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1500 Jahre Volksgruppenzählung

(27.8.2009) Manchem, das sich in Kärnten abspielt, kann man / frau eigentlich nur mehr ironische Titel geben, etwa der Absage des Weltkriegs-Geriatrie-Treffens am Ulrichsberg. Nun erfreut uns das BZÖ (das ja immerhin teilweise auch gegen den Ulrichsberg war, überaschenderweise) mit dem Wunsch, wieder einmal fein säuberlich zu zählen, wieviele SlowenInnen denn wo in Kärnten leben, sprich: wo muss man zweisprachige Ortstafeln aufstellen?

Warum das ein Akt des Müssens und nicht der Selbstverständlichkeit oder des Wollens sein soll, hat zwar selten jemand erklärt. Es gibt natürlich den Staatsvertrag mit Verpflichtungen gegenüber den Volksgruppen (namentlich SlowenInnen, KroatInnen und UngarInnen), aber auch das wäre nicht notwendig, wenn Selbstverständliches auch so gesehen würde. "BZÖ und ÖVP wollen Kärntner Minderheit zählen"  wird dann daraus, oder auch "Minderheitenfeststellung" - und da sollte dann klar sein, warum das Wort "Volksgruppen" besser ist (selbst wenn manche gegen "Volk" nach dem historischen Gebrauch des Begriffes gewisse Aversionen haben).

"Volksgruppenfeststellung" klingt schon etwas seltsamer und stellt die Berechtigung des Ansinnes einer "Minderheitenfeststellung" in Frage. "Das BZÖ blockiert auch weiterhin und verlangt eine Minderheitenfeststellung"- schreibt etwa der Standard und wiederholt den Begriff auch mehrmals. So setzt sich im üblichen hierarchischen Begriff von Mehrheit und Minderheit fest, dass es da Menschen gibt, die ihren Anspruch auf etwas erst besonders gut untermauern und argumentieren müssen. Nach 1500 Jahren? Okay, die Zahl ist etwas plakativ, aber SlowenInnen leben fast so lange bereits in dem Gebiet, das wir heute Kärnten nennen. Sprich, diejenigen, die sich aus irgendeinem Grund als Deutsche betrachten, könnten das langsam mal begreifen.

Aber mit dem Geschichtsverständnis ist das ohnehin so eine Sache, nahm Landeshauptmann Dörfler doch im Zusammenhang mit "kriminellen Asylwerbern" an, dass Frauen vor 2000 Jahren keine Angst vor Handtaschenräubern haben mussten. Das ist grundsätzlich nicht mal so falsch, denn damals gab es noch keine Handtaschen. Und die Keltinnen, die in Kärnten lebten, hatten wahrscheinlich neben einem Beutel am Gürtel auch einen Dolch und wenn notwendig ein Schwert. (Deutschnationale LeserInnen gibt's hier ja nicht, aber falls doch: das bedeutet jetzt nicht, dass der Handtaschenraub dann halt vor 1500 Jahren von den SlowenInnen eingeführt wurde.)

Kann das wahr sein, dass schon wieder herumgeeiert und verzögert wird wegen der Ortstafeln? Gut, anderswo, nämlich im Burgenland, wurden sie erst 2000 zweisprachig (meist kroatisch, ein paar ungarisch), dafür ging es ohne Probleme und ohne in Frage gestellt zu werden. In Kärnten zieht sich das Ganze ewig hin, mit Verfassungsgerichtshofsbeschwerden, Anzeigen und Tricksereien. Die Namen der Streitenden sind in der Regel jene von Männern, sodass sich vermuten lässt, dass da auch Hahnenkämpfe abgeführt werden.

Was sollte so schlimm daran sein, Ortsnamen in zwei Sprachen zu lesen? Sind Einsprachige nur halbe Alphabeten? Ist es kränkend, immer wieder darauf hingewiesen zu werden, nicht auch Slowenisch zu sprechen? Stellen sich Männer mit den Händen in den Hosentaschen vor Ortstafeln und spielen an sich rum voll "Heimatstolz", und da geht es irgendwie nicht so richtig ab, wenn sie auch ein oder zwei slowenische Worte lesen? Kann das mal irgendjemand vernünftig erklären?

Infos:
Infozentrum der Kärntner SlowenInnen
Die Vertreibung der Kärntner SlowenInnen
Enotna Lista / Einheitsliste
Erinnerungen an die Deportation der Kärntner SlowenInnen
Volksgruppenbüro
Die Kärntner Slowenen
Gemeinschaft der Kärntner SlowenInnen
Slowenischer Alpenverein
Slowenischer Athletikklub

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