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25.7. Carolina De Robertis "Die unsichtbaren Stimmen"  

(25.7.2009) Die aus Uruguay stammende Autorin Carolina De Robertis hat mit "Die unsichtbaren Stimmen" ihr erstes Buch veröffentlicht. Sie arbeitete zehn Jahre für eine Frauenorganisation und übersetzt aus dem Spanischen. Ihre Eltern zogen mit ihr von Uruguay nach England, später in die Schweiz und schließlich nach Kalifornien, wo De Robertis heute lebt. "Die unsichtbaren Stimmen" beschreibt das Schicksal von drei Frauen über ein ganzes Jahrhundert hinweg und beginnt mit Pajarita, die als Baby an der Wende zum 20. Jahrhundert verschwand und in einem Baum hockend wiedergefunden wurde. Pajarita wuchs auf mit den Geschichten vom Leben früher und verlor ihre Mutter bei der Geburt. Ihr Vater trauerte so, dass er sich nicht um die Tochter kümmern wollte, dies einer Tante überliess.

Um Pajarita machte man erst Aufhebens, als sie verschwand und im Baum sitzend entdeckt wurde - De Robertis schildert sehr farbig, wie sich zuerst die Gauchos auf ihren Pferden unter dem Baum scharen, dann Frauen und Kinder aus dem nächsten Dorf kommen, und schließlich die Tante die Arme ausbreitet und das Mädchen hineinfällt (und ab nun Pajarita, kleiner Vogel, heißt). De Robertis bezieht die Inspiration zu ihrem Roman aus den Geschichten, die ihr Vater erzählte, und die bis zu jenen Vorfahren zurückreichten, die einst aus Italien nach Uruguay auswanderten. "Ich habe mir die Geschichten angehört und sie in mir herumgetragen, bis sie irgendwann aus mir heraussprudelten. Eigentlich habe nicht ich die Idee zu dem Buch gehabt, sondern das Buch hat mich ausgesucht."


Titelbild der englischsprachigen Ausgabe

Als Inspiration für Pajarita diente die Urgoßmutter mütterlicherseits, die am Land aufwuchs und mit 17 einen italienischen Einwanderer heiratete, der mit ihr in die Stadt zog. Dieser Mann reiste mit einem Jahrmarkt umher und hielt sie für die schönste Frau, die er je gesehen hatte. Sie bekamen sechs Kinder, sie war ihm treu, während er oft verschwand, um "Abenteuer" zu erleben, wie man damals sagte. Pajaritas Tochter Eva ist De Robertis' Großmutter väterlicherseits nachempfunden, einer aus Argentinien stammenden, ziemlich hypochondrischen Dichterin, die ihren Mann denn auch in einem Krankenhaus kennenlernte. Sie hielt sich für gelähmt, er heilte sie mit Placebos und entschied sich für sie anstelle der "wesentlich respektableren" Frau, die seine Familie für ihn ausgesucht hatte.

Evas Tochter Salomé ist besonders rebellisch und eine Hommage an eine Schulfreundin von De Robertis' Mutter, die sich bereits als Mädchen den Tupamaros anschloss. Sie verbrachte insgesamt 14 Jahre im Gefängnis, gebar dort sogar ein Kind, und wurde 1985 beim Ende der Diktatur freigelassen. Carolina De Robertis hatte als Kind nur verschwommene Erinnerungen an Uruguay, wurde jedoch mit sechzehn von ihren Eltern alleine hingeschickt. Sie sagt, dies habe ihr Leben völlig umgekrempelt: "Ich kam nach Hause, erfüllt von Bildern, Klängen, Gerüchen, Dingen und Beziehungen." Es hat ihren Blick auf die Welt und ihren Umgang mit der Welt verändert. Sie verspürt seither immer Sehnsucht nach dem Land und saugt es auch bei jedem ihrer Besuche in sich ein, was man auch ihrem Buch anmerkt.


Darüber hinaus meint sie, dass sehr viel an Recherche erforderlich war, sie hat "unzählige" Bücher gelesen und mit vielen Menschen gesprochen. Ihr Vorbild in Sachen historische Romane ist Toni Morrison, die einmal bemerkte: "Ich versuche, genau hinzuschauen, um herauszufinden, wie es war oder wie es hätte sein können und inwiefern es etwas damit zu tun hat, wie wir heute leben." Dem historischen Roman bleibt De Robertis treu, denn sie arbeitet gerade an der Geschichte einer jungen Frau, die dem Geheimnis ihrer Identität auf die Spur kommt, wobei sie mit dem Schicksal der "Desaparecidos" konfrontiert ist, die im Argentinien der 70er Jahre verschwanden.

Infos:
Vorstellung beim Buchboten
Blog "Dove's Eye View" gratuliert Schulfreundin Carolina de Robertis
Blog "Bücher im Blickpunkt"
Buchtipp bei Kulturnews
Blog "Mein Lese-Tagebuch"
Rezension im sf magazin


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