(19.2.2009) Obwohl Frauen bereits seit 1998 beim Heer dienen können, gibt es nur selten differenzierte Berichte darüber in den Medien. Dies hat natürlich zur Folge, dass das Thema oft klischeehaft abgehandelt wird und sich dann dementsprechende Vorstellungen in der Öffentlichkeit festsetzen. Diese Recherche hofft, dem etwas entgegenzusetzen schlicht mit ausführlichen Informationen. Meine GesprächspartnerInnen waren Hofrat Thomas Mais (Leiter der Heerespersonalamts), seine Stellvertreterin Mag.a Brigitte Habermayer-Binder, Obertleutnant Irina Potuschak (die lange Wehrdienstberatung machte) und Mag. Christoph Hatschek (stv. Leiter des Heeresgeschichtlichen Museums. Nicht zu vergessen auch die Guides im HGM, die mich mit historischen Fakten über Frauen und Armeen überhäuften und mir viele Details auf Bildern zeigten, die mir als Betrachterin vielleicht entgangen wären.
Immer wieder war zu hören, dass sich das Bundesheer als Spiegel der Gesellschaft versteht, wobei auch unter demokratiepolitischen Gesichtspunkten die Präsenz von Frauen erforderlich ist. Leider werden Zahlen zum weiblichen Personal des Heeres meist verkürzt genannt, da nur der aktive Dienst berücksichtigt wird, nicht aber die Personalreserve, aus der SoldatInnen für Auslandseinsätze rekrutiert werden. Derzeit dienen 323 Frauen, während bereits 264 Frauen der Reserve angehören. Einen Quantensprung verspricht man sich gerade davon, dass erstmals Frauen die Chance haben, am Generalstabslehrgang teilzunehmen, der gemeinsam mit der Universität Wien durchgeführt und mit dem Mag. Phil. abgeschlossen wird.
Frauen am Rande einer belagerten Stadt, die ein Entsatzheer bekommt
Denn heute erfüllen sechs Frauen die Voraussetzungen, da sie als Truppenoffiziere Verwendung finden, etwa die fünf Frauen mit dem Dienstgrad Hauptmann. Da von mehreren hundert in Frage kommenden Personen etwa 20 bis 25 letztlich in den Kurs aufgenommen werden, besteht die Möglichkeit, dass sich darunter auch Frauen befinden. Der erste weibliche General wäre natürlich ein Signal, dass es Frauen auf allen Ebenen im Bundesheer geschafft haben. Übrigens dürfte sich die erste Frau General auch als Generalin anreden lassen, doch werden allgemein die männlichen Bezeichnungen mit dem Zusatz Frau verwendet. Brigitte Habermayer-Binder erinnert, dass das Frauenministerium einst weibliche Bezeichnungen forderte, man dann aber auch um Vorschläge bat.
Tatsächlich würde es bei den meisten Dienstgraden seltsam klingen, sie zu "verweiblichen", was klar wird, wenn man sie als Liste vor sich hat. "Leutnantin" oder "Oberwachtmeisterin" klingt eher absurd, während "Majorin" noch ginge und "Fähnrichin" besonders seltsam anmutet. Rekrut statt Wehrmann ist übrigens eine Idee des Heeresgeschichtlichen Museums gewesen. Thomas Mais weiss von Besuchen in Deutschland, dass dort die weiblichen Armeeangehörigen auf ihren Türschildern ein kleines "in" dabeistehen haben. Ich dachte eher, die männlichen Bezeichnungen sollen Gleichwertigkeit ausdrücken wie etwa bei den Begriffen Sekretär und Sekretärin, wo mit der weiblichen Bezeichnung deutlich andere Assoziationen verbunden sind.
Übergriffe am Rande einer Schlacht
Man muss beim Thema Frauen und Heer auch die etwa 3500 weiblichen Zivilbediensteten berücksichtigen und dass in Österreich Personal, das bei anderen Armeen als militärisch galt, als zivil eingestuft wurde, sodass es im Grunde seit den 50er Jahren Frauen beim Heer gibt. Dennoch war es für die Armee schwieriger als etwa für die Exekutive, da es immer weibliche Beschäftigte in den Polizeigefangenenhäusern, in den Justizanstalten und bei der Kriminalpolizei gab. Wenn Frauen den Beruf der Soldatin wählen, spielt bei der Akzeptanz im Umfeld oft eine Rolle, ob es Verwandte gibt, die ebenfalls beim Heer sind. Bei Irina Potuschak ist das der Fall, sie weiss jedoch aus den Erfahrungen der Wehrberatung, dass viele Interessentinnen keinen entsprechenden Background haben.
Wenn sie in Uniform in der U-Bahn unterwegs ist, wird sie immer wieder angesprochen, stellt aber fest, dass Soldatinnen mittlerweile nicht mehr als so exotisch gelten. Auch bei Infoständen etwa am Nationalfeiertag am Heldenplatz gehen die zunächst unverbindlichen Gespräche oft in richtiggehende Beratungen um, die schon konkretes Interesse der jungen Frauen zeigen. Immer wissen aber viele noch nicht, dass es die Möglichkeit gibt, beim Heer zu arbeiten. Doch wenn sich eine Frau beispielsweise per Mail über die Website des Bundesheers interessiert, wird ihr auch ein persönliches Gespräch angeboten. Außerdem bemüht man sich bei Schnuppertagen um junge Frauen und Männer, an denen übrigens auch MedienvertreterInnen teilnehmen können, um darüber zu berichten.
Mächtige Frauen als Allegorie zu den Türkenkriegen
Thomas Mais räumt allerdings ein, dass eine Karriere beim Heer "In Österreich nicht wirklich als populäre Berufsvariante für Frauen" gilt. Man kann den Zugang von Frauen und Männer auch nie vergleichen, da die Wehrpflicht das Bild immer verzerrt, egal welche Zahlen man heranziehen will. Durch die Wehrpflicht müssen alle männlichen Staatsbürger, auch wenn sie sich dann für den Zivildienst entscheiden, vor der Stellungskommission erscheinen. Frauen dienen hingegen völlig freiwillig und können auch jederzeit wieder ausscheiden, was ein "sehr ehrliches System" ist, da nur jene dabei sind, die es auch wirklich aus ganzem Herzen wollen.
Bei der deutschen Bundeswehr können Frauen wie Männer Soldaten auf Zeit werden, ohne vorzeitig wieder ausscheiden zu können. In Schweden können Frauen den Grundwehrdienst absolvieren, der dann für die vorgesehene Zeit auch verpflichtend ist. In diesem hinsichtlich Einwohnerzahl und Status als Land außerhalb der Miltärbündnisse vergleichbaren Land gab es bereits Anfang der 80er Jahre einen Pilotversuch und zuvor wie in der Schweiz einen "Frauenhilfsdienst". Österreich hat sich, meint Mais, sowohl im schwedischen als auch im deutschen System umgesehen und an dem orientiert, was jeweils als positiv erschienen ist. (Anmerkung zum militärischen Frauenhilfsdienst <FHD>: auch die finnischen „Lottas“ sind ein entsprechend wichtiges Beispiel für den Einsatz von weiblichen Uniformierten im militärischen Bereich.)
K.K. Leutnant Francesca Scanagatta (1776 - 1865)
In Deutschland sei man "viel emotionsloser" an die Sache herangegangen, nachdem eine Frau per Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte die Öffnung der Bundeswehr erzwungen hat. Mittlerweile dienen 25000 Frauen, was auf Österreich umgelegt bedeutet, dass es etwa 2500 sein müßten. Allerdings wird bei uns, so Mais, gerne alles erstmal negativ kommentiert, wie etwa die Reaktionen auf die ersten Polizistinnen im Streifenwagen zeigten. In Österreich gab es, was die Dauer der Verpflichtungen betrifft, übrigens einen Paradigmenwechsel, da man nun Soldaten beiderlei Geschlechts auf Zeit möchte, die dann in einen Zivilberuf wechseln. Etwas anderes wäre auch rein praktisch nicht finanzierbar. Es ist ohnehin so, dass die Mehrzahl wieder in den zivilen Bereich will, sich manche aber durchaus auch länger verpflichten.
Die Personalreserve aus jenen, die befristet gedient haben, wird für Auslandseinsätze herangezogen, für die aber eine Mindestqualifikation erforderlich ist. Darunter versteht man einen Ausbildungsstand, der eine Entsendung ins Ausland ermöglicht. Das Heer sieht sich, wie Mais betont, als potenter Dienstgeber am Arbeitsmarkt, der aber oft wenig Akzeptanz in breiten Bevölkerungskreisen hat. Man kümmert sich besonders um die Frauen beim Heer, was anfangs auch Eifersüchteleien hervorgerufen hat, mittlerweile aber anerkannt ist. Durch Mentoring hat man losen Kontakt zu jeder Soldatin und kann eingreifen, wenn es Probleme gibt.
Söldnerheer: ein Pandur und sein "Liebchen"
Irina Potuschak versteht darunter etwa, dass eine Frau Angst hat, die Ausbildung wegen zwei Wochen Krankenstand nicht zu schaffen. Man kann im persönlichen Gespräch feststellen, dass ein vermeintlich so großes Problem klein ist. Frauen sind ja doch in einem für sie neuen Umfeld, mit dem Männer sicher weit unbekümmerter umgehen, ohne sich große über alles Gedanken zu machen. Zur fehlenden Selbstverständlichkeit für Frauen kommt noch, dass sie ehrgeiziger sind, es auch gut machen wollen, wenn sie sich für diese Laufbahn entschieden haben. Man verhindert, dass Frauen aufgeben, weil sie sich selbst überschätzen, während eine Beendigung der Ausbildung aus anderen Gründen bei Frauen wie Männern nicht vermieden werden kann.
Da werden dann auch ähnliche Ursachen genannt wie etwa die Entfernung zum Wohnort oder Familiäres oder auch, dass man sich das Ganze etwas anders vorgestellt hat. Die meisten Personen scheiden allerdings planmäßig aus, etwa Bauernsöhne, die sich nach drei oder sechs Jahren um die Wirtschaft daheim kümmern wollen. In Zahlen ausgedrückt, hat das Heer 3741 befristete Jobs an Männer vergeben und 118 an Frauen. Man möchte nun mehr Frauen als bisher erreichen, was Thomas Mais auch ausdrücklich als Ziel von Verteidigungsminister Norbert Darabos nennt.
Abseits von Kampfhandlungen: ein Überfall, bei dem man sich denken kann, wie er ausgehen wird
Dabei gelten als Zielgruppe Frauen und Männer bis 29 Jahre, für die 1000 Jobs zur Verfügung stehen. Die Altersgrenze wird dadurch erklärt, dass man "unerbittliche Hürden" im Überprüfungsverfahren bewältigen muss, was für über 30jährige kaum mehr möglich ist. Allerdings ist es auch bei der Exekutive so, dass Menschen jenseits der 30 nicht mehr in den Dienst genommen werden. Besonders gut ist übrigens die Zusammenarbeit mit dem AMS, die 1998 begonnen wurde, als Frauen zum Heer kamen.
Auch beim Gespräch mit Christoph Hatschek im HGM wurde darauf verwiesen, dass das Heer nicht unbedingt den besten Stellenwert in der Gesellschaft habe. Seinen Erfahrungen nach haben viele Soldatinnen, was auch durch Befragungen festgestellt wurde, familiären Bezug zum Heer. Offenbar scheint dies die Entscheidung doch leichter zu machen. Männer haben durch den Präsenzdienst einen anderen Zugang, der oft bedeutet, dass man sich mit dem Heer anfreundet und sich vorstellen kann, dort zu bleiben. 2005 wurde durch eine Wehrgesetzänderung ermöglicht, dass auch Männer in den zuvor Frauen vorbehaltenen Ausbildungsdienst wechseln können, während sie ihren Präsenzdienst machen.
Söldnerheer: ein Kroate und sein "Weib"
Hatschek meint, dass die absoluten Zahlen an Frauen im Heer nach wenig aussehen, egal welche Berechnungsmethoden man heranzieht. Natürlich müssen, wie überall im Bundesdienst, Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt werden. Die Öffnung des Heeres für Frauen sieht er als politische Entscheidung an, der keine militärische Notwendigkeit zugrunde lag. Ab 1955 gab es ja weibliche Zivilbedienstete in den Bereichen Sanität und Verwaltung. In anderen Armeen wurden ihre Tätigkeiten von uniformierten Männern durchgeführt. Die speziellen Rekrutierungsmaßnahmen für Frauen, die ab 1998 erforderlich waren, haben nach sich gezogen, dass man sich auch mehr um Männer kümmert.
Vieles, das sich als gut für Frauen erweist, ist ja letztlich auch für Männer gut, meint Hatschek. Man hat sich auch die geltenden Leistungsparameter überdacht und mehr berücksichtigt, dass jede Funktion andere Charakteristika verlangt. Auch wenn beim Militär alles hierarchisch ist, lernt man doch gutes Projektmanagament, was wiederum nach sich zieht, dass Offiziere in der Privatwirtschaft sehr gefragt sind. Immerhin lernen sie Problemlösungen und ebenso auch strategisches Denken. Das Militär ist, betont auch Hatschek, ein Spiegel der Gesellschaft, wird aber auch wie die Kirche von über Jahrhunderte bestehenden Traditionen geprägt.
Überfall auf das feindliche Lager
Diese wirken auf ein Image, das für Frauen nicht unbedingt attraktiv ist. Man muss junge Frauen nicht nur in dem Alter ansprechen, wo Männer ihren Wehrdienst leisten, sondern bereits mit 12 oder 13. Hier ist langfristige Planung erforderlich und eine Weiterbetreuung der Mädchen, die Interesse zeigen. Schnupperwochenden, die an das Heer heranführen sollen, sind freilich auch viel "Show", wie Hatschek anmerkt. Man sollte auch erklären, dass sowohl Zivildienst als auch Militärdienst heterogen sind, Ebenso, wie ein Zivildiener nicht unbedingt beim Roten Kreuz arbeitet, kann man beim Heer im Sanitätsbereich helfen, ohne Zivildiener sein zu müssen. Freilich gelten etwa die auch möglichen Verwaltungsberufe beim Heer als "nicht sexy". Ein wichtiges Ziel bei Auslandseinsätzen ist die Beteiligung von mehr Frauen, da es bei friedenserhaltenden Missionen auch darauf ankommt, mit Frauen vor Ort zu reden, was Frauen eben besser können.
Johanna Sophie Köttner, wahrscheinlich zwichen 1722 und 1802 lebend,
diente als Mann verkleidet
Im Kontext der Geschichte von Frauen und Armeen verweist Hatschek, der über Frauen beim Bundesheer dissertiert, auch auf die nach wie vor tabuisierten Massenvergewaltigungen im Zweiten Weltkrieg, ein "Kriegsverbrechen der besonderen Art". Tatsächlich kann man auch auf zahlreichen Bildern im HGM die Anbahnung von Vergewaltigungen am Rande historischer Kämpfe und Schlachten sehen, wobei die bis zum 17. Jahrhundert üblichen Söldnerarmeen oft als Soldaten aus vielen Ländern samt Familie bestanden. Dies schützte die Frauen vor Ort, bedeutete aber auch, dass die Soldaten ihren Anteil an der Beute nicht unbeobachtet herumliegen lassen mussten. Als sich die Armeen veränderten, beeinflusste dies auch die Situation der weiblichen Bevölkerung.
Besetzung eines flandrischen Dorfes
In der Gegenwart erweist es sich oft nicht so leicht, bei Frauen einen Ansatz finden. Abgesehen vom Wehrdienst sind Männer auch durch den Sportunterricht ganz anders geprägt, werden sich also mit den Leistungsanforderungen leichter tun. Österreich ist allerdings eines der wenigen Länder, die alle Bereiche des Heeres für Frauen geöffnet haben. Andere Staaten taten dies zunächst nur bei Logistik, Sanität oder Musik, weigerten sich beispielsweise, Frauen auf U-Boote zu lassen. Nun haben wir dieses Problem ja seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr (Modelle damaliger U-Boote kann man im HGM natürlich auch sehen), doch wurde die Möglichkeit zu Auslandseinsätzen zunächst zögernd angenommen, obwohl sie für die Karriere notwendig sind.
Die Frau eines Husaren
Hatschek meint übrigens, dass man eigentlich nur seitens der Politik erwartet hat, dass die Öffnung der Armee für Frauen zu einem höheren Prozentsatz als gegenwärtig bestehend führen wird. Im Heer selbst war man realistisch und hatte ja auch mit erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen zu tun wie einer Trennung der Krankenreviere. Grundsätzlich sind Soldatinnen im Militär besser akzeptiert als in der Gesellschaft, was ich durchaus nachvollziehen kann, nachdem eigentlich alle, mit denen ich je drüber sprach, stolz sind auf die Frauen beim Heer, immer wieder den demokratie- und gesellschaftspolitischen Aspekt betonen.
Alexandra Bader
Infos:
www.bmlv.gv.at (Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport)
www.hgm.or.at (Heeresgeschichtliches Museum)
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Das Frauenministerium wird Ceiberweiber mit € 5000.- (beantragt: 25.000 wie üblich, bei gestiegenen Zugriffszahlen) unterstützen, sodass ich, um die Seite weiterzubetreiben und meinen Lebensunterhalt (wieder) zu sichern (derzeit lebe ich von wenigen Ersparnissen), Aufträge journalistischer Art brauche, auch ein Teilzeitjob wäre willkommen. Ich kann bswp. von Veranstaltungen berichten, Leute für Projekte interviewen, schreibe gerne Artikel, Kolumnen und Kommentare zu allen Themen (meine Selbstvorstellung mit allen Infos ist hier als doc-Datei). Und überhaupt:
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Mein
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