Politik | Termine | Kultur | Kommentar | Initiativen | Wissenschaft | Life | Herstory | Sitemap | Suche
 LeserInnenmeinungZur SacheGastkommentarzurück zur Übersicht
Startseite  »  Artikel » Kommentar » Zur Sache » Eurofighter: Die 96.000 Euro-Pressekonferenz
 
Eurofighter: Die 96.000 Euro-Pressekonferenz  

Vorübergehend darf man offenbar nicht aus dem Text "Scheinrechungen" auf der Webseite von Peter Pilz zitieren, da ein Gericht in seiner Veröffentlichung eine Verletzung des Steuergeheimnisses der Rumpolds sieht. Zwar ist für jede/n, die/der vernünftig denkt, der Zusammenhang zwischen den angeführten Posten, die verrechnet wurden, und den Gesamtsummen nicht nachvollziehbar, doch darf es anscheinend nicht darum gehen.

Rüstungsgeschäfte sind ja überall brisant - man denke auch an Holland und den Joint Strike Fighter - ein niederländisch-amerikanisches Projekt, gegen das sich Pim Fortuyn engagierte, der auch dafür war, staatliche Gelder sinnvoller als für ein Heer auszugeben. Er wurde von einem "militanten Tierschützer" ermordet. Darüber drehte Tim van Gogh seinen letzten, von anderen vollendeten Film "Sixth of May", wobei er den Zusammenhang zum Joint Strike Fighter herstellte. Van Gogh wurde von einem "fanatischen Islamisten" ermordet....

Vielleicht wird die volle Meinungsfreiheit in Sachen Eurofighter &Drumherum ja auch von österreichischen Gerichten wieder gewahrt - dann könnt ihr hier neuerlich unseren Text lesen, in dem es um die einzelnen Stichworte geht, die in Sachen 96.000 Euro-Pressekonferenz angeführt waren.....

(wieder sichtbar gemacht - Klage gegen Pilz wurde abgewiesen)
 Text Scheinrechnungen auf der Webseite von Peter Pilz gibt es u.a. die  Rechnung Nr.: 2002/010
für eine (einzige!!!) Pressekonferenz am 17. Juli 2002 mit  Gesamtkosten von Euro 96.000,--

O-Ton Pilz dazu: Rumpolds Leistungen sind beeindruckend: Die „renommiertesten" Fachjournalisten werden geladen; die Location wird ebenso „ausgewählt" wie das Buffet; die Geladenen werden „nachbearbeitet"; und vor allem: Es gibt Törtchen! „Bei mir kostet das so viel!" Das ist alles, was Erika Rumpold im Untersuchungsausschuss zu den erstaunlichen 96.000 Euro ein.

Unser Kommentar: Verräterisch sind die Superlative und die Ausrufzeichen, die sich auch durch weitere "Rechnungen" ziehen. Und die mangelnde korrekte Verwendung der deutschen Sprache, was sich beispielsweise in Lobbying- inoffizielle Informationsgespräche mit österreichischen Entscheidungsträger (Politiker, Opinion Leader aus Industrie und Wirtschaft) aus einer anderen "Rechnung" zeigt. Oder wie wäre es mit: Inoffizielle Treffen & Informationsgespräche mit den Opinionleader aus Politik?

Vom Deutsch abgesehen bleiben all die "Rechnungen" eine Kombination aus den Worten Medien, Politik, Journalisten, Wirtschaft, Opinionleader, Politiker, Gespräch, inoffiziell, offiziell; dazugewürfelt dann ein paar Begriffe, die entfernt an Werbemittel und Kampagnen denken lassen. Keine Agentur würde wohl so eine "Rechnung" ausstellen, wohl wissend, dass irgendwelche Worthülsen und dann eine (willkürliche?) Summe keine "Rechnung" darstellen.

Jede Reisekostenrechnung ist mehr Aufwand, als EADS mal 96.000 Euro zu berechnen, mal 300.000 oder auch mal 420.000. Was EADS dazu sagte, erklärt Peter Pilz auf seiner Seite - man zahlte, anstandslos, auch dann, als längst entschieden war, dass Österreich Eurofighter kauft.

Eine Reisekostenabrechnung erfordert, im Gegensatz zu Rechnungen an EADS, dass eine Person mit Namen, Adresse und Telefonnummer die Abrechnung einreicht, einen Zweck der Reise anführt, angibt, wann sie begann und wann sie endete, eventuelles Taggeld errechnet und den verwendeten Satz nennt. Weiters werden Fahrtkosten nur bei Originalbelegen ausbezahlt und natürlich, wenn der Zweck der Reise erfüllt wurde. Natürlich unterschreibt die einreichende Person, nachdem sie um Überweisung des Kostenersatzes auf ihr Konto ersucht.

"Österreich" bildete am 29.3.2007 eine Faksimile der 96.000 Euro Pressekonferenz-Rechnung ab. "Briefkopf": 100% Communications zentriert in zwei Zeilen geschrieben, mit einer imitierten Schreibschrift und einem vom "C" unterbrochenen Strich dazwischen. Keine Adresse, keine Telefonnummer, kein "PR-Agentur" oder dergleichen. Am Ende der "Rechnung" keine Unterschrift, kein Name, nur eine Kontonummer.

Das Wort "Rechnung" wird hier deshalb unter Anführungszeichen gesetzt, weil sich das Blatt Papier eklatant von allem unterscheidet, was ansonsten als Rechnung gilt. Ob ich im Supermarkt einkaufe oder mir den Kostenvoranschlag für eine Einbauküche hole, immer steht darauf, WER was GENAU mit welchen EINZELPOSTEN in Rechnung stellt. Viel wurde einst in diesem Land geredet über die "Scheingeschäfte" des Udo Proksch, da auch dessen Lucona-Rechnungen von dem abwichen, was ansonsten üblich war.

Hier fehlt noch mehr von dem, was normalerweise dazugehört. Es ist, als gäbe es irgendwo bislang "geheime" richtige Rechnungen oder als gehe es um etwas anderes, das man aber erst recht nicht deklarieren kann. Unfair wäre es, von einer "Briefkastenfirma" zu sprechen (schon weil nicht mal eine Adresse bekannt ist). Sehen wir uns die ominöse Pressekonferenz im Einzelnen an (sicher können PR-ExpertInnen oder MitarbeiterInnen von MinisterInnen und Landeshauptleuten in gleicher Weise all das zerlegen, was ihr Fachgebiet betrifft).

Sehen wir uns im Detail an, was Pilz und "Österreich" veröffentlichten:

Redaktionelle Umsetzung der APA-Aussendung - was sollte das denn sein? Man sendet Einladungen via APA aus, was im Internet-Zeitalter kein grosser Aufwand ist. Oder musste erst jemand engagiert werden, dessen Sprachkenntnisse für die Formulierung eines kurzen Einladungstextes ausreichen und der auch nicht auf Nebensächlichkeiten wie Zeit und Ort vergisst?

Persönliche Erstkontakte mit den renommiertesten Fachjournalisten und Redakteuren - "renommiert" reicht mangels nennbarer Namen wohl nicht, was an die "Sicherheitskonferenz" um 340.000 Euro erinnert, bei der "Topfachexperten" anwesend gewesen sein sollen. Wenn ich mit jemandem einen "persönlichen Erstkontakt" herstellen will, rufe ich ihn/sie an, was nicht so schwer ist, wenn ich die Telefonnummer einer Redaktion lesen kann. Wenn ich mehr kann als das, formuliere ich ein paar Zeilen und schicke eine Mail ab.

Vermutlich hält sich die Zahl der Hobby-Eurofighterpiloten oder -sammler unter den "renommiertesten Fachjournalisten" in Grenzen, sodass ganz einfach Journalisten aus dem Bereich Wirtschaft oder/und mit Interesse für Militärflieger eingeladen wurden. Notfalls hat man sich, was ja auch angedeutet wird, ganz einfach mit "Redakteuren" zufrieden gegeben. Schliesslich werden Pressekonferenzen oft mit "da ist was, hast du Zeit?" beschickt, zumal man in der Lage sein sollte, zu jedem Thema das wiederzugeben, was andere vortragen, ohne dabei grobe Fehler einzubauen.

Österreichweite Pressekonferenz-Einladung via APA - offenbar reichten die Sprachkenntnisse nicht aus für eine unmissverständliche redaktionelle Umsetzung der "APA-Aussendungen" (genau  besehen könnte der Plural hier nicht die Umkehr des gerne verwendeten falschen Singular sein, sondern implizieren, dass beim ersten Mal der Tag vergessen wurde, beim zweiten Mal der Ort usw., bis es dann doch einmal passte). Österreichweit bedeutet im Internetzeitalter, dass eine Zillertaler Lokalzeitung ebenso wie Ceiberweiber in Wien mit einem Mausklick erfahren kann, was gerade so pressekonferenzmässig los ist, Einfach auf www.ots.at gehen und dann auf Termine.

Nachbearbeitung aller Geladenen - kommt noch vor dem Stattfinden der Pressekonferenz und ist wiederum bezeichnend. Normalerweise wäre eine "Bearbeitung" hinter dem eleganteren Wort "Nachbetreuung" verborgen, und dies natürlich auch gegenüber Auftraggebern, egal wie diese Aufgabe zwischen Klient und Agentur im Gespräch bezeichnet wird. Wie wurden "alle Geladenen" aber konkret "nachbearbeitet" bei einer "österreichweiten Einladung"? Derlei ist natürlich absurd und offenbart aufs Neue den Charakter dieser durch und durch unrealistischen "Rechnung".

Locationauswahl - na, das war wohl wahnsinnig schwer, die Sky Bar in Wien zu finden, in der sich auch Blau und / oder Orange gerne zeigen!

Bereitstellung der technischen Ausstattung - auch dies bereitet anderen Veranstaltern keine sonderlichen Probleme, zumal es ja maximal um Mikrofon und vielleicht auch Videobeamer und Projektionsleinwand gehen kann. Nichts, was nicht auch bei anderen Pressekonferenzen verwendet wird (auch bei jenen, die in der Sky Bar stattfinden)

Raumgestaltung - ganz sicher werden sie die Sky Bar einfach so in einen Fliegerhorst oder eine Eurofighter-Fertigungshalle verwandelt haben. Was andere als "Raumgestaltung" bieten, es aber kaum so nennen würden, sind Blumendekorationen auf den Tischen, vielleicht eine einrollbare Wand mit Logo oder Kampagnensujet.

Auftrittsdesign-Layout und Produktionen - wir dürfen annehmen, dass EADS bereits genug Logos für seine Produkte hat, sodass einfach ein passendes Logo auf eine Mappe gedruckt wurde, sofern nicht ohnehin genug Mappen mit Logos vorhanden waren. Unter dem Wort "Auftrittsdesign" können wir uns zb. vorstellen, dass wirklich extra eine fortan verwendete einrollbare Wand mit Logo, Fliegerbild und Spruch hergestellt wurde.

Hier impliziert das Wort "Design" jedoch auch das "Layout", da dieser Begriff hier nur dann gerechtfertigt wäre, wenn es sich um eine Broschüre handelt. Bei Druckwerken gibt das Design die Linie des Aussehens vor (u.a. durch Designelemente), während das Layout die praktischen Umsetzung ist. Der Plural "Produktionen" lässt uns im Unklaren, ob wieder einmal ein Grammatikfehler vorliegt oder ob die Herstellung von mehr als einer Pressemappe die Mehrzahl rechtfertigt. Üblich ist ansonsten, etwa eine Auflage einer in vielen tausend Stück erscheinenden Zeitschrift nicht als viele tausend Produktionen zu bezeichnen.

Bereitstellung des benötigten Personals - wofür nur? Für die "Anwesenheitsliste!" am Eingang?

Auswahl des Catering - in der Sky Bar? (ich weiss ja nicht, wer die Brötchen und das Gebäck bereitstellte, wenn ich bei Pressekonferenzen in der Sky Bar war, aber andere Veranstalter hatten kein Problem, dafür zu sorgen)

Festlegung eines detaillierten Programmablaufes - stelle ich mir wahnsinnig schwer vor: 1. Beginn 2. Ende (auch Veranstalter, die Studien präsentieren, zu denen mehrer Personen sprechen und wo auch Zeit für Medienfragen sein soll sind damit nicht überfordert)

Organisation aller benötigten Schreibunterlagen für die Presse - entweder damit ist die später noch erwähnte Pressemappe gemeint (wäre nicht das Einzige, das hier doppelt vorkommt), oder es geht simpel um Papier und Blocks. Da viele Veranstalter derlei nicht zur Verfügung stellen (und weil journalistische Arbeit nicht nur aus Pressekonferenzen besteht) erscheint "man" entsprechend ausgerüstet zur PK. Und wenn man mal was vergessen hat, beugt man sich zum Nachbarn und fragt "du, ich hab kein Papier mit, hast du eins für mich?").

Organisation des EADS-Geschenkpaketes für die Medienvertreter (Törtchen, Pressemappe etc.) - ich weiss ja nicht, wie es anderen geht, aber ich hab eine Pressemappe bislang nie a) als Geschenkpaket betrachtet oder b) in einem solchen erhalten. "Törtchen" erscheinen im Gegensatz etwa zu haltbareren Taschen oder Schirmen (kriegt man auch mal bei einer PK) nicht sonderlich attraktiv. Was war das "etc"? Schreibpapier? Ein Kugelschreiber?

Festlegung eines detaillierten Time-Table - Abholservice für die EADS-Mannschaft - schon wieder etwas "detailliertes", das mit Zeitabläufen zu tun hat. Wiederum wiederholt sich ein Posten, allerdings gekoppelt mit einem "Abholservice" für eine "Mannschaft", bei der sich fragt, wie gross sie wohl war, wenn in Medien nur von EF-Chef Rauen die Rede war, der eine Stunde nach der Pressekonferenz schon den nächsten Termin hatte (soviel auch zum "Timetable" bei einer kurzen PK).

Bereitstellung eines Foto-Teams - nur ein Hinweis dazu: die niederösterreichische Landesregierung beschäftigt einen Fotografen, um Events abzulichten. Und der Landeshauptmann ist, will ich mal meinen, auch eine Person, die Wert legt auf gute Darstellung aber mit einer Person das Auslangen findet, die auch anderen zur Verfügung steht.

Ständige Betreuung durch die Agentur vor Ort - hatten wir das denn nicht schon in vielfacher Form? Etwa als "Bereitstellung des benötigten Personals"? Oder als "Time-Table"-Ersteller und "Abholservice"?

Nachbetreuung (Anwesenheitsliste!) der Medienbetreuung - das ist fast mein "Favorit" an Absurdität. Wieder einmal wiederholt sich alles, wir erinnern uns an die "Nachbearbeitung". Muss hierfür auch "Personal bereitgestellt" werden, da die Wortwahl impliziert, dass "Nachbetreuung" nicht in der "Medienbetreuung" inkludiert ist, sondern die "Medienbetreuung" nachbetreut werden muss? Das Ausrufzeichen bei der Anwesenheitsliste suggeriert, das Führen einer solchen sei keine Selbstverständlichkeit, sondern etwas Besonderes und dass dann sehr schwer mit dieser Liste gearbeitet werden muss. Gerade in der Sky Bar kann man aber sehr leicht abhauen: einfach sagen, ich trag' mich später ein, und dann vorgeben, auf die Toilette zu müssen :-)

Platzierung von Presseartikeln - ich dachte, unsereins schreibt und PR-Leute überschütten uns mit Werbematerial, aus dem wir doch netterweise was machen sollen. SCHREIBEN die jetzt auch noch selber? Was wollen sie also anderes platzieren als eventuell PR-Artikel - die etwas anderes sind als recherchierte Artikel. Ausserdem: wurden "wir" nicht eh nachbearbeitet und nachbetreut? Na also....

Koordination einzelner Interviewtermine - während der Pressekonferenz oder während der "Nachbearbeitung"? Wessen Interviewtermine mit welchen Medien?

Ich denke, es dürfte klar sein, was hier abgeht - absolut nichts vom Genannten ist in irgendeiner Weise kostspielig oder ungewöhnlich, sondern alles ist ganz normale Routine. Umso ungewöhnlicher ist die Summe und die permamente Mehrfachnennung von Aufgaben, die ohnehin nur sehr vage beschrieben werden. Durchgängig fehlen Stückzahlen, Beschreibungen von für angebliche Posten benötigte Dinge, wie überhaupt Zahlen sparsam umgegangen wird (ausser bei Gesamtbetrag und Kontonummer).

Und überhaupt: Frau R. sagte doch "bei mir kostet das so viel", was impliziert, dass es noch andere 96.000 Euro-Pressekonferenzen gab und die Kosten nichts Besonderes darstellen. Nur - WO SIND SIE? Veranstaltet von den Rumpolds oder von anderen?

Würde Frau R. anderen auch pauschal 96.000 Euro verrechnen etwa für ein "Abholservice", das ein Unternehmen mit Sitz in Wien sicher nicht benötigt?

Alexandra Bader



 


 




Mein Feedback-Beitrag zu diesem Artikel

>>  Zur Sache

 



Home
| Impressum | Kontakt | Forum | Downloads | Links |Archiv 1998-2006 |
   
Niederösterreich Wien Burgenland Kärnten Salzburg Steiermark Vorarlberg Tirol Oberösterreich