(21.2.2009) Es ist diese Meldung, die aufmerksam macht und aufregt - die einen, weil sie das Gendern von Sprache auch dann ablehnen, wenn es durchaus harmonisch klingt, andere aber, weil über reale Probleme hinweg-gegendert wird: "Eine heute Nachmittag abgeschlossene Prüfung ergab, dass einE einzelneR MitarbeiterIn, tätig im Administrationsbereich, aus eigenem Antrieb die Daten abgerufen und an eine andere Partei weitergegeben hat." Dies gaben die Grünen am 19.2. bekannt, nachdem interne Unterlagen in diversen Medien zitiert wurden. Die/der MitarbeiterIn (wenn wir das absurde Gendern einer Person fortsetzen) wurde entlassen, was man als notwendig erachtet, zugleich aber sehr bedauert.
Während etwa in Aussendungen von Ministerien oder in politischen Reden fast durchwegs Frauen und Männer explizit angesprochen werden, übertreiben es die von Turbulenzen gebeutelten Grünen ganz offensichtlich mit dem Gendern. Genau genommen ist es schon ein Transgendern, eine Person zu halbieren und zwei Geschlechtern zuzuteilen. Hier soll anscheinend politische Korrektheit vorgeführt werden, die dem neuen Ruf der Grünen als "Frauenpartei" gerecht wird, nachdem nahezu alle Spitzenpositionen mit Frauen besetzt sind. Ebenso wie Gender Mainstreaming als bloße Absicht täuscht aber eine gegenderte Sprache darüber hinweg, dass Frauen und Männer keineswegs hinsichtlich ihres möglichen Agierens gleichberechtigt sind.
Dabei besteht viel Holschuld der Frauen, die damit immer noch ganz gut leben können, das Vorgeben der wesentlichen Entscheidungen und Positionen, das Entwickeln von Visionen Männern zu überlassen. Es gibt keine Partei, in der Frauen auf dieser Ebene so sehr mitmischen, dass sie die Gesamtorientierung beeinflussen. Freilich kann eine Frau, würde sie es wagen, wohl ebenso verlieren wie ein Mann, der sich verspekuliert hat. Da ist es sicher einfacher, das ganz große Risiko Männern zu überlassen. Die Haltung der "braven Frauen" kann aber auch schiefgehen, wenn nämlich Listenplätze knapp werden und Einsatz erforderlich ist, um ihre Position zu behalten.
Nicht von ungefähr sind nun weniger Frauen im Nationalrat als zuvor, was teils auf die Zuwächse der "Männerparteien" FPÖ und BZÖ geht, aber eben auch durch die Listen von SPÖ und ÖVP verursacht wurde. Mit Kampf haben es die Frauen aber nicht so - auch wenn sie unfair, sprich sexistisch angegriffen werden, überlassen sie die Gegenwehr lieber anderen, sind aber selten bereit, sich ebenfalls solidarisch zu anderen Frauen zu verhalten. Männer tun sich etwas leichter damit, für Dinge grundsätzlich einzutreten, weil sie auch abstrahiert von Personen wichtig sind (weil dann nicht zählt, ob man jemanden voll sympathisch findet oder nicht, weil die unter Frauen übliche Hintenrum-Abwertung von "der da" erst recht irrelevant und apolitisch ist).
Gerne begeben sich Frauen unter den Schutz von Frauen, die sich mehr an Stärke zutrauen und für die Solidarität auch mehr ist als nur ein Wort. Die Sache mit der Protektion durch Männer, die die Notwendigkeit gewisser Frauenqupoten im Sinn haben, nicht aber das demokratische Recht von Frauen auf Selbstvertretung, geht spätestens dann schief, wenn Veränderungen anstehen und "Wichtiges" berücksichtigt werden muss - das sind dann Personen und Inhalte, wo Frauen und Frauenanliegen keine so große Rolle spielen. Solange Frauen aber mitspielen und das Maximum an Eigenständigkeit allermeistens das ist, was gerade die "weibliche Führung" der Grünen zeigt (über Männer ätzen, statt in den demokratischen Wettbewerb mit ihnen zu treten), wird sich wenig ändern und Gendern auf sprachliche Aspekte beschränkt sein.
Alexandra Bader
PS: Wenn frau gewohnt ist, sich aktiv für etwas einzusetzen, verlässt sie im Grunde die (vielfach leider immer noch) passive Frauenwelt. Die Männerwelt weiss Engagement zwar anzuerkennen, begreift aber nicht, dass eine Frau ohne den Background der Männern selbstverständlichen Netzwerke und Sicherheiten mit ihnen nicht gleichberechtigt, sondern in einer viel schwächeren Position ist. Den "Schutz" der Frauenwelt hat sie aber durch ihr Engagement auch nicht mehr...
Siehe auch Anmerkungen im Blog
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