Die Preisträgerin des "Women's World Award" 2006 war Anfang Juni 2007 in Wien, um den Award des dm-Frauenlaufs entgegenzunehmen. Eine gute Gelegenheit für uns, ein interessantes Gespräch mit dem "Engel von Benares" zu führen (so Medientitulierungen für eine engagierte Frau).
Tara Stella Deetjen wurde 1970 in Deutschland geboren, wollte eigentlich an einer Fotografieschule in Rom studieren und bereits als 22jährige erstmals Indien. Was für andere ein bald vergessenes Alternativtourismus-Abenteuer ist, beeindruckte sie nachhaltig und verändert ihr Leben. In Benares im Norden Indiens sah sie Leprakranke, die obdachlos am Straßenrand leben und betteln. Deetjen entschloss sich zu bleiben und zu helfen - umso mehr, als eine Gruppe Kranker einfach ins Gefängnis gebracht wurde.
Sie kämpfte drei Monate lang um ihre Freilassung und war schließlich erfolgreich, als das Schicksal dieser Menschen auch Thema für indische Medien war. Von einer Ärztin aus der Schweiz erfuhr sie, dass Lepra heilbar ist und erhielt die ersten 100 Dollar für Hilfsprojekt. Deetjen meinte im Gespräch, sie hätte ursprünglich vorgehabt, zwei Jahre zu bleiben, also ihre Berufsausbildung einfach zu unterbrechen. Daraus wurde eine Lebensaufgabe, da Lepra in Indien nach wie vor ein sehr heikles Thema ist.
Die Betroffenen - man kann von ein paar Millionen Menschen ausgehen, wird nie genau wissen, wie viele es sind, da nicht alle Menschen im Subkontinent eine Geburtsurkunde haben und schon gar nicht medizinisch behandelt werden - sind ungebildet, können nicht lesen und schreiben und leben auf dem Land. Falls sie versuchen, in einem Spital Hilfe zu erhalten, werden sie abgewiesen, es sei denn, sie probieren es in medizinischen Einrichtungen von Missionen. Lepra ist, erklärt Deetjen, "die älteste Krankheit der Welt" und sie tritt bei tropischem Klima von über 33 Grad auf. Freilich sind etwa 80% der Menschen dagegen immun und auch die Betroffenen können geheilt werden.
Stella Deetjen mit Spitzenläuferinnen
In Indien haben sie abseits von Hilfsprojekten jedoch kaum eine Chance auf Behandlung, im Gegensatz zu afrikanischen Ländern oder Brasilien, wo sie als normale Kranke gelten und entsprechend auch eher mit Hilfe rechnen können. Der andere Umgang in Indien mag, meint Deetjen, wie vieles andere schockieren, ist aber "kulturbedingt" und gar nicht soweit von dem entfernt, wie auch unsere Kultur früher mit "Aussatz" umging. Lepra betrifft immer nur "die Ärmsten der Armen" und sie ist abseits von Hilfsorganisationen auch für Menschen, die andere Projekte durchaus unterstüzen, nahezu unsichtbar.
Deetjen arbeitete 14 Jahre lang mit Privatspenden, wo sie jede/n persönlich kannte. Der "Women's World Award" 2006 war dann der Durchbruch - er sorgte dafür, dass sie ein neues Kinderheim für Straßenkinder schaffen konnte, denen sie sich auch widmet. Die Bereitschaft, etwas für solche Kinder zu spenden, ist allgemein höher, da dieses Phänomen uns nicht so "fremd" ist wie Lepra - immerhin gibt es auch in Osteuropa entsprechende Projekte. Der Award sorgte dann für einen Schneeballeffekt, sodass Deetjen beispielsweise (von Novomatic) zum Opernball 2007 eingeladen wurde.
Diesen Ball hätte sie von sich aus kaum je besucht und hatte anfangs auch etwas scheu, wurde aber gerade von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer sehr herzlich empfangen. Sie findet ihn sehr menschlich und nett und bewegte sich dann sehr sicher auf dem Ball, der wohl zum Leben in Indien einen noch größeren Kontrast darstellt als zu dem der meisten ÖsterreicherInnen. Am Ball führte sie viele Gespräche, die man sich aber nicht so vorstellen kann, dass jede/r schon einen Scheck in der Tasche hatte und nur darauf wartete, ihn zu überreichen. Eine Spende von Novomatic ist ebenso sicher wie die 10.000 Euro von dm zusätzlich zum Frauenlauf-Award.
14 Jahre lang (wie andere Hilfsprojekte) mehr oder weniger unbemerkt, jedenfalls ohne mediale Aufmerksamkeit zu arbeiten ist für andere Menschen schwer vorstellbar - Deetjen bezeichnet diese Zeit als "Durststrecke", in der sie ohne die üblichen westlichen Sicherheiten lebte und auch keine Krankenversicherung hatte, weil sie mit der dafür nötigen Summe einem Leprakranken helfen konnte. Ihre Wertigkeiten wurden anders, meint sie, und sie muss auch so etwas wie kulturelle Toleranz gegenüber dem Westen entwickeln, wenn sie sieht, wie Gartenanlagen mit Trinkwasser gegossen werden. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wieder einmal Wasser direkt aus der Leitung trinken zu können.
Mittlerweile sieht sie die enormen Gegensätze so, dass Reichtum an sich nichts "Schlimmes" ist, sofern man auch zu teilen bereit ist. Wenn FreundInnen in Deutschland, die alle gute Jobs haben, aber jammern, wie schlecht es ihnen gehe, dann versteht sie die Welt kaum mehr. Als Deetjen ein Kind bekam, war ein Wendepunkt, an dem viele andere Frauen, die in anderen Erdteilen helfen, zurück nach Hause ziehen. Rückblickend sagt sie, ihre Projekte würden nicht mehr bestehen, wenn sie damals nach Deutschland gegangen wäre. Nun lebt sie mit ihrem achtjährigen Sohn halb in Deutschland, während der Monsunzeit, wo es extrem schwül ist bei Temperaturen über 40 Grad.
Er ist blond und hat sehr empfindliche Haut, sodass er diese Bedingungen nicht verträgt, dauernd krank wäre. Auch Deetjen litt immer unter der Hitze und der Feuchtigkeit, hatte aber eine Aufgabe, deretwegen sie dies in Kauf nahm. In der Zeit zu Hause kann sie sich auch besser um das Spendensammeln kümmern, nötige Büroarbeiten erledigen und Mails versenden - in Indien unterbricht sie ihre Arbeit, wenn ein Kind vor ihr steht und etwas braucht. Während ihrer Abwesenheit sorgt auch "westliches" Personal dafür, dass die Dinge weiter ihren Gang nehmen, eine deutsche Sozialpädagogin im Kinderheim und bei den Leprakranken ein bis zwei Personen, die mitarbeitende Inder unterstützen.
Freiwillige Hilfe ist durchaus erwünscht, allerdings muss man wissen, worauf man sich einläßt. Benares ist ein religiöses Zentrum, das von traditionellen Vorstellungen geprägt ist, was das Kastensystem und die Schicksalsergebenheit auch armer Menschen einschließt. Die Stadt ist zwar nicht weiter von Deutschland entfernt als Orte in den USA, allerdings gibt es hier keinerlei Anknüpfungspunkte an Vertrautes. Man kann also nicht erwarten, von zu Hause bekannte Imbissketten oder Stores vorzufinden, sondern muss in einer fremden Kultur zurechtkommen. Wer dennoch im Kinderheim mitarbeiten möchte, muss bereit sein, mindestens ein Jahr zu bleiben und auch Sprachkenntnisse zu erwerben.
Bei den Leprakranken wird angedacht, ähnlich wie bei Ärzte ohne Grenzen Kurzeinsätze von ein paar Wochen zu ermöglichen, da es hier weniger um persönlichen Kontakt und viel Kommunikation geht als um wiederherstellende Chirurgie. Deetjen versucht insbesondere den Umgang mit Lepra "auf die feine ruhige Art, ohne Paukenschlag" zu verändern. Sie stellt Schicksale in den Mittelpunkt und gewinnt Prominente aus Deutschland dafür., ihre Einrichtungen zu besuchen, wie Ralf Schumacher oder den Moderator Beckmann. Das bringt Aufmerksamkeit in indischen Medien, und so verändert sich langsam der gesellschaftliche Umgang mit Lepra.
Deetjen betont auch, dass es ein modernes Indien (in Städten wie Bombay) gibt, dass aber für das Gros der Bevölkerung Bollywood, schöne Kissen und Räucherstäbchen (unsere westlichen Vorstellungen vom Subkontinent) bloße Klischees sind. Sati (Witwenverbrennung) und Mitgiftmord (mit Benzin überschütttete und verbrannte junge Bräute) sind keine Randerscheinungen, doch leidet die Durchschnittsinderin vor allem darunter, dass sie weniger Bewegungsradius hat als Männer ihrer Kaste. Die meisten Frauen gehen nur in Begleitung aus dem Haus, wollen es auch nicht anders, weil sie es nicht anders kennen....
Text und Bilder: Alexandra Bader
Bericht zum dm-Frauenlauf hier.
INFOS:
www.back-to-life.com
tara@back-to-life.com
PS Leserreaktion: Da ist wohl eine Luftblase geplatzt. Vieles von dem was Stella Deetjen sagt ist frei erfunden oder eine Lüge. Sie sammelt Spenden und sorgt ersteinmal für sich und Ihren Bruder. Die Verwaltungskosten stehen in keinem Verhältnis zu dem was den armen Menschen bekommen. Und das wird erst die Spitze des Eisberges sein.
mehr Info: Profil Heft 31 unter Gesellschaft
Rudolf
Anmerkung von uns: ja, der Artikel im Profil (hier online) ist wirklich lesenswert - er bestätigt einen Eindruck, den man beim Gespräch mit Deetjen hat; es wirkt formelhaft, was sie sagt. Nun kann dies bei medienunerfahrenen Menschen vorkommen, die sich ein wenig an das klammern, was sie gerade eben z.B. (wie in diesem Fall) bei einer Pressekonferenz von sich gaben. Deetjen ist jedoch alles andere als scheu im Umgang mit Presse, sodass ihre Aussagen etwas weniger lebhaft rüberkamen als die anderer, die sich in Hilfsprojekten engagierten. (Und ich habe einige schon interviewt, auch in anderen Sprachen oder mit Übersetzerin).
Man beachte, dass Deetjen mir gegenüber behauptete, auch 2007 de facto die halbe Zeit in Indien zu verbringen, was sie wenige Woche später gegenüber den "profil" relativierte, offenbar nachdem sie mit genauen Daten konfrontiert wurde. Nun kann ich natürlich nicht nach Indien reisen und recherchieren (wer sollte dies bezahlen?), sodass dem "profil" Anerkennung zu zollen ist. Freilich verstehe ich dann nicht, wieso auch die "profil"-Redaktion andere Merkwürdigkeiten und nicht stimmige Behauptungen seit bald 6 Jahren nicht einmal ansatzweise nachprüft - wann immer es um 9/11 geht....
Reaktion auf die Reaktion von Stephanos: Hier kurz mein Beitrag zum Stella Deetjen-Bericht:
Diese "Leserreaktion" scheint einem deutschen "Journalisten" zuordenbar, der gerade alle möglichen Onlineforen damit traktiert. Wenn meine Vermutung stimmt, dann hat er es nicht ganz verstanden, was Stella Deetjen da eigentlich macht. Deswegen hat derjenige, den ich hinter dieser Verleumdungskampagne wähne, auch schon heuer eine Abfuhr bekommen, einen oberflächlichen und inhaltlich falschen Beitrag über Stellas Arbeit zu machen.
Warum sollte sie scheu und medienunerfahren sein? Das ist Teil ihres Jobs. Halten wir uns an Karl-Heinz Böhm, der sicher mehrheitlich Großes geleistet hat und trotzdem bei den Salzburger Festspielen auftauchen darf, ohne gescholten zu werden. Lassen wir mal die Kirche im Dorf, was immer Stella in Indien Gutes getan hat, wirkt weit mehr als diese gedruckte Schmierenkomödie im aktuellen profil. Oder möchte der Herr Autor, der seinen Beitrag letztendlich nach gescheiterten Versuchen in Deutschland endlich in Österreich losgeworden ist, sein Honorar als Entschuldigung an Back To Life spenden?
Stella Deetjen würde sich sicher freuen.
Unsere Stellungnahme: Hallo, ich geb diesen beitrag auch gerne dazu - die reaktion des "rudolf" kam mit einer mailadresse, bei der dann eine fehlermeldung retour kam. Allerdings habe ich die aussagen von frau deetjen mir gegenüber dann auch mit den aussagen im profil verglichen (auch ihren eigenen im interview im profil) und da fielen mir durchaus diskrepanzen auf. Es würde ja ihrer arbeit keinen abbruch tun, wenn sie auch ohne umständliche recherche zugibt, nicht so oft in indien zu sein und dass sie keine lepraklinik hatte usw. man kommt sich dann schon etwas gepflanzt vor, wenn man selber nach indien fahren muss, um dann von frau deetjen in der konfrontation richtige aussagen zu bekommen. Im übrigen brachte sie ihr anliegen nicht sehr lebendig rüber, im vergleich zu anderen, die auch hilfsprojekte machen und diese so schildern, dass man sich alles sehr gut auch emotional vorstellen kann...
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Das Frauenministerium wird Ceiberweiber mit € 5000.- (beantragt: 25.000 wie üblich, bei gestiegenen Zugriffszahlen) unterstützen, sodass ich, um die Seite weiterzubetreiben und meinen Lebensunterhalt (wieder) zu sichern (derzeit lebe ich von wenigen Ersparnissen), Aufträge journalistischer Art brauche, auch ein Teilzeitjob wäre willkommen. Ich kann bswp. von Veranstaltungen berichten, Leute für Projekte interviewen, schreibe gerne Artikel, Kolumnen und Kommentare zu allen Themen (meine Selbstvorstellung mit allen Infos ist hier als doc-Datei). Und überhaupt:
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Ganz herzlichen Dank :-)
Mein
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