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Die Hungerhaken-Show: Germany's Next Topmodel
Reaktion einer Userin, die mit Heidi Klums Managament telefonierte
 

Vermutlich reicht es, zwei Folgen gesehen zu haben, um "Germany's Next Topmodel" einschätzen zu können. Kritik wird vor allem deswegen geäußert, weil selbst junge Frauen mit Untergewicht von der - meist männlichen - Jury als zu dick bewertet werden. Wir haben da beispielsweise Maße wie: 1,83 m und 60 kg, was einen BMI von 17,96 ergibt, oder: 1,75 m und 50 kg, ist gleich BMI 16,3, und: 1,76 m bei 52 kg ist gleich BMI 16,8.

Letztere Angaben betreffen eine junge Frau, die "zu dick" sein soll, aber wie alle in jenem Body-Mass-Indexbereich liegt, der als untergewichtig gilt. Während die Sendung läuft, verteilt die Drogeriekette dm in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium "Leichter Leben"-Pakete, in denen zu Beginn eines Fitnessprogramms empfohlen wird, u.a. den BMI auszurechnen. Dabei gilt alles zwischen 18 und 25 als normalgewichtig und alles außerhalb dieser Bereiche als Anlass zu Verhaltensänderungen. Es kann wohl kein Zufall sein, dass krankhaftes Untergewicht nicht bei Männern, sondern bei Frauen per TV-Show als erstrebenswert verkauft wird. Mit fatalen Folgen, wie etwa eine Aussendung von sowhat-Institut für Menschen mit Essstörungen zeigt: "Betrachtet man offizielle Statistiken in Österreich so zeigt sich, dass jede 10. Frau zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr betroffen ist, zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr leiden 5% der Frauen an Essstörungen.

Als wesentliche Ursache bzw. Auslöser für die Entwicklung einer Essstörungen gilt die Unzufriedenheit mit dm eigenen Körper, und diese ist in westlichen Industrieländern eindeutig höher als in sogenannten Entwicklungsländern, lautet die ExpertInnemeinung von sowhat- Institut für Menschen mit Essstörungen. Falsch verstandener Schlankheitswahn und Diätkult werden oft mit Erfolg und Jungsein gleichgesetzt. Gerade die Altersklasse der 10 bis 16jährigen steht unter großem Druck. Die Entwicklung vom Mädchen zur Frau, vom Buben zum Mann kann sehr verwirrend und verunsichernd sein. Zusätzlich zur Familie ist die Anerkennung in der Gruppe der Gleichaltrigen sehr wichtig. Mediale Bilder, die extreme Schlankheit propagieren, eine ganz bestimmte Körperästhetik vermitteln und diese mit Anerkennung, Erfolg und Selbstwert verknüpfen, können daher fatale Folgen verursachen. Sich diesen scheinbar Erfolg verheißenden Idealen äußerlich anzunähern wird für Heranwachsende zur Lösungsstrategie für innere Konflikte angesehen.

Die körperliche Erscheinung: je dünner, desto schöner wird eng mit psychischen Befindlichkeiten verbunden: nämlich liebens- und begehrenswert und anerkannt zu sein. Es kann der Weg in eine Essstörung sein. Magersucht und Bulimie sind ernst zunehmende psychische Erkrankungen, die gesundheitsgefährdend sind." Schaulaufen in der U-Bahn - später rutscht eine Brust raus Eigentlich absurd, dass Essstörungen gerade in einer Zeit zunehmen, wo es an beruflichen Perspektiven für Mädchen nicht mangelt. Während jene Frauengenerationen, die heute längst ihr Erwachsenenleben durch Erwerb bestreiten, einst kaum Vorbilder hatten, da die ideale Frau rührend umsorgende Hausfrau und Mutter war. So zufrieden die individuelle Mutter auch gewesen sein mag, war ihr Dasein doch ein vom Manne abgeleitetes, sprich, IHM zu gefallen eine wichtige Strategie. "Damals" mag es verständlich gewesen sein, dass manch ein Mädchen mangels Pilotinnen, Konzernchefinnen, Wissenschafterinnen in der Verwandtschaft auf die Idee verfiel, von einem Leben als Model zu träumen. Aber heute? Allerdings fingen die Mädchen "damals" auch nicht bereits vor der Pubertät mit der ersten Diät an....

Den Mädchen heute wird also vermittelt, es sei eine Perspektive, unbedingt Model werden zu wollen, was ungefähr so realistisch ist, wie aus dem jugendlichen Gitarrengeklimper am Lagerfeuer eine Karriere als Rockstar ableiten zu wollen. Fast schlimmer als die Aufforderung zur Magersucht ist jedoch, dass Mädchen und nicht auch Burschen das Sendeformat durchlaufen sollen. Dass es Mädchen und nicht Burschen sind, die sich anschnauzen lassen müssen, weil sie nicht elegant genug schreiten, die von einem engen Reglement einschließlich Telefonierverbot gegängelt werden und denen eine "typisch teutsche" erblondete sterile Heidi Klum dauernd etwas von "Härte" und "Disziplin" erzählt. Einst gab es Regeln im BDM, dessen Ideal Heidi Klum ebenso wie Claudia Schiffer typmäßig wohl voll entsprochen hätte, heute haben wir "Germany's Next Top Model". das ist die blonde sterile Heidi - wie auf einem "nicht entarteten" Plakat...

Die Sendung erinnert an den "Bachelor", wo sich schöne junge Frauen - auch einschließlich Zickenkrieg untereinander - um einen Kerl balgen durften. Nur dass die Jury diesmal aus mehr als einem Mann besteht und neben Heidi manchmal auch eine Frau miturteilen darf. Ansonsten aber, wie gehabt, Männer beurteilen Frauen, entscheiden über ihre Zukunft, wie die Erläuterungen in den Folgen immer wieder betonen. So wird der österreichischen Teilnehmerin Céline Roschek, immerhin eine ehemalige Miss Austria, nach ihrem freiwilligen Ausschieden hinterhergesagt, sie werde dem Traum vom Topmodel nie wieder so nahekommen. Während dem "Bachelor" eine kaum mehr beachtete "Bachelorette" folgte, wird es wohl keine mediale Suche nach dem nächsten männlichen Topmodel geben. Kaum vorstellbar, dass mann öffentlich Männer den Ritualen und Regeln unterziehen, sie auf ihren Körper und bestimmte Details reduzieren will. Oder dass Strafgerichte inszeniert werden, weil mann heimlich doch das Handy benutzt hat. Kaum bekleidete Männer, welche den U-Bahn-Steig als Laufsteg verwenden, mit einer Belohnung für die beste Vorführung: du darfst zum Konzert der Ehefrau des prominenten Modelsuchers reisen? Wo dann die beiden Burschen glücklich kreischend aufgenommen werden, weil SIE mit ihnen ein paar Worte backstage wechselte? Oder: der Modelsucher kocht mit seinen Jungs in der WG, wobei er vor allem erklärt, was man alles nicht essen darf, um weiterhin untergewichtig zu bleiben? Das wäre wohl eine Lachnummer - während mann Frauen nicht früh genug zumuten kann, auf Äußeres reduziert zu werden...

Text: Alexandra Bader

PS:. Reaktion einer Userin am 14.3.2006, deren Tochter die Sendung mag.

Die Mutter rief bei Pro Sieben an und bei Heidi Klums Management, ihrem Vater, der seltsame Ansichten über Frauen von sich gab....:

Germanys next topmodel auf Pro Sieben - seit geraumer Zeit ein Fixtermin für meine Tochter. Das hat mich zum Nachdenken gebracht: Wie wirkt denn diese Model-Show auf unsere Töchter? Warum fragt selbst meine Tochter und ihre Feundin schon: Mama bin ich zu dick? Und kritisch wie ich nun mal bin, hat mich das zu folgender Meinung geführt (meinen Mann auch): Das abwertende Frauenbild in Germanys next Topmodel und die magersüchtigen Models, die weder Figur noch Selbstbewusstsein zeigen, finden wir einfach nicht o.K. Das kanns doch nicht sein, dass uns Pro Sieben und Heidi Klum so ein Frauenbild aufdrängen. Wie dachte ich bisher? Heidi Klum hat für mich irgendwie doch das Bild einer schönen und klugen Frau verkörpert, die was aus Ihrem Leben gemacht hat. Ich hab ihr Selbstbewusstsein und Klugheit zugetraut. Das Bild hat sich jetzt für mich geändert - war eben nur ein Bild. Als ich nun heute morgen auf Ö3 noch die Douglas-Werbung mit Heidi hörte, stand für mich fest: Es muss sich was ändern, kann doch nicht sein, dass uns Pro Sieben, Heidi Klum und weitere namhafte Firmen so ein Frauenbild, so hilflose, spindeldürre, magersüchtige Models, abgehungert bis auf die Knochen, als Ideal vor die Nase setzen.

 Also griff ich zum Telefon: Bei Pro Sieben war keiner von der Zuschaueredaktion oder Chefetage erreichbar. Aber die Telefonstimme meinte, sie könne mir die Nummer von Heidi Klums Management geben. Also hab ich dort angerufen. Nachdem ich einer bestimmten Frauenstimme meine Gedanken und Meinung zur Sendung mitgeteilt hatte, wurde ich doch glatt mit Heidi Klums Manager (ihrem Vater) verbunden. Was Papa Klum da von sich gab, hat mir doch die Sprache verschlagen: Da kamen Aussagen wie: "Wahrscheinlich hat ihre Tochter das von Ihnen: Mädchen, die das bei ihren Müttern sehen, machen das nach. Mütter leben das vor. Machen Sie Diäten? Machen Sie gerade eine Diät? Haben Sie schon mal eine Diät gemacht? Deswegen wird ihre Tochter sich fragen, ob Sie zu dick ist. Das ist so." Das warf bei mir dann doch eine Frage auf und ich warf ein: "Woher habe ich das dann?" Papa Klum weiter: "Mädchen haben in diesem Alter haben so auszusehen, die haben dieses Gewicht zu halten. Jede muss sich unterordnen", und weiter zu mir: "Was sind Sie von Beruf? Sie können doch Ihrem Chef auch nicht wiedersprechen. Was ist ihr Mann von Beruf? Man muss sich eben unterordnen.Und außerdem laufen auch genug dicke Mädchen rum, wenn Sie auf die Strasse schauen, das ist auch nicht gesund." Soviel zu Heidis Vater. Also damit hab ich ja nicht im Traum gerechnet: Der hat ein Weltbild, bei dem sich Frauen unterordnen, fügen, unterwerfen müssen. Ich denk mir jetzt: Arme Heidi. Fest steht und für mich war schon immer klar: Ich will meine Tochter zur einer selbstbestimmten, freien Frau erziehen und ihr das vorleben. Was also kann ich ändern, wenn solche Idole über den Bildschirm ins Wohnzimmer kommen? Als Konsumentin kann ich frei entscheiden, was ich konsumiere und ich kann entscheiden, wohin ich mein Geld trage: Darauf werde ich ab heute einfach mehr achten: Pro Sieben werd ich nicht mehr konsumieren, dieser Sender fliegt für mich ganz einfach raus. Per Knopfdruck. Und Mittwoch abend werd ich mir ein Familienprogramm einfallen lassen, das meine Tochter garantiert weg vom Fernseher zieht. Und zu Firmen, wie Stiefelkönig oder Douglas, die mit Heidi Klum arbeiten und Geld verdienen, werde ich mein Geld nicht mehr tragen. Ich werde mein Geld zu Firmen tragen, die Frauen was zutrauen, wo es selbstverständlich ist, das Frauen frei und selbstbewusst entscheiden können, oder die in der Werbung beherzte und gut gelaunte Frauen zeigen: Dove zum Beispiel.




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