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Mann oh Mann.... (von Minister Erwin Buchinger)  

Kommentar von Sozialminister Erwin Buchinger über sein Männerbild

„Männer sind Machos. Sie sind wehleidig, egoistisch und sie bleiben ewig Kinder – nur ihr Spielzeug wird größer und teurer“. Glücklicherweise halte ich nichts von Klischees und versuche sie deshalb erst gar nicht zu bedienen. Ich bin anders! Aber klar, werden Sie jetzt denken. Das hören Sie andauernd von Männern. Aber ich bin wirklich anders! Bis auf die Kleinigkeit mit dem Spielzeug. Mein Motorrad, eine Honda Varadero, würde ich nämlich nur ungern wieder hergeben. Aber ich zähle mich trotzdem zu den so genannten „neuen Männern“. Was zeichnet aus meiner Sicht den neuen Mann aus? Schlagwortartig würde ich sagen - Beziehungen, neue Formen des Zusammenlebens, Kinder, Familie, das Aufbrechen von Rollenbildern sowie ein gesunden Lebensstil.

Ja, das ist neu. Neu bedeutet, dass etwas noch nie da gewesen ist. Das wiederum bedeutet, dass man mit diesen Veränderungen erst einmal umgehen lernen muss. Genau das ist mein Ansatz für eine moderne Männerpolitik. Sie muss sich den geänderten Bedürfnissen und Lebensbereichen der Männer anpassen. Als neuer Mann, halte ich es auch für notwendig, Männerpolitik als Teil der Frauenpolitik anzugehen und deshalb einen regen Austausch mit dem Frauenministerium sowie mit Frauenvereinen und –organisationen zu pflegen. Gemeinsam muss man beispielsweise der ungleichen Verteilung von Vermögen und Einkommen den Kampf ansagen. Männer verdienen nach wie vor ein Haus mehr als Frauen – und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Im Laufe eines Erwerbslebens kommt  nämlich ein beachtlicher Betrag zusammen, der Frauen durch ihr niedrigeres Gehalt im Vergleich zu Männern oder aufgrund von Kindererziehungszeiten oder Pflegeverpflichtungen entgeht. Und das finde ich sowohl als Sozial- als auch als Männerminister nicht fair.

Männer müssen aus meiner Sicht außerdem dabei unterstützt werden, sich in ihre neuen Rollen – abseits von Macho und Muttersöhnchen – einzufinden. Sie brauchen ein verstärktes Bewusstsein  etwa für Themen wie Gesundheit und Vorsorge oder Kindererziehung. Aber auch für die sonstige Familien- und Beziehungsarbeit, an der sie durch veränderte Rollen von Frauen künftig noch mehr Anteil haben werden. In diesem Zusammenhang steht auch das Thema Gewaltprävention, dem ich mich als Männerminister verpflichtet fühle. Dies schließt sowohl das Auftreten gegen Gewalt in der Familie aber auch gegen Gewalt von Buben und Jugendlichen (etwa in der Schule) mit ein.

Ein Positivbeispiel einer sinnvollen Männerpolitik ist meiner Auffassung nach die Väterkarenz, weil sie Männer aktiv in die Kindererziehung einbindet. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass viele Väter ein Papamonat, also die Möglichkeit, vier bis acht Wochen nach der Geburt eines Kindes zu Hause zu bleiben, stark in Anspruch nehmen würden. Vorschläge dazu liegen schon auf dem Tisch. Nachdem es eine relativ günstige Möglichkeit ist, Familien zu unterstützen, glaube ich auch, dass wir das in den nächsten Jahren noch realisieren werden.

Aber Familie läuft heute auch auf ganz anderen Ebenen ab. In Zeiten, in denen fast jede zweite Ehe geschieden wird, muss auch für Männer sicher gestellt sein,  dass sie nach einer Trennung ihre Rolle als Väter wahrnehmen können. Deshalb sehe ich es als Aufgabe einer modernen Männerpolitik, ein Angebot für Männer in und nach Trennungssituationen zu schaffen. Dazu gibt es die geschützte Besuchsbegleitung, die trotz der Konfliktsituation zwischen den Eltern, Kindern den Kontakt zum getrennt lebenden zweiten Elternteil ermöglicht.

Langfristig hoffe ich persönlich allerdings auf eine Verschiebung der derzeitigen Diskussion um Frauen- oder Männerpolitik hin zu einer Gleichstellungspolitik. Denn es nutzt niemandem, wenn man die Geschlechterpolitik in den Vordergrund stellt. Wer mächtige Positionen innehat, muss etwas zugunsten jener, die bisher weniger vertreten waren, abgeben. Das bedeutet im Ergebnis, dass die meisten Rahmenbedingungen geändert werden müssen, um die Benachteiligung von Frauen zu stoppen. Das erkennen auch immer mehr Männer – neue Männer. Solche, die wie ich, mit Machos, Wehleidigkeit und Egoismus nichts am Hut haben. 

Erwin Buchinger
Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz

INFOS:
Erwin Buchingers Blog
Webseite des Bundsministeriums

Reaktion von Leser Gottfried:

"Gemeinsam muss man beispielsweise der ungleichen Verteilung von Vermögen und Einkommen den Kampf ansagen. Männer verdienen nach wie vor ein Haus mehr als Frauen ˆ und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Im Laufe eines Erwerbslebens kommt  nämlich ein beachtlicher Betrag zusammen, der Frauen durch ihr niedrigeres Gehalt im Vergleich zu Männern oder aufgrund von Kindererziehungszeiten oder Pflegeverpflichtungen entgeht.

Und das finde ich sowohl als Sozial- als auch als Männerminister nicht fair." Ich hoffe, sie, Hr.Minister, nehmen das Ernst, nachdem sie sich beruflich verwirklichen konnten und ihre Gattin durch die Kinderbetreuung alles hintanstellen musste und wirtschaftlich - nach der Trennung -  nicht ganz so gut dastehen wird.

Wird an das Ministerium zu Monister Buchinger weitergeleitet!

 



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