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Offener Brief an Angela Merkel: CIA, Menschenrechte, El Masri  

(10.8.2007) Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

als Ihr Vorgänger Gerhard Schröder Ihren Wahlsieg in machohafter Weise nicht anerkennen wollte und Sie persönlich abqualifizierte, unterstützte ich auch den EMMA-Aufruf für Ihren Anspruch auf Kanzlerschaft. Ich erwartete mir von Ihnen durchaus andere Qualitäten in der Politik, eine Auflockerung erstarrter Männer-Machtrituale und Kumpel-Seilschaften und auch andere Problemlösungen. Bedauerlicherweise sind Sie aber nicht bereit, Gesten gegenüber deutschen CIA-Entführungsopfern zu machen, die diesen zeigen, dass sie kein Freiwild in Ihrem Land sind, sondern in Deutschland eine Heimat haben.

Dies wäre deshalb so wichtig, weil Menschen, die dem ungehinderten, ungehemmten Agieren eines fremden Geheimdienstes ausgesetzt sind (auch ohne Entführung, Folter oder Guantanamo) buchstäblich die Welt zusammenbricht. Sie können sich von einem Tag auf den anderen nicht mehr darauf verlassen, dass der Staat, demgegenüber sie Pflichten haben wie das Beachten von Gesetzen oder das Bezahlen von Steuern, ihre Rechte zu wahren bereit ist. Das Verhalten europäischer Regierungen gegenüber CIA-Aktivitäten in ihren Ländern stellt einen Bruch der jeweiligen Verfassungen und der Europäischen Menschenrechtskonvention dar, ist eine Verletzung von Amtseiden ebenso wie ein Zulassen, dass Interessen der Europäischen Union verletzt werden.

Menschen, die ins Visier der CIA geraten, stehen wie Freiwild da und sind nur mehr "Ausländer im Ausland", nicht von der amerikanischen Verfassung geschützt, sondern dem ausgeliefert, was die CIA mit ihnen anzustellen beabsichtigt. Was nun Menschen islamischen Glaubens in Europa betrifft, so wird unter Berufung auf natürlich geheime und daher kaum bewiesene Geheimdienstquellen behauptet, dieser oder jener sei terrorverdächtig, was Entführung und Folter rechtfertigen soll. Tatsächlich handelt es sich um illegale Akte einer fremden Macht auf dem Territorium von Mitgliedern der EU und des Europarates, die schärfstens geahndet werden müssten.

Was die Aktivierung von Artikel 5 des Nordatlantikvertrags nach dem 11. September 2001 betrifft, so stellt dies eine Vertragsverletzung dar und zieht keine Verpflichtung für NATO-Staaten nach sich, da 9/11 kein Angriff eines fremden Staates auf das Bündnis war (was man selbst dann weiss, wenn man Osama Bin Laden und 19 arabische Namen mit 9/11 in Verbindung bringt, da Bin Laden kein Repräsentant des afghanischen Staates war). Medienberichten nach zu urteilen sind Sie bislang nicht bereit gewesen, den deutschen CIA-Opfern Murat Kurnaz und Khaled El Masri in irgendeiner Weise entgegenzukommen. Dies lässt den Schluss zu, dass es unterschiedliche Standards von Menschenrechten in Deutschland gibt (Gleichheitsgrundsatz? Menschenrechtskonvention?) und dass Eingriffe fremder Mächte und die Verschleppung von Menschen für Sie ganz in Ordnung sind.

Um die Dimensionen dessen ungefähr erfassen zu können, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, werde ich Sie im folgenden bitten, sich kurz als Betroffene von "ganz normalen" CIA-Aktivitäten in einem EU-Land zu betrachten, die Bereiche wie Politik, Medien, Verwaltung, Wirtschaft betreffen. Dies, um klarzumachen, dass Khaled El Masri, der sich gemeinsam mit seinem Anwalt Manfred Gnjidic mutig bei Anhörungen und vor Gericht gegen die ungeheuren Anmaßungen und Menschenrechtsverletzungen zur Wehr setzte, aber nichts erreichte, natürlich irgendwann einmal einfach nicht mehr KANN. Man könnte auch zynisch sagen, dass Brandstiftung nicht unbedingt ein Hilferuf und Zeichen eines psychischen Zusammenbruchs sein muss (was es aber ist), sondern die logische Schlussfolgerung der Tatsache, dass man ein Nichts ist für die Verfassung und die Gesetze. Was gehen jemanden Gesetze an, wenn man bloss "Ausländer im Ausland" ist und jene, die einen schützen sollten, wegschauen oder sich gar zum Komplizen machen, man also staatenloser Staatsbürger ist?!

Nun, Frau Merkel, Sie sind sagen wir mal in einer Partei, das ist ein Ihnen vertrautes Umfeld. Sie nehmen ihr demokratisches Recht wahr, sich zu engagieren und bemerken, dass irgendwas hinter den Kulissen läuft. Sie werden immer wieder behindert, Sie haben keine Chance auf Mandate oder einen Job, sondern können sich nur nebenbei engagieren, weil Sie zu kritisch sind, obwohl Sie was auf dem Kasten haben und eigentlich wichtige Positionen der Partei vertreten. Allerdings werden jene, die das ebenfalls tun, aber ein Mandat haben, medial und intern abqualifiziert, oft in den gleichen Worten, was Ihnen langsam komisch vorkommt. Sie erleben beispielsweise, dass ein totaler Bruch mit Parteigrundsätzen offenbar gezielt über ein Interview inszeniert wird, das alle total überrumpelt. Es gibt massive Kritik, aber seltsamerweise kommt niemand damit in die Medien, während Kritik an Politikern, die die eigentlichen Positionen vertreten und ein Mandat haben (bereits eine Seltenheit zu diesem Zeitpunkt), natürlich breit ausgewalzt wird.

Damit nicht genug werden die KritikerInnen nun von anderen diffamiert, die alle in Variationen die Aussage tätigen, dass man vielleicht mit dem Tabubruch inhaltlich nicht einverstanden ist, aber der Tabubrecher so nett ist und jene, die Kritik üben, nicht integer seien. Ihnen fällt ein Muster auf, da die Formulierungen psychologische Konnotationen haben und sich durch Medienkommentare und die Statements der Antikritik-KritikerInnen ziehen, fast als ziehe jemand für beides unsichtbar die Fäden. Sie erkennen auch, dass  der Tabubruch zu geostrategischen Interessen der USA passt und durch Ihre Partei erfolgen muss, um etwas durchzusetzen, das als Position einer anderen Partei wesentlich mehr Proteste hervorrufen würde. Während Sie sich nebenbei unermüdlich durch diese Spinnennetze kämpfen, werden die vorgeschickten Wasserträger alle belohnt, werden willfährige Politiker gut bezahlt. Sie zeigen sich unbeugsam, Sie merken, dass Sie ausgehorcht werden und reagieren instinktiv, indem Sie desinformieren, Die anderen verletzten mit Verleumdungen, fingierten Briefen, Telefonabhören etc. auch Gesetze, doch zieht sie niemand zur Rechenschaft, wenn Sie dies fordern, sondern werden eher noch mehr belohnt (bzw. nicht mehr vorgeschickt, wenn sie sich gar zu plump anstellen).

Ihnen kommt alles immer seltsamer vor; Sie erinnern sich auch, wie Sie einmal von einem Parteikollegen ferngehalten wurden, in dem Ihnen perfide Aussagen über ihn unterstellt wurden, die Sie nie tätigten. Sie waren damals total verzweifelt und sind nur deswegen nicht weggegangen, weil Sie das Gefühl hatten, dass etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Dennoch ging die Welt unter, als sich eine Person plötzlich um den Kollegen kümmerte, die ihrem Eindruck nach auch etwas mit den Diffamierungen zu tun hatte. Sie flüchteten sich damals in irgendeine Arbeit, fast egal welche, nur vergessen versuchen, aber eben nicht ganz wegbleiben. Nun, als Sie vor einem Haufen Merkwüdigkeiten stehen, gehören dazu auch Aktionen gegen jenen Kollegen, der einer der wenigen Aufrechten ist. Er ist einer von jenen, denen mangelnde Integrität wortreich unterstellt wird. Sie erlangen von etwas Kenntnis, das gegen ihn gerichtet ist und das ihm die Person, die sich einst seiner annahm, eigentlich sagen hätte müssen, weil sie es wusste.

Er erfährt es jedoch erst nach ein paar Wochen von Ihnen, und nun wird Ihnen mit dem Parteiausschluss gedroht. Was ist denn da los, wundern Sie sich? Sie müssen in ein Wespennest gestochen haben. Es dämmert Ihnen dann, was beziehungsweise wer nicht stimmen kann. Weil Sie Ihren Widerstand nicht aufgeben, und jenen, die Sie damals noch als "die" bezeichnen, die Suppe versalzen, verlieren Sie plötzlich auch Ihren Job und stehen mit nichts da, müssen ausständigen Lohn einklagen. Sie machen Tipparbeiten, um zu überleben, haben gerade ein paar Bananenkisten mit Büchern und Kleidung und wohnen bei einem Verwandten, weil Sie auch Ihre Wohnung verlassen mussten (und alles andere von Ihren Sachen verlieren). Sie drehen und wenden nebenbei alles, was Sie erlebten, immer wieder und versuchen dann, bei den eigentlich zuständigen Sicherheitsbehörden zu erfahren, wer "sie" sind. Ein pensionierter ehemaliger Staatsschützer, der doch zumindest unter der Hand etwas sagen könnte, weigert sich kategorisch, die Frage nach dem spitzelnden "Ausland" zu beantworten.

Es scheint vor Ihnen in Leuchtschrift zu stehen: Central Intelligence Agency, Sie begreifen fast sofort auch, dass Sie auf sich gestellt sind und von Ihrem Staat keine Hilfe zu erwarten haben. Wie ungeheuer es ist, dass diese Verletzung staatlicher Souveränität zugelassen wird, ja man bereitwillig Souveränität aufgibt, wird Ihnen zuerst nicht bewusst. Sie schaffen es vielleicht, weiter zu kämpfen, sogar zeitweise in einem Parteijob, der Sie ruhigstellen soll, den Sie aber umwandeln, bis man Sie hinausintrigiert, weil Sie immer wieder die amerikanische Suppe versalzen haben. Sie haben noch das mühselige Einklagen vom letzten Job in Erinnerung, wo der gegnerische Anwalt mit persönlichen Dokumenten aus Ihrem Besitz kam, die nichts mit dem Arbeitsgerichtsprozess zu tun hatten und der Richter unwirsch reagierte, als Sie sich über seine Zulassung solchen Materials mit Hinweis auf die EMRK und die dort erwähnte EIGENE nationale Sicherheit beschwerten. Sie sind es auch müde, sich mit den Legionen von Kofferträgern auseinanderzusetzen, die sich einspannen lassen, während sich nur so wenige entweder per Hausverstand oder Intellekt verweigern und sich nicht beeinflussen lassen.

Sie sind zunächst noch Parteimitglied und dokumentieren das nicht nur satzungswidrige, sondern auch strafrechtlich relevante Verhalten von Parteifunktionären bei Ihrer "Hinausbeförderung" und fordern den Rechten als Mitglied gemäss ein Schiedsgerichtsverfahren gegen diese Personen. Der zuständige Vorstand reagiert mit kollektiver Satzungsverletzung, indem er nicht nur dieses Verfahren verweigert, sondern Sie ohne Verfahren ausschliesst.  Dies ist natürlich Komplizenschaft, zugleich aber die parteiinterne Entsprechung des Freiwildstatus bezogen auf die Verfassung und die Gesetze Ihres Landes. Diejenigen, die sich sowohl strafbar machten als auch aus der Partei hätten ausgeschlossen werden müssen, wurden mit Mandaten und einträglichen Posten belohnt, mit denen sie sich Häuser verdienen können. Sie müssen hingegen froh sein, ein Dach überm Kopf zu haben, das Sie selbst heizen müssen. Wenn Sie etwas komfortabler wohnen wollen, müssen Sie teure Kredite aufnehmen und immer Angst haben, dass Sie dank des Kainsmals "Achtung, CIA-Gegnerin, hat sich nicht beugen lassen, unbestechlich, aussätzig" wieder alles verlieren könnten.

Sie haben auch keine Chance, einen politiknahen Job zu finden, und Sie erhalten (gleich nach Ihrer Hinausbeförderung) von der Arbeitnehmervertretung falsche Auskünfte, was von der Partei Einklagbares betrifft. Als Sie dort einen Termin haben, erinnert Sie der Berater an die beeinflussten Leute, es ist etwas an seinem Habitus, Sie kennen das inzwischen zur Genüge. Sie bauen sich mühsam eine neue Existenz auf, doch Ihre Möglichkeiten sind beschränkt, da es sich um einen Bereich handelt, in dem nur Nischen ganz ohne amerikanischen Einfluss bestehen. Und ehrlich: wollen Sie bei Ihren Fähigkeiten irgendwo am Fliessband stehen und Schrauben drehen? Sie könnten natürlich alles vollkommen verdrängen, doch wäre erst recht ein Verrat an sich selbst, sich unwissend und naiv zu stellen, als hätten Sie nicht um einen so hohen Preis Ihre Integrität bewahrt. Sie versuchten immer wieder, mit Leuten in Ihrer Ex-Partei, die anständig erscheinen oder zumindest nicht bewusst für die USA arbeiten, ins Gespräch zu kommern, doch mauern auch diese und wollen nichts mit einer Verantwortung für das Geschehen in der Partei zu tun haben (sie weigern sich, die Welt wiederherzustellen, was Ihnen psychisch so helfen würde). Da viele von ihnen auf irgendeiner Ebene auf Verfassung und Gesetze vereidigt sind, bedeutet das Nichthandeln eine Verletzung dieses Eides, doch ist es ihnen egal.

Sie wenden sich auch an einen später pensionierten Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes, einen wichtigen Bürgermeister, einen späteren BKA-Präsidenten, einen ehemaligen noch politisch aktiven Innenminister, einen ehemaligen obersten Sicherheitsbeamten, an die Regierung allgemein, einen der wichtigsten Aufdecker des Landes (der vergleichsweise Banalitäten in anderen Parteien zu wahren Megaskandalen werden läßt) und so weiter und so sofort. Bestenfalls hört man Ihnen zu, unternimmt aber nichts. Später behauptet Ihre Regierung gegenüber dem Europarat in Sachen CIA-Affäre, dass man Aktivitäten verfolgen müsse, weil man sie verfolgen müsse, um sich nicht des Verfassungsbruchs schuldig zu machen. Wie bitte, denken Sie, und trauen Ihren Augen nicht: seit wann werden CIA-Aktivitäten verfolgt? Sie ersuchen schriftlich um Stellungnahme und werden wohl ewig auf Antwort warten müssen, die übliche Mauer eben. Vorher, werte Frau Merkel, waren Sie sicher "anders", ehe Sie ihre "Unschuld" und das Vertrauen in die Welt verloren hatten, so wie beispielsweise Khaled El Masri einst nett und umgänglich war, dies auch noch aufrechterhielt, so lange er konnte, und dann ausflippte.

Sie konnten das Vertrauen in die Welt zwar teilweise wiedergewinnen, aber es dauerte. Ihr neues Umfeld, teilweise eingeweiht, ist irgendwann bei allem Úngewöhnlichen, das passiert, skeptischer als Sie, was Sie als Zeichen nehmen, dass Sie unterscheiden können. Sie werden, weil Sie das alles auch finanziell viel kostete, an nichtverdientem Geld, an Jobs unter Ihrer Qualifikation, an Zeiten der Arbeitslosigkeit, bis zum Umfallen arbeiten müssen. Sie kennen weder Kranksein noch Urlaub - weil der Staat Sie im Stich gelassen hat, der von Ihnen Steuern will und dass Sie zu Wahlen gehen.  Ihre Erfahrungen lassen Sie nie wieder so unbeschwert sein wie andere Menschen und entfernen Sie auch innerlich von ihnen. Oft erscheint Ihnen banal, worüber andere reden, auch weil Sie ihnen das namenlose Entsetzen niemals vermitteln können, dass Sie so gut kennen, den harten Prozess, entweder zu lernen, möglichst souverän auch die übelsten Intrigen und Anwürfe auf die Urheber zurückfallen zu lassen oder unterzugehen. Vergewaltigungsopfer kommen besonders schwer darüber hinweg, sagen Beraterinnen bei Notrufen, wenn es sog. Date Rape war, denn das sehen viele Angehörige immer noch so, als hätte das Opfer dazu einen Beitrag geleistet und es sei halt mehr Sex geworden als es wollte.

Die Beraterinnen sind da oft die einzigen, die den Opfern die Realität wiederherstellen helfen, nämlich dass Vergewaltigung Vergewaltigung ist, auch wenn man den Täter kennt. Opfer der CIA, werte Frau Merkel, haben niemanden, der ihnen die Realität wiederherstellt, dass Gesetze Gesetze sind und Menschenrechte Menschenrechte und dass Gesetze und Menschenrechte für alle gelten und dass kein fremder Staat eine Treibjagd auf BewohnerInnen eines Landes eröffnen kann und alle sehen weg. Wenn für Sie bereits das Nachvollziehen der Schilderungen beklemmend ist, dann stellen Sie sich doch ansatzweise vor, wie es ist, vollkommen in der Hand der CIA zu sein, verschleppt, ihr monatelang ausgeliefert, ohne Wissen, ob Sie jemals wieder lebend herauskommen. Und dann sind Sie wieder frei und müssen bitter erkennen, dass ihr Staat mauert statt zu bedauern, dass Ihr Schicksal jenen herzlich gleichgültig ist, die Ihre Verschleppung hätten verhindern müssen.

Sie wählen dann den Weg von Herrn El Masri und machen ihr Leid öffentlich, Sie versuchen, das Schweigen und Mauern zu brechen, Sie gehen sogar mit der American Civil Liberties Union vor ein amerikanisches Gericht, das Sie jedoch sofort abblitzen lässt, da es sich bei der CIA und ihrem Agieren um "Staatsgeheimnisse" handle. Somit befindet sich die CIA außerhalb der Legalität, da jedes Organ des Staates, jede Behörde, die Verwaltung den Gesetzen unterworfen sein muss. Sie stellen fest, dass unbewiesene Behauptungen dieser illegalen Organisation, für die ihre Quellen stets "Staatsgeheimnis" sind, dazu herangezogen werden, Menschen Ihres Glaubens in eine kriminelle Ecke zu rücken. Der Staat setzt dem nichts entgegen, da er der Ansicht ist, dass Christen ja erwiesenermaßen zu Terrorismus neigen. Religionsfreiheit und Antidiskriminierung? Pustekuchen - wie das Recht auf fair trial in der Menschenrechtskonvention (in der nun mal nicht steht "Verschleppungen und Folter sind zulässig, wenn sie durch die CIA erfolgen").

Ihr Staat hebelt den Rechtsstaat aus, indem er Beschuldigungen gegen Menschen nicht untersuchen lässt, sodass sie eventuell in einem fair trial vor Gericht kommen, sondern Entführungen duldet und im Fall von 14 europäischen Ländern dazu Beihilfe leistet. Sie wehren sich stellvertretend für andere, wissen, dass die meisten nicht die Kraft haben, noch aufzustehen, dass viele daran für immer zerbrechen. Sie werden in Medien teils mit Verständnis behandelt, teils wegen Ihres Glaubens als anrüchig und suspekt hingestellt. Sie können nicht mehr und "drehen durch", da für Ihren Staat kein Unrecht geschehen ist, auch wenn kein Regierungsmitglied bislang selbst ausprobiert hat, wie es ist, entführt und gefoltert zu werden. Traumatherapeuten können "die Welt" nur begrenzt wiederherstellen, wenn sie unverändert gespalten bleibt, eine Verfassung und daneben eine dieser widersprechende Realverfassung hat. Nun, Frau Bundeskanzlerin, wollen Sie sich bei Khaled El Masri und Murat Kurnaz entschuldigen und ihnen helfen und auf internationaler Ebene für den Kampf der demokratischen Regierungen gegen CIA-Übergriffe in ihren Ländern eintreten?

Mit freundlichen Grüssen
Alexandra Bader

PS: Kurz gesagt ist das Dulden dieser Zustände eine Auflösung des Rechtsstaates und des Staates überhaupt, weil nicht nur Übergriffe einer fremden Macht gebilligt werden, sondern diese wiederum nicht einmal den Gesetzen des fremden Landes unterworfen sind. Dies war auch vor 9/11 gegeben, doch mit systematischer Entführung, Haft und Folter ist eine neue "Qualität" erreicht, sodass man sich fragt, was noch alles kommt. Der deutsche (Noch-) Innenminister Wolfgang Schäuble meint jedenfalls, dass von Amerikanern begangene Straftraten von Amerikanern selbst (nicht) verfolgt werden sollen. Kritik am US-Menschenraub in Europa wurde von ihm bisher nicht vernommen.

Die CIA entscheidet, ob Menschen, die in europäischen Ländern leben, folgende Grundrechte haben oder nicht:
* freie Wahl ihrer persönlichen Beziehungen (oder nicht)
* freie Wahl des Aufhaltsortes (oder nicht)
* freie Meinungsäußerung (oder nicht)
* Achtung der Privat- und Intimsphäre (oder nicht)
* freie Wahl des Berufes (oder nicht)
* Versammlungsfreiheit / politische Betätigung (oder nicht)
* passives Wahlrecht (oder nicht)
* Briefgeheimnis, Telefonieren ohne Abhören (oder nicht)
* fair trial (oder nicht)
* körperliche Unversehrtheit (oder nicht)
* Wahrung ihres Rufes (oder nicht)

@ körperliche Unversehrheit: diese kann bis zum physischen Tod "nicht gewahrt" werden. In dem Beispiel wurde versucht, sowohl die Person, in die sich die Kanzlerin hineindenken soll, als auch den Parteikollegen zu beseitigen. Es wäre als "Reitunfall" bzw. als "Tod nach Raubüberfall" (vor der Wahl eines neuen Parteichefs, der der Kollege entgegentreten hätte können) verschleiert worden.

@ CIA und Stasi: die Amerikaner sicherten sich mit den Rosenholz-Dateien nach der Wende die wertvollsten Unterlagen und gaben sie gesäubert von jenen Namen, die sie (mittlerweile) verpflichtet hatten oder in Evidenz halten, nach Jahren an Deutschland zurück.

Weiteres im Blog (Einträge 12.8. und 10.8.)

Weitere Infos:

Khaled El Masri ist traumatisiert
CIA-Geheimgefängnis in Polen (11.8.2007)
Ermittlungen gegen Journalisten, die aus BND-Akten zitierten (zu den Entführungsopfern)
Gefühllose "Lizas Welt" über El Masri
Fallstudie zu El Masri
Zwischenbericht CIA-Ausschuss EU-Parlament
So sind die CIA-Folterflüge möglich geworden (Artikel bei uns)
Zynischer Umgang mit einem Folteropfer (Ulla Jelpke)
Querulant oder traumatisiert?
CIA, Menschenrechte und El Masri
Kommentar in der "Süddeutschen": Masri hat sein Schicksal als Opfer der CIA unzählige Male erzählt in den letzten Jahren, im Bundestag, im EU-Parlament, in den USA. Seine Glaubwürdigkeit speiste sich aus seiner ruhigen und sachlichen Art. Doch wie es scheint, neigt Masri auch dazu, in Konfliktsituationen unüberlegt zu reagieren. Damit erklärt sich vielleicht eines der Rätsel in seiner Geschichte, also warum er an Silvester 2003 allein nach Mazedonien fuhr, wo ihn die CIA kidnappte. (leider kein Einzelfall, dass die Blinden für die Lahmen schreiben, wo es in der Einschätzung langgeht)
Hilferuf von El Masris Anwalt (Mai 2007): Er fuhr nach den bisherigen Ermittlungen in den Morgenstunden des Donnerstags mit seinem Wagen zu einem Großmarkt in Neu-Ulm, rammte das Eingangstor und legte einen Brand; der dadurch verursachte Schaden wird auf 500.000 Euro geschätzt. Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung mit dem Großmarkt über einen defekten MP3-Spieler - ein alltäglicher Vorgang, bei dem sich allerdings El Masri in einer Weise verhalten haben soll, die erklärt, warum sein Anwalt im Schreiben an die Kanzlerin die Formulierung wählte, sein Mandant sei „seiner nicht mehr Herr“. El Masri soll eine Mitarbeiterin bespuckt und Drohbriefe verschickt haben.

Es war schon zu diesem Zeitpunkt ein El Masri, der so ganz anders war als der Mann, als den ihn manche Neu-Ulmer kannten - nämlich umgänglich und auf Formen bedacht. Und so anders als der Mann, der im vergangen Jahr mit großer Beherrschung einem Untersuchungsausschuss des Bundestags schilderte, wie er nach seiner Verschleppung durch CIA-Mitarbeiter in einem afghanischen Gefängnis bedroht und geschlagen worden sei, wie er gehungert und kaum geschlafen habe, immer gepeinigt von Ängsten, seine Familie nicht mehr wiederzusehen.

Wer diese Schilderung im Ohr hatte, den konnte allerdings der Wandel El Masris nicht unvorbereitet treffen. Die Fallgeschichten von traumatisierten Folteropfern sind oft gekennzeichnet von Übererregungen, von Reizbarkeit und Wutausbrüchen. Die während der Misshandlung erfahrene Ohnmacht kann Reaktionen hervorrufen, die weit über den Anlass hinausgehen. Schon im Januar hatte El Masri einen Mitarbeiter einer Weiterbildungseinrichtung geschlagen, als dieser ihm Vorhaltungen wegen Fehlzeiten machte.
Wurde El Masri in seiner Not keine angemessene psychotherapeutische Unterstützung zuteil, wie es der Hilfeschrei seines Anwalts an die Kanzlerin nahelegt? Die Antwort ist nach dem derzeitigen Kenntnisstand nicht einfach. El Masri wurde seit Februar vergangenen Jahres ambulant in einem „Behandlungszentrum für Folteropfer“ in Ulm, der Nachbarstadt von Neu-Ulm, therapiert. Es ist eine gemeinnützige Einrichtung, die von einem Trägerverein unterhalten wird, gegründet, um traumatisierten Opfern der Kriege im ehemaligen Jugoslawien zu helfen.
(Anmerkung zu diesen Zitaten: heilsam wäre, wenn die Regierung eine Geste setzt - die Welt wiederherstellen, wie sie vor der Entführung war.)






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