Vielfach wird Halloween als reiner Kommerz wahrgenommen, als Gaudi für Kinder, die sich immer mehr verbreitet. Kritische Artikel bezeichnen es als amerikanischen Brauch, der nach Europa importiert wurde, wobei gerade noch bewusst ist, dass Halloween usprünglich von den britischen Inseln stammte. Tatsächlich ist es eigentlich die Wiedereinführung des "heidnischen" Totengedenkens der KeltInnen, die hier, in der Schweiz und in grossen Teilen Deutschlands schon lebten, bevor sie zu "InselkeltInnen" wurden.
Samhain, gesprochen Sa-un oder So-win, bedeutet Ende des Sommers und basiert auf der alten Teilung des Jahres in ein Sommer- und ein Winterhalbjahr. Erst die Römer führten einen Kalender ein, bei dem das Jahresende "unlogisch" mitten in den Winter im Dezember fiel. Samhain überstand die Christianisierung deswegen recht gut, weil die KeltInnen bei aller Freude an Festen auch in dieser Jahreszeit hierbei doch auch recht nachdenklich waren und innehielten. Die Verkleidungen zu Samhain stammen angeblich aus Irland, weil sich die Menschen dadurch den Toten nicht als Lebende zu erkennen geben wollten.

Papst Gregor IV verfügte im Jahr 837, dass Tote geehrt werden sollten. So setzte man für den 1. November Allerheiligen an und am darauf folgenden Tag Allerseelen. Aus Samhain wurde etwa im 16. Jahrhundert "All Hallows Eve", woraus dann der Name Halloween entstand. In Österreich wurden Blumen und Früchte auf Gräber gelegt, es gab Musik und Tanz auf Friedhöfen. Auch das Vieh wurde vom Tod eines Menschen verständigt, man gedachte der Seelen der Toten am dritten, siebten und dreissigsten Tag.
Im Tiroler Vintschgau sagte man zu Sterbenden einst, lass dir's gutgehen oder mach's denn gut, da die Menschen überzeugt waren, dass der Tod nicht das Ende, sondern den Übergang in eine andere Welt bedeutet. In der irischen Überlieferung gibt es die Bean Sí, anglisiert Banshee, die Todesfee, die man klagen hört, bevor jemand stirbt. "Häufig kommen die Bewohner der ewigen Welt, wenn ein Mensch stirbt, hervor und treten in unsere sichtbare Welt. Es kann viele Stunden, manchmal ganze Tage dauern, bis jemand stirbt.
Kurz vor dem Moment des Todes sehen viele einen toten Angehörigen, Ehepartner oder Freund. Der Schleier, der unsere Welt von der ewigen trennt, ist im Umkreis des Todes sehr dünn. Und in manchen Fällen öffnet sich dieser Schleier tatsächlich einen Moment lang, so dass der Sterbende einen kurzen Blick in die Ewigkeit werfen kann." (John O'Donohue, "Anam Cara")
Samhain markierte einst den Zeitpunkt, bis zu dem das Vieh von den Sommerweiden zurückgetrieben sein musste. Tiere, die man nicht über den Winter füttern konnte, wurden dann geschlachtet und ihr Fleisch gepökelt. Die Nacht vom 31. Oktober auf den 1.November wurde als zeitlich "in der Luft hängend" empfunden, zwischen Sommerende und Winteranfang, vor dem dunklen Halbjahr liegend. In den ländlichen Gegenden Irlands, Wales', Schottlands und der Bretagne wurden die Häuser geputzt, das Feuer abgedeckt, Speise und Trank bereitgestellt, bevor sich die Familien bei unverriegelter Tür schlafen legten.
Sie wollten den Toten Ehre erweisen, ihnen aber nicht begegnen. ebenso wie niemand wagte, sich an diesem Abend nach Schritten auf der Strasse umzudrehen. Samhain galt auch als gemeinsames Lichtfest, wo alle Feuer gelöscht und dann rituell von den Druiden neu entzündet wurden. Auch bei uns wurden die Toten in der Samhain-Nacht bewirtet, doch man durfte sie nicht beobachten, was in der Sage von der "Percht" überliefert ist, die von einer steirischen Bäuerin mitsamt ihrer Schar von "Kinderseelen" mit Milch bewirtet wurde.
Das glaubte nun der Knecht nicht, der sich einmal in der Ofenlucke versteckte und von Frau Percht geblendet wurde. Als er nächstes Jahr wieder in die Ofenlucke kletterte, gab ihm die Percht die Sehkraft wieder. Die "Percht" ist der dunkle Aspekt der dreifachen keltischen Muttergöttin. In der Sage von der "Totenmette in St.Stephan" bereitete sich ein Priester im Jahr 1363 in einer Christnacht auf die Predigt am nächsten Morgen vor. Zu seinem Erstaunen hörte er Gesang und sah die Kirche hell erleuchtet, ging nachschauen und erlebte viele in Totenhemden gekleidete Menschen.
Einige kamen ihm bekannt vor, und er realisierte, dass manche schon tot sind, andere aber noch leben. Schliesslich sah er sich selbst die Messe lesen. Als die Turmuhr die erste Stunde schlug, verschwand der Spuk und der Pfarrer war allein im Dom. Statt weiter an seiner Predigt zu arbeiten, schrieb er das unheimliche Erlebnis in die Pfarrchronik und erwähnte auch alle Namen der Lebenden, die er gesehen hatte. Ein Jahr darauf starben all jene, auch er selbst, an der in Wien grassierenden Pest.

Die Stadt war damals allerdings kein Bischofssitz und hatte keinen Dom und litt auch nicht unter einer Pestepidemie. Sinn ergibt die Sage, wenn wir sie von der Weihnachtszeit zum keltischen Jahresbeginn verschieben, in die "Rauhnächte", denn dann erkennen wir Samhain in der Überlieferung wieder. Wo heute das Westwerk des Domes ist und auch am benachbarten "Rossmarkt" feierten die KeltInnen in Vindobona, ihrer "weissen Stadt", den Jahreswechsel mit Pferdeopfern. In gallorömischer Zeit wurden am 26.. Dezember weisse Pferde geopfert, wobei die Hauptachse des Stephansdomes nach dem Sonnenaufgang an diesem Tag ausgerichtet ist.
Die Stephansdom-Sage ist in vielen Varianten im ehemaligen keltischen Gebiet verbreitet und kehrt den ursprünglichen Glauben ins Gegenteil: der Besuch der Toten bringt nicht Glück, sondern Unheil, wie auch heute die Gräber der Toten aufgesucht werden, statt die Toten ins Haus einzuladen. Noch im 15.Jahrhundert wurde am Dom vor den vom keltischen Stammesgott Teutates abgeleiteten "Tattermännern" gewarnt, die für ChristInnen "teure" Freuden bringen. Welche Freuden das sind, wird am Eingangsportal signalisiert, denn dort werden zwei Säulen mit Penis und Vulva abgeschlossen.
Samhain/Halloween kommt somit zwar mit viel Kitsch und Kommerz, aber doch ein wenig vom eigentlichen Gehalt des Festes wieder. Im viel stärker protestantischen Deutschland besteht teils die Sorge darüber, dass die Kinder mit dem 31. Oktober nicht den Reformationstag verbinden, sondern sich darauf freuen, abends verkleidet nach dem Motto "Trick or treat" von Haus zu Haus zu ziehen, um Süssigkeiten einzusacken. Und in Amerika glauben manche Kirchen und Sekten, dass beim Halloween-Rummel der Teufel persönlich die Hand im Spiel hat. Wobei dieser ja auch nur die "christianisierte" Version des Gehörnten, des keltischen Gottes Cerunnos ist....
Text & Bilder: Alexandra Bader zu Samhain 2002
Zum Weiterlesen Fundstücke aus dem Web, Stichwort Samhain, deutsch:
http://members.chello.at/hhofer/halloween-samhain.htm http://members.telering.at/nexia.1/Samhein.htm http://www.devilzone.de/samhain.htm http://www.thesoulofcelt.de/samhain.htm
http://www.shalah.de/samhain.htm http://www.andariel.net/Hexen/samhain.htm
http://www.hexen-kult.de/samhain.htm
Der große Hallowahn
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