Politik | Termine | Kultur | Kommentar | Initiativen | Wissenschaft | Life | Herstory | Sitemap | Suche
 her_lifeAlteZeitNeueZeit20_jhdMythenzurück zur Übersicht
Startseite  »  Artikel » Herstory » Mythen » Frauen in keltischen Mythen
 
Frauen in keltischen Mythen  

Viele Bücher widmen sich keltischen Überlieferungen, doch sind zwei besonders zu empfehlen, wenn man auf der Suche nach starken Frauen ist: "Frauen in keltischen  Mythen" von Moyra Caldecott und Joy Chants "Könige der Nebelinsel" ("The High Kings") besticht schon allein durch die Illustrationen von George Sharp. Chant bietet neben Geschichten auch Sachinfos und verpackt die Erzählungen in eine Rahmenhandlung, in der an der Tafel von König Artus um besonders spannende Sagen gewetteifert wird.

Beeindruckend ist etwa die Geschichte von Vennolandua (vielfach Gwendolen genannt), der Tochter von Corineus von Cornwall, die Hochkönig Locrin, einen der Söhne von Brutus von Troja und Imogen heiraten sollte. Locrin und Vennolandua waren sehr voneinander angetan, auch weil sie beide ihrer Schönheit wegen gerühmt wurden. Doch ehe die Hochzeit stattfinden konnte, verliebte sich Locrin in die gefangegenommene germanische Prinzessin Estrildis, die er heimlich besuchte, auch als er mit Vennolandua verheiratet war. In der Legende liess er einen Magier eine Höhle so ausstatten, mit Tageslicht, Blumen, Tieren  und Wasser, dass sich Estrildis darin wohlfühlte und dort ihre Tochter Savren bekam.

Solange Corineus lebte, wagte Locrin nicht, sich offen zu Estrildis zu bekennen, doch nach seinem Tod eröffnete er Vennolandua, mit wem er lieber zusammen sein möchte. Sie zog außer sich vor Wut mit ihrem Sohn Maddan und ihren Kriegern nach Cornwall, wo sie einen Streitmacht zusammenstellte und gegen Locrin zog. Damit nicht das Blut Unbeteiligter vergossen wird, forderte sie Locron zujm  Zweikampf, den er verlor. Sie liess Estrildis und Savren ertränken, wobei der aus Hochwasserberichten des Sommers 2007 bekannte Fluss Severn nicht nur ähnlich klingt, sondern nach Savren benannt worden sein soll.



Sharps Bild von Vennolandua, die mit Tränen in den Augen in den Spiegel blickt und sich den Helm auf die langen roten Haare setzt ist eine besonders beeindruckende Illustration, da sie eine Frau in einer für uns ungewohnten Rolle zeigt. Unüblich auch die Vorstellung von Frauen, die als Königinnen regieren wie die drei Töchter des alten König Leir (Shakespeares König Lear): um sein Reich unter ihnen aufzuteilen und sich zurückzuziehen, wollte Leir, dass sie vor versammelten Gästen wortreich die Liebe zu ihrem Vater erklären. Goronil und Riganna kamen dem auch nach, doch die Lieblingstochter Cordaella fand dieses Schauspiel unwürdig und gab zu verstehen, dass man nur Barden für goldene Worte belohnen solle. Sie weigerte sich, Possen zu reissen und erzürnte ihren Vater, sodass sie zu ihren Pflegeeltern flüchtete.

Diese nahmen sie bereitwillig auf und fanden im gallischen König Agannipus, dessen Weisheit und Grosszügigkeit gelobt wurde, der jedoch noch unverheiratet war, einen potentiellen Ehemann. Cordaella wird ihm als weise Ratgeberin, als gute Kämpferin mit Speerr und Schild und als Frau von edlem Charakter beschrieben. Als sich die beiden begegnen, sind sie sofort voneinander eingenommen, auch weil sie einander als wunderschön empfinden. Leir hatte immer weniger Freude am Regieren in jener Hälfte des Landes, die er Cordaella geben wollte, die nun in Gallien lebte. Goronil und Riganna überredeten ihn, das Land doch unter ihre Herrschaft zu stellen, doch behandelten sie ihren Vater von Besuch zu Besuch schlechter und regierten auch nicht als gute Königinnen.

Bald blieb ihm nur noch ein Spassmacher, der Leir aber dazu überredete, doch zu Cordaella zu reisen, auch wenn er ihr so sehr Unrecht getan hatte. Tatsächlich nahmen Cordaella und Agannipus den alten König mit offenen Armen auf und eroberten Britannien zurück. Riganna und Goronil nahmen in Streitwägen am Kampf teil und wurden getötet, Leir regierte noch zehn Jahre und dann folgte ihm Cordaella als Hochkönigin nach. In "Frauen in keltischen Mythen" (Women in Celtic Myth) von Moyra Caldecott sticht besonders die Geschichte von Maeve und ihrer Tochter Findabair hervor. Maeve war die Tochter des irischen Hochkänigs Eochaid und heiratete Ailell, der wie sie reichlichen Besitz hatte, ihr aber in vielem unterlegen war. Ailell besass jedoch einen Stier, den Maeve gerne gehabt hätte, und so zettelte sie einen in vielen Einzelheiten überlieferten Krieg an.



Maeve, die ihren Ehemann aus vielen Bewerbern auswählte, gestand dieses Recht jedoch ihrer einzigen Tochter nicht zu. Findabair rebellierte nicht, versuchte dennoch, den Mann zu heirateten, in den sie sich verliebt hatte, doch hätte Maeve diesen selbst gerne in ihrem Bett gehabt. Findabair wurde vielen Männern versprochen, die gegeneinander kämpften, als sie den Betrug erkannten. Als Findabair davon Kenntnis erhielt, beging sie Selbstmord im Fluss. Deidre wiederum wuchs bis zu ihrem 14. Lebensjahr abseits der Menschen bei einer Pflegemutter auf, denn bei ihrer Geburt wurde geweissagt, dass sie vielen Menschen Kummer bereiten würde. Könige würden ihretwegen zu Verrätern, Helden werden für sie sterben. Eines Tages rettet Deidre einen erschöpften Jäger, der vor der Tür des Hauses ihrer Pflegemutter zusammenbrach. Dieser erzählte dem bereits ergrauten König Conchubar von ihrer Schönheit, sodass er sie unbedingt zur Frau haben wolte.

Deidre kam an seinen Hof, wollte jedoch, dass die Hochzeit erst nach einem Jahr stattfindet. Vor Ablauf dieser Zeit kamen drei schöne junge Krieger, unter ihnen Naoise, in den sie sich sofort verliebte. Seine Brüder Ainnle und Arden drängten ihn zum Aufbruch, als sie merkten, was sich entwickelte, doch Deidre folgte ihnen auf einem weissen Pferd. Naoise bat seine Brüder, sie nicht zu begleiten, damit nur er den Zorn Conchubars auf sich lenkt, doch sie blieben bei ihm. Sie flüchteten durch das Land, blieben nirgendwo länger und begaben sich zur berühmten Schule der Kriegerin Scathach auf die Schatteninsel (Skye). Als sie des Herumreisens müde waren und sich nach ihrer Heimat sehnten, sandte Conchubar einen Boten, um sie in eine Falle zu locken. Deidre sah das Unglück voraus, doch die Brüder wollten nicht auf sie hören. Die drei Männer wurden im Kampf erschlagen, und Deidre zog den Tod der Gefangenschaft bei Conchubar vor.

Grania war die Tochter des Hochkönigs Cormac MacArt und nahm aus einer Laune heraus einen Heiratsantrag von Finn von den Fianna an, ohne ihn schon einmal gesehen zu haben. Freilich war sie erschrocken, als sich herausstellte, dass er so alt war wie ihr Vater, grauhaarig und hart. In seinem Gefolge kam jedoch der schöne junge Diarmuid, der dafür bekannt war, einer Frau keinen Wunsch abschlagen zu können. So bat sie ihn, sie vor der Hochzeit zu entführen, was er zögernd tut. Er will Finn dabei aber insofern die Treue halten, als dass er nicht mit Grania schläft. Helden machten sich einen Spass daraus, die beiden zu hetzen, sodass sie nirgendwo für länger sicher sind. Als Diarmuid verletzt wird und Grania ihn versorgt, werden sie ein Paar. Durch ein vermitteltes Abkommen mit Finn konnten sie aber 16 Jahre in Frieden leben, in denen Grania 5 Kinder gebar.

Schliesslich luden sie sogar Finn und Cormac immer wieder zu sich ein, doch nach einem Jahr lockte Finn Diarmuid auf eine Jagd nach dem Eber ohne Schwanz und Ohren, der ihm einem Bann nach den Tod bringen soll. Diarmuid tötet das Tier, wird aber von ihm verletzt. Wasser, das ihm Finn in seinen heilenden Händen bringt, könnte ihn retten, doch verweigert Finn diesen Dienst. Grania lebte in Trauer weiter auf der Burg im abgelegenen Tal, wo sie ihre Kinder großgezogen hatte, als Finn mit einem Streitwagen kam. Sie zückte das Messer, das sie bei sich hatte, da sie fürchtete, er wolle auch ihr den Tod bringen. Er wollte Frieden mit ihr, sie bewirtete ihn und wollte ihn hochmütig behandeln und beschimpfen, doch wandte er die Augen nicht von ihr.  Sie landeten im Bett, und fortan lebte Finn zuerst bei ihr und dann sie bei ihm - zur Überraschung seiner Krieger, die als Letztes daran gedacht hätten, dass er mit Grania als Ehefrau heimkehrt.

Immer wieder werden Kriegerinnen erwähnt oder Königinnen, die selbst mit Waffen umgehen können, und nicht zuletzt auch Kriegsgöttinen wie Andraste oder Morrighan (Morrigu). Die Morrigu war in Irland besonders gefürchtet und man brachte sie mit der Rabenkrähe in Verbindung, die ihre Todesbotin war. Zahlreiche Legenden berichten von Begegnungen mit der Morrigu, die auch dem Helden Cuchulain zum Verhängnis wurde. Sie erschien in Gestalt einer verführerischen Frau, die der Frauenheld nur zurückwies, weil er vom Kampf erschöpft war, und wollte ihn dann eben im Kampf stellen. Als Cuchulain zu den Waffen griff und zum Streitwagen ging, verschwanden Frau, Wagen und Pferd, doch eine Krähe flog auf. Später sah er die Frau, wie sie seine blutigen Kleider wusch, und als er im Kampf tödlich verwundet war, setzte sich ein Rabe auf seine Schultern, für seine Feinde das Zeichen, dass er machtlos war und sie ihm den Garaus nachen konnte.

Alexandra Bader

Siehe auch: Boudicca - Archetyp der Kriegerin




Mein Feedback-Beitrag zu diesem Artikel


 



Home
| Impressum | Kontakt | Forum | Downloads | Links |Archiv 1998-2006 |
   
Niederösterreich Wien Burgenland Kärnten Salzburg Steiermark Vorarlberg Tirol Oberösterreich