. Skrupel?
Die hatte er später Mitte der 80er Jahre, als bei der Irangate-Waffenpipeline
Drogen im Spiel waren. Als ITAC-Chef sollte er da mitmischen,
und konnte sich nicht weigern, es nur so anstellen, dass es hochging.
Er wurde beim Versuch geschnappt, synthetische Drogen zu schmuggeln.
Was wir angeblich in Dagobert Lindlaus Buch “Der Mob" nachlesen
können. Eines, das ich noch nicht kenne. Manches lässt sich
so leicht nicht nachprüfen: "a polish colonel has gotten
wind of ITAC, and we arranged for him to die", und um den
Sarg kümmerte sich dann ein als Priester verkleideter Mr.Spy.
Er reiste in einem Bus durch die DDR, und als dieser plötzlich
von der Volkspolizei aufgehalten wurde, hatte er grosse Angst,
es geschehe seinetwegen. Sie baten ihn aber, da sie ihm den Geistlichen
abnahmen, zu einem Verkehrsunfall, wo er einem Sterbenden die
Absolution erteilen sollte. Und die Polizisten liessen sich von
ihm segnen....angeblich meinte Markus Wolf "we knew it were
you because nobody else had the balls to do that". Über
die Stasi reden wir wenig, er ordnet aber die Berliner Humboldt-Universität
derart ein. How to check it?!

nochmal
das Lieblingshaus
Er
liest einen Prosatext über die Kosten des Agentendaseins für die
Psyche des Agenten: da ist davon die Rede, unter Eid lügen gelernt
zu haben. Und von Philipp Agee, der sich nach seinen Einsätzen
in Lateinamerika vor mehr als 20 Jahren von der CIA lossagte und
durch die Länder gejagt wurde, erst jetzt so einigermassen zur
Ruhe setzen kann. Agee fragte sich beim Aufwachen jeden Morgen
“wer bin ich heute"?, denn er war gewohnt, unterschiedlichen Menschen
bis zu vier verschiedene Identitäten zu präsentieren. Und was
ist das Ergebnis von dirty tricks? Jene, die andere paranoid machen
sollen, werden es selbst. Mr. Spy gilt als Meister der Desinformation.
Artikel, die bezweifeln, dass er jemals für die Agency gearbeitet
hat, tut er als “von der Firma bezahlte Journalisten" ab. Da er
als Nr. 2 der Agency in Europa auch für Österreich u.a. finanziell
zuständig war, nenne ich ihm eine Menge Namen, von denen ich vermute,
dass auch ungewöhnlichere Fälle, wo man so schnell nicht auf
die Idee käme.
Er
sagt nie Nein, fügt jedoch den einen oder anderen Namen hinzu.
Vielleicht habe ich ein entspannteres Verhältnis zu Desinformation
als andere JournalistInnen. Als ich früher bei den Grünen kapiert
hatte, mit recht professionell wirkender Desinformation konfrontiert
zu sein, drehte ich schnell den Spiess um. Indem ich jene Leute
desinformierte, die zu mir “vorgeschickt" schienen, Was übrigens
machbar ist, ohne dass die dabei eingespannten Personen es merken
“mind control" ist das Stichwort, und man lernt es nicht so
leicht. Diese WasserträgerInnen über ihre Rolle aufzuklären, ist
laut Mr. Spy absolut sinnlos. Er gibt mir aber einen Tipp, wie
ich damit umgehen soll. Den ich nicht verraten werde :-)
Ich
weiss, dass "gute" Desinformation also jene, die nicht
einfach zu entlarven ist zu 90% aus Wahrheit besteht. Dies,
um den erfundenen Rest glaubwürdig erscheinen zu lassen. Und welche
Wahrheit ist wichtig? Kann man sich irren, welche Farbe die Tapete
in einem Raum hatte, Hauptsache, das beschriebene Meeting fand
auch wirklich statt? Wo sonst wird man zum Meister der Desinformation
wenn nicht bei einem Geheimdienst, der seine Leute genau dazu
ausbildet? Ich gestehe, es hat mich auch gereizt, meine Fertigkeiten
im Umgang mit Desinformation auf die Probe zu stellen. Einfach
mal auszuloten, ob ich da wirklich so instinktsicher bin, wie
ich bisher angenommen hatte. Nun, wenn diese Bestätigung NICHT
Desinformation ist, dann habe ich komplizierte Abläufe, Muster
und Verflechtungen richtig rekonstruiert und das über alle Desinformationen
hinweg.

Doch wie meinte Mr. Spy? “Du bist so skeptisch, dass du nicht
mal glaubst, es zu sein, wenn dein Name an der Tür steht." Oder,
anderes Bonmot: “Du bist so paranoid wie mein Küchenmesser." Aber
selbst das kann Desinfornation sein, denn wer fühlt sich da nicht
geschmeichelt? Immerhin war es Mr. Spy, der die amerikanische
Autorin Barbara Honegger erfolgreich desinformiert hat. Sie gehörte
zu Reagans Wahlkampfteam, begann aber dann, die “Oktoberüberraschung"
zu recherchieren. Bekanntlich wurde die Freilassung der Geiseln
in der Teheraner US-Botschaft von Reagan-Leuten als Deal mit den
Mullahs verzögert. Damit Reagan Carter nachfolgen konnte, welcher
bei manchen schmutzigeren CIA-Operationen Skrupel hatte. Mr. Spy
sorgte mit unter Informationen gemischte Desinformationen dafür,
dass die gesamte Rekonstruktion Honeggers unglaubwürdig wirkte.
Ein einziger falscher Name genügte dafür. Wenn ich recht im Kopf
habe, was ich darüber gelesen habe, so galt sie in gewisser Weise
als leicht zu beeinflussen. Und
ich? “Ich glaube nur, was ich weiss." Das beschreibt es am
besten. Bei allem, was ich nicht ohnehin weiss, bin und bleibe
ich skeptisch. Es kann ja Desinformation unter tatsächliche Fakten
gemischt sein.
Zwangsläufig
muss ich vorsichtig sein, denn Frauen haben erstens ohnehin viel
weniger Zugang zu Hintergrundinformationen, und zweitens kann
ihnen viel leichter abgesprochen werden, dass ihre Wahrnehmungen
richtig sind. Ich werde nie vergessen, wie ich 1988 in einer Bundesfunktion
bei den Grünen das Gefühl hatte, da geht was hinter
den Kulissen vor, alles nur Fassade. Nach einem Jahr konnte ich
es in etwa zuordnen, schrak aber vor dieser Erkenntnis zurück.
Auch, weil mir ziemlich übel mitgespielt wurde, was frau
erstmal verkraften muss. Als ich 1992 begann, den Dingen auf den
Grund zu gehen - auch, was mit dem oft gehörten Satz "es
gibt Hintermänner" gemeint sein kann - landete ich wieder
dort. Und brauchte dennoch einige Zeit, bis ich gewissermassen
über den Schatten sprang, den das Ernstnehmen meiner Wahrnehmungen
bedeutet. Dies
alles auch, weil mit Frauen viel brutaler umgegangen wird, weil
sie schliesslich von dem, was hinter den Kulissen läuft,
gar keine Ahnung haben können. Sind sie doch bloss als optischer
Aufputz gedacht....Mr. Spy beschreibt die Grünen und ihre
Rolle mit wenigen Sätzen. Wieder ist es für mich eine
Grenze, obwohl ich es schon so formuliert hatte vor mir selbst.
Etwa,
indem ich Parallelen sah. als ich las, dass nach italienischen
Medienberichten die Südtiroler Freiheitlichen vom SISMI gegründet
worden sein sollen. Oder, indem ich penibel auflistete, welche
Vorgänge und Verhaltensweisen in den Grünen "natürlich
erklärbar" sind - also mit Machtstreben, Eitelkeiten,
Animositäten, unterschiedlichen Zielen etc. zu tun haben.
Und was eher verdecktes Agieren ganz im Stil von covert actions
ist - dort bei weitem überwiegend, wo es um Wichtiges geht.
Dazu gehört auch der Einsatz "schwarzer Propaganda"
- mit völligen Erfindungen werden Menschen diskreditiert,
oft nur gegenüber bestimmten Personen. Ein grüner Politiker,
der in mich verliebt war - & vice versa - wurde auf diese
Weise so sehr gegen mich eingenommen, dass er mir aus dem Weg
ging. Sowas wirkungsvoll zu machen, geht wohl kaum ohne entsprechende
Kenntnisse... Wobei es später dann, als ich wissen wollte,
was da wirklich passiert ist - und wie jene Frau einzuordnen ist,
die sich seiner annahm -, immer wieder auch den umgekehrten Fall
schwarzer Propaganda gab. Bspw indem vorgeschickte Personen mir
- und auch mal einer Freundin von mir - damit kamen, dass dieser
Mann "Frauen mag". Allerdings wusste sonst niemand was
von regem Interesse an anderen Frauen...
Teil 1
Teil 3
Teil 4
nicht vor Lissabon, muss irgendwo bei Wien sein :-)