So heißt es nämlich (Telefonat am 19.3.2008 – Tag der Kündigung - zwischen Frau Stadträtin Elke Edlinger und Unabhängige Frauenbeauftragte, Brigitte Hinteregger):
„Wir müssen kündigen, weil es noch keine Zusicherung gibt, ob es im zweiten Halbjahr auch weiterhin ein Budget gibt. Im zweiten Satz heißt es dann aber: ja, wir werden dann die Stelle neu ausschreiben müssen – das ist so, wenn man den Vertrag verändern bzw. verlängern will und das ist uns ja wirklich wichtig. Aber die Kündigung wird jetzt vollzogen.“
Da werden Erinnerungen wach, als die ÖVP-FPÖ Regierung auf der Bundesebene als erste Amtshandlung das Frauenministerium wegrationalisiert hat.
Diese Stelle ist die einzige Unabhängige Ombudsstelle für Frauen, die von Frauen angenommen wird, das zeigen die Zahlen. Zusätzlich gibt es eine Menge Rückmeldungen, dass sich die Frauen bei uns in „guten Händen“ fühlen. Die Frauen schätzen unsere Unabhängigkeit, unsere Kompetenz und die Zeit, die wir uns für die Frauen nehmen.
Hier ein Überblick über die Gesamtzahlen der Jahre 2004 – 2007
2004: 297
2005: 877
2006: 1281
2007: 1409
In den Zahlen enthalten sind: kostenlose Rechtsberatung und die kostenlose Beratung in der Funktion als Ombudsstelle für Frauen. Die Workshops, die wir für Frauen und aber auch für Männer abgehalten haben und die Veranstaltungen, die von der Stelle der Unabhängigen Frauenbeauftragten der Stadt Graz organisiert wurden. Der Großteil der Zahlen beinhalten aber die Beratungen im Sinne einer Ombudsstelle und der kostenlosen Rechtsberatungsstelle, da gibt es einfach noch viel zu wenig für in Graz lebende Frauen und auch in den Regionen in der Steiermark!!!!!
Um diese Arbeit in den letzten Jahren zu bewältigen, wurden ca. 2/3 der Stunden unentgeltlich geleistet – von den Rechtsberaterinnen und von der Unabhängigen Frauenbeauftragten. Wir teilen uns noch immer zu Dritt 26 h pro Woche (bezahlt).
Nicht enthalten in den oben genannten Zahlen sind die Aktivitäten rund um den Internationalen Frauentag und rund um den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (Lichtermeer in den Jahren 2005 und 2007). Auch diese Aktivitäten, wurden in den vielen unbezahlten Stunden geleistet.
Sichtbar wird, dass die Unabhängige Frauenbeauftragte der Stadt Graz, Brigitte Hinteregger, mit ihrem Team (Susanna Ecker und Johanna Ilkow und Judith Oberzaucher, die am 15.5. von der Karenz zurück kehrt) viele Frauen erreicht hat und viele Anliegen bearbeitet wurden. Es macht den Anschein, dass die Frauenbeauftragte eh nur lästig ist, weil sie doch immer wieder die Nöte der Bürgerinnen der Stadt aufzeigt und die Bürgerinnen kompetente Ansprechpartnerinnen im Büro der Unabhängigen Frauenbeauftragten haben. Damit erhalten die Bürgerinnen eine Stärkung, um für Ihre Anliegen z.B. in Ämtern, Behörden und Beziehungen auch einzubringen und deutlich zu machen. Und mit einer Frauenbeauftragten und einem absolut kompetenten und engagierten Team, das eingearbeitet ist, werden immer mehr Fälle direkt mit den Frauen bearbeitet und mehr Frauen werden auf diese Stelle aufmerksam.
Man will die Stelle neu ausschreiben! Klar, bis jetzt war es immer so (außer Grete Schurz, die in Pension gegangen ist und Doris Kirschner, die direkt ins Magistrat wanderte), dass die Unabhängigen Frauenbeauftragten nach 2 oder 3 Jahren von selbst aufgehört haben, weil die Situation untragbar und die finanziellen Bedingungen schlecht waren und noch immer sind. Es ist klar, sobald diese Stelle mit einer neuen Frau besetzt ist, wird wieder die Einarbeitungszeit sein und dann wird sie nach 2-3 Jahren von selbst kündigen, weil sich auf der strukturellen Ebene nichts geändert hat. Diese Strategie ist bis jetzt aufgegangen, doch mit Grete Schurz hatte die Stadt Graz und mit Brigitte Hinteregger – die mit 1.5. ihr 5. Jahr in dieser Funktion startet - hat die Stadt Graz eine Frauenbeauftragte, die diese Umstände auch aufzeigt – hier geht es darum einen langen Atem zu haben, gute Vernetzungspartner/innen und aber auch immer wieder im Sinne der Frauen zu handeln und für die Frauen da zu sein. Doch das scheint für die Stadt Graz zu unbequem zu sein. So wird mir gesagt: „dann dürft ihr halt nicht so viele Frauen nehmen, wenn ihr mit den Stunden nicht auskommt“! – Ja, mit dieser Aussage wird deutlich, wie wichtig Frauenangelegenheiten sind.
Der Grazer Frauenrat fordert schon lange eine entsprechende finanzielle Aufstockung des Büros der Unabhängigen Frauenbeauftragten (im Grazer Frauenrat sitzen Vertreterinnen der ÖVP, SPÖ, der Grünen und der KPÖ). Das heißt, die Politik kennt die Forderung.
Im Sinne der Frauen wird das Büro weiterhin für alle Frauen dieser Stadt offen bleiben und wir müssen unsere Arbeit ehrenamtlich weiterführen (wegen Urlaubsanspruch und Mehrstundenabbau). Die Rechtsberaterinnen und die Unabhängige Frauenbeauftragte, Brigitte Hinteregger, sind weiterhin für Ihre Anfragen und Anliegen da.
Wir als TEAM im Büro der Unabhängigen Frauenbeauftragten finden diese Kündigung nicht die optimale Lösung und fordern die Politik auf, die Stelle – ohne Aufkündigung des derzeit amtierenden Teams – mit entsprechenden Mitteln, im Sinne der Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, auszustatten. Hier ist ein hohes Maß an Lösungskompetenz gefragt und dazu muss es eine Lösung geben. Das Problem besteht nicht erst seit einem Tag.
Am 27.3.2008 wird es um 17:00 Uhr eine Protestkundgebung am Grazer Hauptplatz geben – bitte unbedingt hinkommen.
Für Rückfragen stehe ich sehr gerne unter: 0676/707 707 3 zur Verfügung.
Mit besten Grüßen
Brigitte Hinteregger und das gesamte Team der Unabhängigen Frauenbeauftragten
www.frauenbeauftragte.at