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Lange Nacht der Kirchen  

Wurde die Lange Nacht der Kirchen diesmal weniger beworben als sonst? Mir fiel vor ein paar Wochen ein Transparent bei einer Kirche auf, die sich nicht daran beteiligte. Freilich war es schwer, vorher noch ein Programm zu bekommen, da es in den Kirchen auf meinen Wegen nicht mehr auflag. Dennoch war die "Kirchenwelt" am 1. Juni 2007 zweigeteilt: Riesenandrang teilweise in der Innenstadt Wiens - was auch im Fernsehen so rüberkam - geringes Interesse in anderen Bezirken.

Meine Fototour begann in Favoriten, wo einige Menschen in der Kirche St. Anton von Padua einem Vortrag über "Liebe, Mord und andere Kleinigkeiten", Geschichten aus dem Alten Testament lauschten. Andere nahmen an Führungen in die Kirchenkuppel mit Ausblick über Wien teil. Im Park um die Kirche wie üblich Familien und spielende Kinder, ein paar Menschen stärkten sich am extra aufgebauten Buffet. Parallel zur "Langen Nacht" fand eine Aktion namens "Nun Run" statt, wo Mädchen übers Wochende vier Klöster von innen kennenlernen können, was sicher sehr interessant ist.


St. Anton von Padua

"St. Johann der Evangelist" am Keplerplatz war von vielen Menschen umgeben, jedoch nur von einigen besucht. Die meisten, die sich im Park und in der Fußgängerzone aufhielten, kamen offenbar gar nicht auf die Idee, mal einen Blick hineinzuwerfen. In der Kirche waren Erklärungen zu den abgebildeten Heiligen affichiert, wozu es auch eine Kinderführung "Wer ist denn diese Frau da?" gab. Die meisten Dargestellten waren freilich Männer, aber unter ihnen auch Anna, die Mutter von Maria, die von Bergleuten bis zu Schwangeren und Verheirateten alle beschützt, und Corona (Stephania), die als Märtyrerin zwischen Palmen zerrissen wurde. In der "Allerheiligsten Dreifaltigkeit" schien die Kirchengemeinde (zahlreich zwar) unter sich zu sein. Ein internationaler Chor, begleitet von afrikanischen Trommlern, sang in der Kirche.

Man konnte etwas über die Arbeit der Steyler Missionsschwestern und Missionare erfahren, von denen auch einige anwesend waren. Leider nahm die Evangelische Kirche am Matzleinsdorferplatz diesmal nicht teil - als ich sie bei der Langen Nacht 2005 besuchte, hatte sich die Gemeinde viel Mühe gemacht, aber offenbar doch nur wenige Außenstehende angesprochen. "Tote Hose" war jedenfalls vor acht Uhr in der Jugendkirche St.Florian in der Wiedner Hauptstraße. Nur die BetreuerInnen selbst sahen ihre Videos. Bei St. Thekla, ein paar Häuser weiter auf der anderen Straßenseite, lockte ein Cembalokonzert die BesucherInnen in die Kirche. Auf dem Platz davor gab es Fair Trade-Produkte und Nahrungsmittel aus der Bibel zu kosten.


St. Thekla

An einem der Plätze, wo man x-mal vorbeigeht, ohne auf Schilder zu achten, führt eine Tür zum Hinterhof beim Naschmarkt, in dem sich die Bulgarisch-Orthodoxe Kirche verbirgt (siehe Bildergalerie). Da leider die wunderschöne Russsisch-Orthodoxe Kirche in Landstraße diesmal nicht dabei ist, sehe ich mir dise Kirche schnell an. Unerwartet ist sicher die Lage: in einen Innenhof gebaut, modern, auf der einen Seite Wiesen auf den anderen Seiten direkt anschließend neue Häuser bzw. abgeschlossene Höfe zu alten Häusern mit breiten Gängen. Das Interesse von Nicht-InsiderInnen schien mir bei den bisherigen "Stichproben" eher gering - umso heftiger dann der Publikumsandrang in der Innenstadt.

Die Augustinerkirche am Josefplatz war einst k.u.k.-Hofkirche und scheint wie der Hofburgkomplex selbst TouristInnen anzuziehen. Durch die jahrhundertelange Geschichte findet im Inneren ein schließlich der zahlreichen Seitenräume eine Mischung unterschiedlicher Stile statt. Neben Inschriften und Zierrat mit vielen Totenköpfen aus dem Barock finden wir auch "Schlichteres" und eine Unmenge an "Accessoires" aus verschiedenen Epochen, die bei stark frequentierten Führungen  gezeigt wurden. Gar nicht so leicht übrigens, Widmungen zu übersetzen, die neben "nornalem" Latein auch lateinisierte Orte und Begriffe und jedesmal anders verwendete Abkürzungen enthalten....


In der Augustinerkirche

Auch die Michaelerkirche konnte sich nicht über mangelndes Interesse beklagen, und auch hier waren es vielfach Wien-BesucherInnen, welche die Gelegenheit nutzten. In der Minoritenkirche "Maria Schnee" war weniger Gedränge, sie liegt ja auch beinahe versteckt zwischen Bundeskanzleramt und Wissenschaftsministerium. Der dunkle Bau wirkt von außen kleiner als von innen, denn in der Kirche ist alles weit, geräumig und hoch. Besonders schön ist der Kreuzgang, der sich in der Beleuchtung auch stimmungsvoll fotografieren liess. Die Innenstadt ist von Kirchen geradezu übersät. sodass es nicht weit war zur nächsten. Genauer gesagt zur übernächsten, da die Peterskirche am Petersplatz von außen recht voll wirkte und mich die Opus Dei-Ausstellung an einem anderen Eingang weniger reizte.

Somit gelangte ich zur altkatholischen Kirche St. Salvator in der Wipplinger Straße - eine Seltenheit nicht nur in Wien, da die AltkatholikInnen oft Räume evangelischer Kirchen nutzen. Sie sind stark in der Ökumene engagiert und bilden eine Gemeinschaft mit der Anglikanischen Kirche (diese wiederum besuchte ich bei der Langen Nacht 2005 in ihrer "britisch schlichten" Kirche in Landstraße). Näheres kann man in den Geleitworten im Programmheft der Langen Nacht nachlesen (Kirche ist demzufolge übrigens stets Männersache, sprechen doch Männer für die diversen christlichen Glaubensgemeinschaften, auch wenn Frauen teils Priesterinnen werden können).


Minoritenkirche

Fast ums Eck liegt Maria am Gestade, die zweitälteste Kirche Wiens, deren Ausstrahlung durch Lichtelemente nochmal verstärkte wurde. Bei meinem Besuch war ganz einfach Ruhe und Stille angesagt - und viele Menschen, teils sitzend, teils stehend, verhielten sich dementsprehend. Gerne hätte ich auch noch die Ruprechtskirche besucht, die älteste Kirche, in der Nähe gelegen, aber langsam wurden meine Füße müde. Mein Heimweg führte mich am Stephansdom vorbei, wo sich ebenso lange Schlangen bildeten wie um die Ecke beim Zugang zum Südturm. Ich machte noch am Franziskanerplatz Station, wo das Programm aus einer Diskussion über globale Solidarität in der Kirche selbst bestand und aus der Vorführung des Films "Zeit zu gehen" über das Hospiz am Rennweg im Großen Refektorium.

In den verwinkelten Räumen mit altertümlichen Bezeichungen könnte man schon auf die Idee kommen, etwas wie "Der Name der Rose" zu inszenieren. Vielen BesucherInnen reichte es, eine Totenkopfskulptur mit Vertiefung am Kopf für Weihwasser zu bestaunen. Darunter stand sowas wie "Gestern ich, und morgen du". Wer noch mehr davon wollte, konnte an einer Führung in die Krypta teilnehmen, angekündigt als "ausgedehnte Gruftanlage mit kostbaren Särgen" und mit dem Rat versehen, doch eine Kerze für unsere Verstorbenen anzuzünden. Anziehungspunkt für "Grufties" müßte auch die Augustinerkirche sein mit  zahlreichen "morbiden" Darstellungen aus dem Barock, und natürlich die Katakomben-Führungen im Stephansdom....




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