Politik | Termine | Kultur | Kommentar | Initiativen | Wissenschaft | Life | Herstory | Sitemap | Suche
 LeserInnenmeinungZur SacheGastkommentarzurück zur Übersicht
Startseite  »  Artikel » Kommentar » Mehr häusliche Gewalt durch Wirtschaftskrise?
 
Mehr häusliche Gewalt durch Wirtschaftskrise?  

(16.4.2009) Was sind die Ursachen von Gewalt? Vor den Osterferien äußerte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek Befürchtungen, dass häusliche Gewalt durch die Wirtschaftskrise zunehmen könnte. Gegenüber "Österreich" (3.4.2009) stellte sie fest, dass die steigende Zahl an Anzeigen und Wegweisungen zeigt, dass Frauen sich ihrer Rechte stärker bewusst sind, sorgte sich aber auch um Auswirkungen zunehmender Arbeitslosigkeit. Der Druck steige in Ausnahmesituationen in den Familien, was zu erhöhter Bereitschaft führt, Gewalt auszuüben. Die Ministerin sprach auch davon, dass Frauenberatungsstellen bereits jetzt mehr Andrang hätten.

Ein wenig erinnert es daran, dass seitens der Beratungsstellen auch nach der Bildung der ersten schwarzblauen Regierung im Jahr 2000  befürchtet wurde, die "Wende" werde ebenfalls zu mehr Gewalt führen. Männer fühlten sich, so argumentierten manche, in einer traditionellen Rolle bestärkt, während Frauen Karenzgeld und Frauenministerium weggenommen wurden, beides ja auch symbolisch zu verstehen. Allerdings bedeuten mehr Anzeigen beziehungsweise mehr Beratungstätigkeit nicht unbedingt, dass auch mehr Gewalt vorliegt. Es wird da immer schwer auseinanderzudividieren sein, was nun tatsächlich eine Zunahme gegenüber früheren, weniger bewussten Zeiten ist und wo einfach durch das Wissen um Gewalt als Unrecht mehr Gewalt gemeldet wird.

Außerdem fragt sich stets, warum Frauen Krisen (offenbar) anders bewältigen als Männer und ob (eventuelle) Kausalzusammenhänge beim Verhalten von Männern (oder Frauen) einfach so hingenommen werden müssen. Also etwa Wirtschaftskrise / Arbeitslosigkeit = Gewalt (dabei sei noch hinzugefügt, dass es nicht um "die Männer" oder "die Frauen" geht, sondern um das Verhalten von jeweils vielen, aber nicht allen). Freilich besteht ein Konnex zwischen Gewalt und finanziellen Mitteln, da Frauenhäuser immer wieder feststellen, dass selbst ganz junge Frauen oft keinerlei Ressourcen haben (will heissen: sie sind "eigentlich" schon damit aufgewachsen, dass frau einen Job braucht). Selbst Frauen, die Arbeit haben, verdienen ja im Schnitt weniger als Männer, es ist also für sie dramatischer, keinen  Job mehr zu haben, sodass dann auch die Abhängigkeit steigt.

Dazu kommt, dass die Identifikation von Männern mit ihrer Arbeit vielfach immer noch größer ist als bei Frauen, ergo auch der Verlust des Jobs stärkere psychische Auswirkungen hat. Dabei reicht aber schon für Sorgen und schlaflose Nächte, dass Arbeitsplätze bedroht sein könnten, wie auch Erfahrungen aus Deutschland zeigen, wo bereits vor der Wirtschaftskrise Banker wegen Hartz IV und Ein Euro-Jobs und dementsprechender, die Menschen marginalisierender Wirtschafts- und Sozialpolitik präventive Ängste entwickelten. All das wird aber häusliche Gewalt niemals erklären, deren Wurzeln in (enttäuschten) Erwartungen an einander liegen, ganz egal, wie sich die Börsenkurse gerade entwickeln.

Mann+frau könnte natürlich sagen, je mehr Menschen voneinander wollen, desto größer ist dann auch die Desillusionierung, was bei jenen, die Konfliktbewältigung nie gelernt haben, in Gewalt umschlagen kann. Nun gäbe es aber keine Vorstellungen von der alles umfassenden "großen Liebe", wenn diese noch niemand erlebt hätte, denn dann gäbe es auch keine Beschreibungen davon. Und diese Wahrnehmungen sind auch stets relativ unabhängig von den äußeren, auch historischen Umständen, da "große Lieben" durchaus überliefert und belegt sind. Wer sie erfahren hat, weiß auch, dass dann die/der andere alles ist, die ganze Person, jede Faser ihres/seines Körpers und auch jede ihrer Handlungen geliebt wird. Wahrscheinlich erfordert es auch aktive Bereitschaft dazu, dennoch findet eine/n die "große Liebe" eher, als dass mann/frau sie durch Suchen entdeckt.

Das Beziehungsleben sehr vieler Menschen ist aber davon weit entfernt, besteht bei einigen eigentlich vor allem daraus, sich in keiner Weise zu verstehen. Oft sogar so weit, dass die/der eine glaubt, eine gute Beziehung zu haben, während der/die andere bei fast jedem Wort Aggressionen unterdrücken muss. Weil ein anderer Mensch, der einem/einer so überhaupt nicht entspricht, grundsätzlich anders drauf ist, intellektuell, sexuell, von der Einstellung her und von den Dingen, die jemand wichtig findet. Es gibt natürlich auch Männer, die sich an Frauen klammern, welche sich weiterentwickelt haben, während die Männer selber gleichgeblieben sind. Im Kontext von Gewalt kann aber ein Beitrag der Frauen sein, dass sie Männer erziehen, verkindlichen, selbst nur banale Interessen haben und vielfach auch nichts mit Sexualität anfangen können.

Nicht jeder Mann wird es in sich hineinfressen, wenn eine solche Frau einfach nicht begreift, dass es keine Basis mehr gibt, und wenn die finanziellen Möglichkeiten für eine Trennung fehlen, kann es auch sein, dass er den falschen Weg wählt und zuschlägt. Andererseits gibt es Männer, die im Grunde kein Interesse an ihren Frauen haben, weil sie sowieso mit keiner Frau eine erfüllte und befriedigende Beziehung führen könnten. In beiden Fällen sollten Frauen imstande sein, sich eben nicht anzuklammern (nach der alten Rollenvorstellung, dass eine Frau nur mit einem Mann an ihrer Seite - egal wie distanziert er zu ihr ist - etwas "wert" sei), sondern Konsequenzen zu ziehen.

Es verhindert Leid, selbst wenn in vielen Fällen sowieso nie Gewalt ausgeübt würde. Und gerade hier tragen eben die Frauen selbst etwas dazu bei - statt sich und einem Menschen, der sie nicht liebt, die Möglichkeit zu neuen Erfahrungen zu schenken. Es mag seltsam erscheinen, im Kontext von Gewalt (genauer: Gewaltprävention und der Suche nach sanfter Konfliktlösung) Männerleid zu thematisieren, aber da Männer weniger stark artikulieren, wie es ihnen geht, muss darauf hingewiesen werden. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, hat in gewisser Weise ein Recht auf Glück, auf eine Beziehung mit einem Menschen, der/die voll Wertschätzung und Liebe ist und Alltagssorgen teilt und auch auf den Körper der/des anderen voll abfährt....



Gerne schreibe ich auch für andere Medien, zu jedem Thema, recherchiere oder arbeite in Projekten mit oder betreue Webseiten - Mailen Sie mir bitte! Alexandra Bader

 




Mein Feedback-Beitrag zu diesem Artikel

>>  Kommentar

 



Home
| Impressum | Kontakt | Forum | Downloads | Links |Archiv 1998-2006 |
   
Niederösterreich Wien Burgenland Kärnten Salzburg Steiermark Vorarlberg Tirol Oberösterreich