(21.3.2009) Für die Arbeiterkammerwahlen im Mai 2009 wird bereits eifrig in Zeitungen geworben, und da fällt zum einen positiv auf, dass Frauen als Automechanikerin und Chemikerin gesehen werden. Weniger positiv, da klischeehaft ist der Verbindung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit Frauen, als ob es nicht auch Männern ein Anliegen ist und noch viel stärker sein sollte. Die Arbeitnehmerin, mit der diese Frage assoziiert werden soll, ist vielleicht zufällig weder Mechanikerin noch Chemikerin, sondern arbeitet in einem Textilgeschäft. "typischer" Frauenberuf mit anderen Worten, auch was die Bezahlung im Vergleich zu vor allem von Männern ausgeübten Tätigkeiten geht.
Allerdings sollte eine Kampagne auch die Realität in der Arbeitswelt abbilden, und da ist eine der alljährlich um den Girls' Day im April festgestellten Tatsachen, dass Mädchen nach wie vor bevorzugt Verkäuferin oder Friseurin werden. Hier wird aber doch gegengesteuert mit der Mechanikerin und der Chemikerin, während Vereinbarkeit Frauenfrage bleibt. Solange das so ist, bedeutet es gerade in den von Frauen bevorzugten Berufen aber, zu Lasten den Einkommens mit den Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen zu jonglieren. Gerade im Handel arbeiten viele Frauen Teilzeit mit unbezahlten Überstunden, sind weder gewerkschaftlich organisiert noch von einem Betriebsrat vertreten.
Von speziellen Schikanen ganz abgesehen, die besonders von manchen Lebensmittelketten bekannt sind und wohl auch deswegen lange möglich, weil die Opfer mehrheitlich Frauen mit Angst um den Arbeitsplatz sind. Während die Überwachung von Lidl-MitarbeiterInnen (zum Glück für sie) zum Skandal wurde, gab es keine große Aufmerksamkeit für eine Aktion des zum REWE-Konzern gehörenden Penny-Marktes, die der Journalist Walter-Egon Glöckel dokumentiert hat. Penny hat eine KundInnenkarte, zu der eine Frau in der Marketing-Abteilung eine "passende" Idee hatte: MitarbeiterInnen bekamen T-Shirts mit der Auffroderung "Zeigen Sie mir Ihre", dies lesbar, wenn sie an der Kassa sitzen, nicht sichtbar, dass es um die Karte geht.
Glöckel sprach mit MitarbeiterInnen, wobei die Frauen von beleidigenden obszönen Sprüchen der Kunden berichteten (in der Art von "wann zagstn endlich deine Tittn?") und auch alle männlichen Mitarbeiter die Aktion sexistisch fanden und ablehnten. Frau möchte meinen, dass beispielsweise Günter Wallraff, der auch die Praktiken von Discountern anprangert, eine solche ausrecherchierte Geschichte gerne verstärkt oder dass die Emma darüber berichtet, doch dem was nicht so. Offenbar bestehen auch falsche Vorstellungen darüber, welche Chancen Beschäftigte in diesem Bereich real haben, ihre Rechte wahrzunehmen. In diesem Sinne wäre zu wünschen, dass die Arbeiterkammer ebenso präsenter ist wie die Gewerkschaft (die am Beispiel Kik-Betriebsrat nicht gerade erfolglos lobbyierte). Und außerdem, um wieder zur Vereinbarkeit zu kommen, sollte sie Sache des Chemikers und des Mechanikers (und des Kindergärtners und des Pflegers) sein...
Infos:
wien.arbeiterkammer.at
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