(25.8.2009) Interessante Anregungen zur Diskussion - "Netzwerken" ist ein Wort, das längst so inflationär verwendet wird wie Gender Mainstreaming. Beides sollte es eigentlich geben, es wird vielfach als Lösung zu mehr Chancengleichheit und einer Verbesserung der Situation von Frauen angesehen. Bei einer Recherche zu frauenpolitischen Themen bekam ich auch ganz unterschiedliche Standpunkte zum Aspekt des Netzwerkens, die Erfolge ebenso aufzeigen wie Handlungsbedarf.
Da Ceiberweiber im Grunde auch ein Netzwerk ist (auch wenn derzeit eine Person die Texte schreibt bzw. die Inputs anderer ins Web stellt), sind natürlich auch eigene Anmerkungen notwendig. Christa Pölzlbauer, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings und einst Proponentin des Frauenvolksbegehrens, ist davon überzeugt, dass Frauen durch Netzwerken schon einiges erreicht haben. Zwar ist vieles unerfüllt, das seit Jahren gefordert und auch nicht grundsätzlich abgelehnt wird (ein gutes Beispiel sind die elf Punkte des Frauenvolksbegehrens), aber Frauen und ihre Zusammenschlüsse werden nun im Vergleich schon ernster genommen.
Pölzlbauer verweist darauf, dass Frauen in Parteien und Interessensverbänden vernetzt sind und dass gerade die Zusammenschlüsse von Frauen in Berufsgruppen viel bewegen können. Dabei geht es auch um ganz Praktisches, wie einer besseren Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kleinstunternehmerinnen, die dann oft auch Kinder betreuen müssen (etwas, das mir auch Architektinnen mitteilten). Der Frauenring selbst ist Dachverband von 40 Frauenorganisationen, die zusammen auf eine Million Mitglieder kommen, und er hat noch jeder Regierung Forderungen aus Frauensicht übermittelt. Man / frau nahm diese insofern ernst, als dass ausführliche Antworten erfolgten.
Der Frauenring, in dem auch Parteifrauen vertreten sind, bemüht sich um ein gutes Verhältnis zur jeweiligen Frauenministerin. Die Gesprächsbasis mit Gabriele Heinisch-Hosek, der Inputs von der Basis sehr wichtig sind, ist besonders gut - der Frauenring ist dazu eingeladen, jede dritte seiner monatlichen Sitzungen im Frauenministerium im Beisein der Ministerin abzuhalten. Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (auch im Frauenring vertreten) sieht die Erfolge vom Netzwerken beispielsweise darin, unsensiblen Umgang mit Gewalt gemeinsam zu thematisieren.
Sie macht damit auf eine informelle Form des Netzwerks aufmerksam, wo Frauen(organisationen) einander auf etwas aufmerksam machen und gemeinsam oder zu mehreren, aber aufeinander abgestimmt Protest einlegen. Hier ist zwar kein unmittelbarer Effekt zu bemerken, aber als dank Web und Mail leicht zu bewerkstelligende Aktion wird die Häufigkeit von Kritik doch etwas bewirken. Es ist auf jeden Fall ganz anders als in jener Zeit, wo empörte LeserInnenbriefe meistens im Papierkorb landeten und nur die Möglichkeit bestand, selbst etwas in kleinen, in geringer Auflage gedruckten Alternativmedien zu veröffentlichen.
Rösslhumer engagiert sich in Netzwerken im Bereich Gewaltschutz, wo es um Verbesserungsvorschläge für Gesetze und bei der Hilfe für Gewaltopfer geht, aber auch darum, gemeinsame Projekte im Rahmen von EU-Programmen durchzuführen. Vernetzt sind übrigens auch rührige Einrichtungen, die mit vielen Problemen zu tun haben, mit denen Frauen im Alltag zurande kommen müssen, nämlich die Frauen- und Mädchenberatungsstellen.
Michaela Moser von der Armutskonferenz macht auf einen Aspekt aufmerksam, an den frau / man vielleicht nicht sofort denkt: nun wird bei sozialen Unterstützungssystemen gespart, die ja auch Frauen brauchen. Das bedeutet, dass dadurch auch Vereine und deren MitarbeiterInnen mehr mit weniger Ressourcen bewältigen müssen, also dann erst recht wenig Kraft dafür bleibt, sich dann auch noch mit anderen zu vernetzen und Lobbyarbeit zu betreiben. Paradoxerweise würde aber gerade diese Arbeit dann dafür sorgen, dass es wieder mehr Freiraum und mehr finanzielle Mittel gibt - nur anfangs ginge es natürlich darum, dass sich bereits ausgepowerte Menschen zwischenzeitlich noch mehr einsetzen müssen.
Im politischen Aufbruch, den es in der Reaktion auf die Bildung der schwarzblauen Regierung 2000 gab, wurde der "feministische Frauenrat" gebildet, dem Moser nachtrauert, denn dieser sollte auch dauerhafte Vernetzung werden. "Das hat aber nie wirklich funktioniert, und es gab dazu auch nie wirklich Ressourcen." Den Frauenrat findet sie "sicher okay" und vom Prinzip her und gut notwendig, aber es braucht auch "die NGO-Vernetzung und in dem Rahmen gemeinsame Lobbyarbeit für Frauenanliegen, ähnlich wie es die Armutskonferenz für Armutsanliegen macht".
Moser setzt pragmatisch hinzu: "Dazu braucht es aber Ressourcen; die Frauenorganisationen - noch dazu jene, die mit armutsgefährdeten Frauen arbeiten, haben normalerweise kein Personal, kein Geld etc. für Öffentlichkeitsarbeit oder politische Arbeit und das halte ich für fatal." Zur Verbesserung der Lage der Frauen ist aber auch Bewusstseinsbildung erforderlich, und dafür wird, kritisiert Moser, auch von Regierungsseite kaum etwas getan (was kam an heute noch Bekanntem nach der Halbe-Halbe-Kampagne von Helga Konrad, die von 1995 bis 1997 Frauenministerin war?).
Sylvia Dillinger-Brigl, die Präsidentin von BPW Austria (Business and Professional Women) meint, dass über Frauenvernetzung schon viel gesagt worden ist. BPW hat den Vorteil "zu wissen, was wir wollen", und eine immerhin 80jährige Tradition. "Im Vergleich zu Männernetzwerken hinken wir natürlich hinterher, aber Frauen lernen sehr schnell und holen auf. Interessant ist zum Beispiel Norwegen: Norwegen zwingt seine Aktiengesellschaften per Gesetz, ihre Aufsichtsräte zu quotieren. Anders als es in Deutschland und Österreich zu erwarten wäre, lamentieren die Wirtschaftsverbände dort nicht (mehr) über die staatliche Vorschrift, sondern bereiten die Frauen in hochklassigen Managementkursen auf die Aufgabe vor. Einer der wichtigsten Lehrsätze dabei lautet: Vernetzt euch! Lernt euch kennen! Vertraut einander! Arbeitet zusammen!Hier wird Vernetzung sozusagen öffentlich empfohlen, bei uns ist das nicht so der Fall! Wird manchmal NUR belächelt!"
BPW kann aber durchaus Akzente mit nachhaltiger Wirkung setzen, etwa mit der Aktion ROTE TASCHE oder dem Aktivitäten zum Equal Pay Day. Sylvia Dillinger-Brigl verweist darauf, dass als Folge dessen "nun endlich mit dem Nationalen Aktionsplan begonnen, bei dem auch unser Netzwerk in den Arbeitsgruppen beteiligt ist. Über die Zusammenarbeit mit Deutschland und der Schweiz hatten wir einen Wissensvorsprung, den sich ein Bundesministerium erst erarbeiten muss. Vernetzung in Ämtern ist auch noch rar." Gerne hätte BPW der Frauenministerin mehr Equal Pay Day Inputs von einer eigenen Webseite geben können.
Netzwerke sind, so Dillinger-Brigls Erfahrung, zwar in aller Munde, aber viele schätzen die Anforderungen nicht richtig ein, denn es muss Zeit investiert werden. Wer in einem Netzwerk aktiv ist, muss auch bereit sein, anderen die eigenen Ressourcen anzubieten. Auf den Wunsch nach schnellem "Profit" muss verzichtet werden, da Vernetzung eben langfristig wirkt und in einem guten Netzwerk auch alles wieder zurückkommt, das die einen den anderen zuteil werden lassen. Daher sollten Frauen, bei allem Hang zum Multitasking (uns bleibt ja oft auch nichts anderes übrig), sich wohl in bestehende Netzwerke einbringen, es sei denn, es gibt tatsächlich keines, das den Bedarf trifft.
Das Wunschnetzwerk von Michaela Moser wäre so eines, das dringend erforderlich ist, und wo sich unterschiedliche Anliegen wiederfinden, um gemeinsam vertreten zu werden. Längst ist themenübergreifende Zusammenarbeit zwischen vernetzten NGOs üblich, beispielsweise, wenn Umwelt- und Sozialinitiativen zusammen dafür eintreten, dass Energiesparen und klimafreundliches Verhalten auch für Sozial Schwache erschwinglich werden. Manchmal klinken sich auch Firmen in solche Zusammenschlüsse in, weil es zu ihren Produkten passt. Eine unerreichbare Vorstellung, dass auch die verschiedensten Aspekte des Frauenalltags, von Einkommensunterschieden über Gewalt bis Weiterqualifikation und Frauen in unterschiedlichen Berufen, gemeinsames Lobbying erfahren? Ceiberweiber ist jedenfalls sehr gerne eine Plattform dafür....
Netzwerke:
www.ewmd.org (Managerinnen-Netzwerk)
www.klubfuerfrauen.at
www.medienfrauen.net (Plattform zum Journalistinnenkongress)
www.frauennetzwerk.at (Frauennetzwerk Medien)
www.mentory.at (Mentory Club)
www.alphafrauen.org
www.zonta.at
www.bpw.at
www.equalpayday.at (Seite der BPW zum Equal Pay Day)
www.frauenring.at
www.aoef.at (Frauenhäuser)
www.armut.at (Armutskonferenz)
www.wirtschaftsverband.at/frauennetzwerk
Frauennetzwerk Vorarlberg
www.business-mamas.at
www.medienfrauen-ooe.at
Frauennetzwerk Donauuni
www.lungauerfrauennetzwerk.at
www.sabavienna.com
www.bregenzerwaelderinnen.at
Uni Linz
Linzer Frauennetzwerk
Kärntner Frauennetzwerk
Pinzgauer Frauennetzwerk
Gelegenheit zum Netzwerken:
„Frauen in der Wirtschaftskrise - Trifft die Wirtschaftskrise Frauen besonders stark?“ Zukunftskonferenz am 8. und 9. Oktober 2009, Wiener Städtische Versicherung, Ringturm, 7 .Stock, 1010 Wien. Infos (Anmeldung, begrenzte Teilnehmerinnenzahl):
www.dieunternehmerinnen.at womanfitforbusiness@gmx.at
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Das Frauenministerium wird Ceiberweiber mit € 5000.- (beantragt: 25.000 wie üblich, bei gestiegenen Zugriffszahlen) unterstützen, sodass ich, um die Seite weiterzubetreiben und meinen Lebensunterhalt (wieder) zu sichern (derzeit lebe ich von wenigen Ersparnissen), Aufträge journalistischer Art brauche, auch ein Teilzeitjob wäre willkommen. Ich kann bswp. von Veranstaltungen berichten, Leute für Projekte interviewen, schreibe gerne Artikel, Kolumnen und Kommentare zu allen Themen (meine Selbstvorstellung mit allen Infos ist hier als doc-Datei). Und überhaupt:
Anregungen, Infos, Angebote, Veranstaltungsankündigungen und Meldungen für die Ceiberweiberseite bitte per Mail an Alexandra Bader
Denn das ist kein Grund aufzugeben (außerdem werde ich von was leben müssen:-) Solidarität für Ceiberweiber - hier nehme ich gerne auch weitere Statements der LeserInnen auf...
Spenden für den Fortbestand von Ceiberweiber nehme ich gerne entgegen: Alexandra Bader Erste Bank 00032875894 BLZ 20111 BIC GIBAATWWXXX IBAN AT592011100032875894
Mein
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