Warum sind die Grünen in der Krise? Im zivilgesellschaftlichen Online-Medium Glocalist.com wird Ende August/Anfang September 2007 eine Debatte über die Krise der Grünen in mehreren Beiträgen geführt. Wir spiegeln den Beitrag von mir, Alexandra Bader, und verlinken zu allen anderen Kommentaren mit kurzer Inhaltsangabe:
WIE DIE GRÜNEN WURDEN, WIE SIE SIND
Manches an der Entwicklung der Grünen ist erklärbar aus Veränderungen, die realen Situationen entsprechen. Etwa, dass sich Parlamentarismus von Innen anders anfühlt als von Außen, dass sich manches nicht so sehr umsetzen läßt wie man sich das zuvor vorstellte. Oder, dass Gremien nur dann wirksam funktionieren, wenn ihre Mitglieder nicht rein ehrenamtlich tätig sind, so in Wahrheit kein Gegengewicht z.B. zu den Klubs bilden können. Und, dass etwa Forderungen im Bereich Arbeitsmarkt andere sind als vor 20 Jahren, weil es überall neue Problemstellungen gibt. (Anders darf aber nicht angepasst, schwach, vage bedeuten.)
Der formalen Anpassung, die hinsichtlich Tempo das Schmelzen des Grönlandschelfs in den Schatten stellt, wenn wir etwa die lange Existenz der Großparteien und ihren Weg vergleichen, entspricht eine inhaltliche Ausdünnung. Formal gibt es mittlerweile keine Unvereinbarkeiten mehr, sodass sich ein Apparat selbst kontrolliert, der bestens finanziell ausgestattete im Parlamentsklub. Der Klub ist die Partei, mit einem nachgebildeten Ableger im Wiener Landtag.
Aktivitäten in den Wiener Bezirken oder in Gemeinden in anderen Bundesländern, teils auch in den Landtagen entsprechen noch dem urspünglichen Geist der Grünen. Doch bleiben sie ohne Einfluss auf die Bundes = Parlamentsklub = Van der Bellens Kader-Ebene, sondern sind willige Helfer bei Wahlkämpfen und Statisten bei "Spontan"-Aktionen. Dies soll ihnen den Idealismus und die Wirksamkeit ihrer Politik auf lokaler Ebene nicht absprechen. Aber die Realitäten müssen klar sein: nur dort, wo Grüne Anfang der 80er Jahren auch schon standen, sind sie noch authentisch (eben kommunale Ebene, damals waren es die Gemeinderäte in Salzburg, Graz, Innsbruck und anderen Städten und Dörfern).
Anfang der 90er Jahre wurde noch von einigen Menschen, unter denen ich damals fast sowas wie eine Anführerin war, eine Veränderung der Grünen von unten versucht. Dies bedeutete, dass sich Menschen ehrenamtlich jenen Platz und Einfluss mühsam zu erkämpfen versuchten, den sie von Grundsätzen, Statuten, Programmatik und Selbstverständnis der Grünen her haben hätten müssen. Sie konnten angesichts des Kräfteverhältnisses (hier mauschelnde Cliquen des bezahlten Apparats, die Medien hinter sich hatten, dort Widerstand von unten) in erster Linie Dinge aufhalten, selten aber offensiv eigene Akzente setzen.
Dies mag deprimierend klingen, aber es gab damals sehr intensive Gespräche über das Selbstverständnis, die Rolle grüner Vorstellungen im jeweils eigenen Leben, und zu wichtigen Themen tat immer irgendjemand (vor den Zeiten des Internet) interessante Artikel und Bücher auf oder lud jemanden von einer NGO ein, der uns Näheres erzählen konnte. Sobald durch diesen Widerstand Pläne der Cliquen durchkreuzt wurden, kamen Retourkutschen in Form von hinterhältig eingefädelten Intrigen. Ich habe in dieser Zeit nie lockergelassen, sondern bin gerade dem Muster der Gegenaktionen auf den Grund gegangen, was vor mir noch niemand versucht hatte.
Ein Beispiel zeigt, was sich hinter der mediengerechten Fassade der Grünen abspielt, wenn etwas durchgezogen wird, das nichts mit grünen Vorstellungen zu tun hat, sie eher verrät und ad absurdum führt:
Anfang August 1992 dachten viele auch außerhalb der Grünen, es träfe sie der Schlag: Peter Pilz fordert in einem Interview mit dem "profil" eine US-Militärintervention in Bosnien, was als "Tabubruch" angelegt war und sofort so verstanden wurde. Damals waren Militärinterventionen, die mit humanistischem Geschwafel verbrämt werden, noch nicht so üblich wie heute. Nicht zu vergessen auch, dass wir ein neutrales Nachbarland Jugoslawiens waren mit wechselvollen geschichtlichen Verbindungen und vielen MigrantInnen aus diesem Land.
Das "profil" brachte in den Monaten zuvor immer wieder ausführlich "Basiskritik" an Johannes Voggenhuber, verhielt sich nun aber plötzlich anders, auch andere Medien waren, wie wir feststellten, "dicht", sie mauerten. Noch seltsamer wurde es, als auf die kritischen Stellungnahmen, die Basisleute im internen Rundbrief der Wiener Grünen abgaben, mit einer Art Basisbeschimpfung von der Basis reagiert wurde. So in dem Stil "Pilz mag inhaltlich unrecht haben, aber es ist sympathisch, wenn einer wie er unsicher wirkt, und seine Kritiker sind nicht integer" (er war damals Wochen auf Tauchstation nach dem Interview).
Dann wurde versucht, die "Pilz-Gegner" auszuhorchen, die nach Statuten und Grundsätzen (gewaltfrei, basisdemokratisch) seinen Rücktritt forderten. Es begannen Papiere aufzutauchen, deren Stil erst recht seltsam war, da sie so klangen, als ob eine unsichtbare Hand geostrategische Positionen bekannt gibt. Pilz selbst verfasste in jenem Jahr zum Vorantreiben einer Parteireform, die eine Personalunion zwischen Parteichef und Mandat möglich machen sollte (mit ihm selbst als Parteisprecher), ein unter Verschluss gehaltenes, da zu entlarvendes Papier, in dem von der Partei als "Brückenkopf" die Rede war. Dieses Wort kommt aus dem militärischen Sprachgebrauch und soll offenbar fremden "Invasionstruppen" in die Grünen Andockpunkte (Quereinsteiger) bieten.
Ich pflegte die Punkte zu verbinden, also z.B. einander ähnliche Formulierungen in offensichtlich lancierten Texte und auch Medienkommentaren in Bezug zueinander zu bringen, um darzustellen, welche Bilder mit der Zuschreibung negativer Eigenschaften an unbequeme Leute geschaffen wurden. Man liess mir ausrichten, ich sähe "Gespenster", ich dachte, aha, dann gibt es also "Gespenster" (wer sie sind, wusste ich gegen Ende des Jahres 1992). Ich habe den Kampf gegen jene Kräfte der Instrumentalisierung einer parlamentarischen Kraft fortgesetzt, so lange ich konnte, und dabei viel erlitten.
so sehen die Grünen Kanzler Gusenbauer (2007)
Die Entwicklung nach meiner Zeit ging in der Tendenz weiter, die ich aufzuhalten versucht hatte, zu einer immer größeren Entpolitisierung der Partei und einem immer mehr abgeschotteten Führungskader, um den sich Van der Bellen besonders verdient machte. Dank der Umorientierung auf Journalismus in einer Nischenexistenz (da wiederum zu kritisch und zu eigenständig) lernte ich andere Parteien näher kennen als es möglich ist, wenn man selber einer Partei angehört. Dort waren viele entsetzt, wenn ich ihnen erzählte, wie brutal bei den Grünen ungestraft mit Menschen umgegangen wurde, und dass Medien nie darüber berichten dürften.
Es gab fähige Mandatarinnen bei den Grünen in den Bundesländern, mit denen ich befreundet war, und die deswegen nicht wieder kandidieren konnten. Ich weiss nun auch, was in anderen Parteien "normal" passiert, wie dort intrigiert wird und dass natürlich auch immer wieder apolitische Leute kandidieren. Es hat offenbar aber (ich beziehe mich auf ÖVP und SPÖ) nie dieses geschlossene System einer völligen "Vernichtung" kritischer Menschen gegeben, sondern man ist bemüht, ihnen Nischen zu schaffen; sie finden auch immer Menschen, die sich für sie einsetzen. Bei den Grünen lief stets ein wie am Schnürchen funktionierender Apparat gegen Menschen ab, die sich an Beschlüsse halten, die sabotiert werden sollten und die Inhalte vertreten, die nur am Papier bestehen sollen.
Ich selbst wurde irgendwann Mitte der 90er Jahre (ohne Verfahren, das nach den Statuten erforderlich gewesen wäre) aus den Wiener Grünen ausgeschlossen. Ich versuchte einmal, wegen statutenwidrigen Verhaltens von Mitgliedern mir gegenüber, das mir auch finanziellen Schaden zufügte, ein Schiedsgerichtsverfahren zu erwirken, was mein statuarisches Recht war. Man reagierte mit weiterer Statutenverleztung, indem man den Antrag ignorierte. Ich weiss nicht, was kritische Menschen nach meiner Zeit zu erzählen haben, hörte aber manchmal bittere Klagen über die Grünen. Die Personen, die meine Rechte verletzten, wurden jedenfalls reichlich belohnt.
Oft wird mir zugetragen oder bekomme ich auch fast wehmütige Zuschriften von Menschen, die den alten "Spirit" der Grünen vermissen. Eben die Zeiten, in denen nicht alles gestylt, glatt, auf Hochglanz und beliebig war, als es keinen kalten Kader um einen Parteichef gab, sondern als man sich für etwas einsetzte, auf der Straße stand, zu Veranstaltungen ging und mit dem Herzen für eine andere Politik warb. Es war nicht perfekt, vieles war handgestrickt, man kam ohne Internet auch nicht an so viele Informationen ran, um jedes Thema in die Tiefe gehen zu betrachten, ehe man etwas dazu sagte oder veröffentlichte.
Wie viele Ex-Grüne, die wie ich andere Nischen suchen mussten, empfinde ich immer noch etwas Wehmut bei dem Gedanken, wie brutal uns das verfassungsmäßige Recht auf politisches Engagement genommen wurde, wie uns entrissen wurde, was wir aufbauten. Ich denke, wie viele andere auch, immer noch grün, mußte aber lernen, dies ohne Bezug zu einer Partei zu tun. Was zunehmend leichter fällt, da die Inhalte der Grünen sich längst eher als Absichtserklärung bei Rot oder Schwarz finden oder als Überlegung in Diskussionsrunden der beiden Parteien. Außerdem haben NGOs die Rolle der Grünen übernommen, sich konsequent für gesellschaftlich relevante Themen einzusetzen.
Es fallen ja jedem genug Beispiele ein, und ich bemerke nahezu täglich mindestens eine "Ungeheuerlichkeit", die Grünen auf den Plan rufen müßte. Ein freies Mandat haben wir uns früher nämlich immer so vorgestellt, dass wichtige Anliegen eine parlamentarische Stimme haben und dass Menschen ohne Risiko und besser abgesichert ihr vorheriges Engagement fortsetzen können. Es war eine große Aufgabe und Veranwortung, die nur übernehmen sollte, wer den Verführungen der Macht nicht erliegt und die Rückbindung zur Basis beibehält.
Nichtengagement der heutigen Grünen, die bald einen 30köpfigen PR-Apparat um Van der Bellen haben werden, wird mit Ausreden kaschiert. Dabei weiss jede NGO, dass man sich für Dinge, die wichtig sind, selbst dann einsetzen könnte, wenn man kein Mandat und kaum Geld hat, aber etwas im Web tun kann oder sich mit anderen zusammenschliesst und eine Aktion macht. Sehr oft greifen NGOs Themen auf, die wesentliche Kritik beinhalten, die eine Opposition etwa an Minister Platter und seinem Verständnis von Integration und Migration äußern müßte. Mit Schrecksekunden, die manchmal Wochen dauern können, greifen die Grünen manches dann doch auf, nachdem NGOs den Boden bereitet haben.
Nicht zufällig nannte Christian Neugebauer zwei Grüne, die nicht der 1986 mit dem Einsatz von Pius Strobl in den Grünen und der Wahl von Peter Pilz begonnenen "Kaderisierung" der Partei entstammen: Christoph Chorherr war bei der Alternativen Liste Wien aktiv (in der "Donnerstaggruppe"), Johannes Voggenhuber kam 1977 zur Bürgerliste Salzburg und wählte ALÖ. 1983 scheiterte die ALÖ, auf die Menschen wie Pilz nur mit Verachtung blickten, übrigens daran, dass Blechas Gendarm Pius Strobl die 3 aufgelegten Fragen an Landeshauptmann Kery "besorgte", mit denen Josef Cap berühmt wurde. Er erhielt in Wien so viele Vorzugsstimmen, dass die ALÖ kein Grundmandat machte, das ihr ansonsten sicher gewesen wäre. Und drei Jahre später waren diese Leute plötzlich in den Grünen bei der vorgezogenen Wahl 1986...
Die Grünen sind allerdings immer noch aus der Alternativen Liste, aus der Bürgerliste, teils auch aus den bürgerlichen Vereinten Grünen hervorgegangen und sollten in die Hände der GründerInnen und an jene zurückgegeben werden, die im Geist der GründerInnen heute grüne Politik machen.
Alexandra Bader
1982-1988 aktiv bei der Alternativen Liste Graz und Steiermark
1982-1986 aktiv bei der Alternativen Liste Österreich
Mai 1988 - November 1988 Bundesvorstand der Grünen (Rücktritt, da das Gremium nur "Fassade" war)
1989 - 1994 aktiv bei den Wiener Grünen (sehr unbequem als EU-Referentin, die nicht bei der ständigen Sabotage Voggenhubers mitmachte und die man daher sehr übel behandelte)
Die Erwähnung von Sozialdemokraten bedeutet übrigens keinesfalls, dass "die SPÖ" die Grünen instrumentalisiert hat. Am 1.9.2007 war in der "Kronen Zeitung" ein Leserbrief, der sich von der dort häufig publizierten undifferenzierten EU-Kritik abhebt, verfasst von Erich Schäfer ("EU-Vertrag ist Kolonialstatut für Europa"). Auch er verwendet das Wort "Brückenkopf", das ja, wie erwähnt, in einem grünen "Reform"-Papier mehr als merkwürdig ist: "Die Verankerung der Oberhoheit der NATO im EU-Verfassungsvertrag (bzw. 'Änderungsvertrag') macht Europa endgültig zum Brückenkopf der USA in Eurasien und zum potentiellen Kriegsschauplatz. Die Geheimdienst- und Militärpräsenz der USA in Europa gleicht der einer Besatzungsmacht." Nach weiteren Ausführungen endet Schäfer mit: "Der europäische Aufstand hat schon begonnen."
Wessen "Brückenkopf" könnten die Grünen nun sein, wenn es nicht "die SPÖ" ist (übrigens täuschte mich meine ansonsten sehr exakte Erinnerung zuerst: das "Brückenkopf"-Papier unterzeichnete nicht Pilz, sondern seine Referentin, eine Exkrankenschwester)? Die Forderung nach der ersten amerikanischen Militärintervention in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg wurde in Österreich, dem neutralen Nachbarland Jugoslawiens, über den Grünexponenten Peter Pilz gestellt. Kritik daran war in Medien tabu (wie heute Kommentare pro Neutralität und pro Darabos' Handlungen als souveräner Minister eines souveränen Staates tabu sind), grüninterne KritikerInnen wurden mit wie von unsichtbarer Hand verfassten Beiträgen diskreditiert und manche auch ausgehorcht.
Der vielsagende "Brückenkopf"-Begriff meinte die Grünen als völlig offene, mit Quereinsteigern füllbare Organisation im parlamentarischen System, bei der Grundsätze, Statuten, Inhalte und die Rechte von für die Partei sei Jahren aktiven Menschen wenig gelten. (Pilz präsentierte einige Monate später Alexander van der Bellen, bei dem er erstmals wissenschaftlich arbeitete, als Parlamentskandidaten.) Ich erinnere mich auch gut an einen Bundeskongres im Mai 1992, der ganz im Zeichen der "Reformen" in Richtung "Brückenkopf" stehen sollte und wo Pilz und sein Umfeld geradezu ausflippten, weil die rebellischen Wiener Junggrünen das "Wiener Projekt", wie Pilz seine "Reform" nannte, mit einem dicken Ordner vollkommen leerer nummerierter Seiten darstellten - offenbar unbewußt sehr zutreffend.
Ebenso der leere große Bilderrahmen für die "projektorientierte Rahmenpartei", eine weitere beliebte Worthülse, die an Beliebigkeit der Grünen gewöhnen sollte. Als Retourkutsche gab es dann den fingierten Brief einer angeblichen steirischen Delegierten gegen mich und Johanes Voggenhuber, der sich ebenfalls um den Widerstand gegen die Reform verdient machte (und für den von 1991 - 94 Peter Pilz nachgerückt wäre, ich für Pilz in den Wiener Landtag). Das ging aber ordentlich nach hinten los, da ich den Brief mit Unterstellungen wie "Neid, Paranoia, Frust, Erfolglosigkeit" erst recht verbreitete - und zwar mit Absender "Marina Braun" (so "hiess" die nicht existente Person). Derlei - die Zuschreibung falscher Behauptungen an eine existente oder erfundene Person - bezeichnet etwa der Ex-CIA-Agent Philipp Agee als "schwarze Propaganda" und üblicherweise hat es den Effekt, dass sich Menschen eingeschüchtert fühlen und rechtfertigen.
Normale Menschen glauben ja, dass es immer auch Rauch gibt, wo Feuer ist - nicht jedoch, dass man völlige Lügen in den Welt setzt und diese psychologisch perfide formuliert. Die "Basisgrünen" schrieben das Verbreiten "Marina Braun" zu und waren entsetzt, sie bestärkten mich und äußerten sich solidarisch. Instinktiv war es eine richtige Reaktion, den geplanten Effekt zu "übertreiben" - aber man muss erstmal so drauf sein können, durch Intelligenz und Analyse "Counterintelligence" zu betreiben, das kann ja wohl nicht Qualifikationskritierium für kritische Menschen bei den Grünen sein.
Ich kannte die "schwarze Propaganda"-Methode allerdings schon, da man mir drei Jahre zuvor niemals geäußerte Behauptungen über Johannes Voggenhuber zuschrieb, die ich zuerst mündlich und dann auch, welch Zufall, in einem Brief getätigt haben sollte. Er durchschaute das üble Spiel leider nicht - bis heute nicht, und wich mir bis 1992 aus.... Schäfer wird mit dem europäischen Aufstand wohl auch meinen, dass die österreichische Bundesregierung klar Position bezieht und österreichische / europäische Sicherheitspolitik aus österreichischer / europäischer Perspektive bewertet - und hoffentlich auch, im Gegensatz zu Vorgängern, deutliche Schritte gegen die massive amerikanische Geheimdienstpräsenz auch in Österreich setzt.
Meine Ausführungen zum "Wie" des grünen "So-Werdens" sollten erklären, was andere vor den Kopf stößt, erstaunt oder entsetzt und in den anderen Beiträgen ausgeführt ist:
Christian Neugebauer vom "Glocalist" eröffnete die Debatte mit einem Kommentar, in dem er wesentliche Kritikpunkte zusammenfasste, wie das Versagen der Grünen als der Sicht von NGOs:
"Zahlreiche Beispiele sind schon berichtet worden auf Glocalist Daily News, wo Grüne Politik, in ihren Kernthemen wie Energiewende, Homosexualität, Asyl, Transparenz und Pressefreiheit Wasser predigen und Wein trinken. Die Problematik liegt nicht im Phänomen (hübsches Gewand oder nicht), sondern dass die Grünen ihre Prinzipien nicht mehr leben, wo es mit den eigenen Machtinteressen kollidiert; sicher, da gibt es als unangenehmen Beigeschmack noch eine FunktionärInnen-Riege, die durchaus regelmässig ihre eigene Parteispitze desavouieren und die tatsächliche Kritik an sie - die Funktionärsschicht - bzw. an die Grünen aus der Zivilgesellschaft, NGOs und anderen nicht ran lassen an die Parteispitze bzw. diese desinformieren. Ein möglicher Einwand, dass ja einige vom Kader der Grünen aus NGOs stammen, zieht nicht, denn dies wäre auch eine undifferenzierte Argumentation, denn erstens NGO ist nicht gleich NGO und zweitens befördert dies allzu leicht die romantische Ansicht, als sei jede NGO per se Hort der Kritik und Zivilgesellschaft."
"Die Herausforderungen für die Grünen sind daher andere, nämlich Entmachtung ihres Funktionärskaders, ihren eigenen Prinzipien wieder gemäß zu handeln und Re-vitalisierung der Dialogfähigkeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, NGOs und Medien und vor allem wieder mutig zu sein. Und es stimmt schon, dass bei den Grünen und ihr Umfeld eine unangenehme Schickeria, die man durch die monierten Phänomene oberflächlich beschreiben kann, entstanden ist. Sie ist aber ernsthaft betrachtet nicht das Problem noch die Herausforderung." Neugebauer verweist am Ende auf prominente Kritiker innerhalb der Partei:
"Aber dies berührt die sehr grundsätzliche Frage, ob die Repräsentanten noch repräsentieren und nicht viel mehr sich selbst ausschließlich präsentieren. Diese Problematik der Glaubwürdigkeit trifft alle Parteien und hat dereinst die Grünen auch groß gemacht, denn sie waren glaubwürdig, was sie heute nicht mehr sind und schließlich die wichtigste Herausforderung für sie darstellt: Herstellung der Glaubwürdigkeit. Und dies geht nur mit Menschen, die Ecken und Kanten haben und vor allem von Parteijobs unabhängig sind. Die Fähigkeit, diese "Spezies" einzubinden, haben die Grünen - aber nicht nur sie, das ist aber ein anderes Thema - verloren, aber das muß ja nicht auf ewig sein. Und dies sind Punkte, die, wenn auch verklausuliert, Chorherr, Voggenhuber und viele innerhalb der Grünen Partei, aber nur unter vorgehaltener Hand, anzusprechen versuchen."
Fritz Binder-Krieglstein von Renewable Energies Consutling meint u.a.:
"Als Insider der Branche der Erneuerbaren Energien Österreichs darf ich eindeutig den Frust der Branchenvertreter und Manager zum Ausdruck bringen, der bezüglich der Grünen vorherrscht - und das seit Längerem. Denn gerade die Energie- und Klimapolitik der Großparteien, die zusammen über die Zwei-Drittel-Mehrheit verfügen, ist erbärmlich. Sie eignet sich wie kaum eine andere Materie zu knallhartem Angriff auf beschlossene Normen und die dahinter stehenden Personen, Mechanismen sowie Prinzipien."
Alexander Trinkl von Agenda X, einer NGO, die Jugendlichen Umweltbewustsein nahebringen will, schreibt z.B.:
"Der Gutmensch wurde einmal damit definiert, dass dies Menschen sind, die Gutes fordern, aber nichts Gutes tun. Das heißt die Progression verkommt zu einer Funktion des eigenen Narzissmus und die faktische Wirkung und damit Relevanz geht gegen Null. Mit der Gefahr, dass Macht und Status zu einer weiteren Übersteigerung führen und Opportunismus vor Haltung geht, was wieder nichts mit Pragmatik zu tun hat, denn diese geht mit Haltung.
So kommt es dann bei den Grünen, dass
- Volkstümlichkeit ein Fremdwort ist und kaum jemand menschlich so richtig warm wird bei ihnen.
- Sie die größte Quote an unbeantworteten E-Mails von BürgerInnen haben, ohne ein Bewusstsein für zwischenmenschliche Qualität und/oder machtpolitische Professionalität.
- Kritik ignoriert und verdrängt wird, statt ausdiskutiert und aufgearbeitet.
- Unfähigkeit zur Zusammenarbeit vorherrscht und sie damit operative Potentialvernichter sind.
- Solidarität mit der Zivilgesellschaft besser gesucht wird im christlich-sozialen Lager und den wenigen liberalen Sprüngen im SPÖ-Machtblock.
- Keinen Platz für Junge gibt und die jüngste Abgeordnete 36 Jahre zählt."
Diese Aussagen aus der Glocalist-Debatte wollte ich übrigens am Mittwoch, den 29.8.2007 im Standard-Chat Eva Glawischnig als Frage stellen, warum das so ist und ob ihnen solche Kritik egal ist, wurde aber nicht zugelassen...
"Die Grünen sind nicht mehr nur an ihren Inhalten zu messen, sondern auch an Ihren Qualitäten: an ihren Visionen und der Dringlichkeit, mit der sie diese verfolgen, an Haltungen und Überzeugungen und wie sie diese voran treiben, im zwischenmenschlichen Dialog, in ihrem solidarischen Engagement, in der Zusammenarbeit, in der Bereitschaft zu Psychohygiene und Kritikfähigkeit. Denn was bringen euch eure guten Forderungen, wenn ihr nicht die Kraft, Innovations- und Allianzfähigkeit habt, sie auch durchzusetzen?"
Wolfgang Stadik von den Kärnter Grünen sieht die Entwicklung der Grünen anderen Parteien (mit einer viel viel längeren Geschichte) vergleichbar und schreibt:
"Man muss sich wohl oder übel daran erinnern, was einmal gewesen war, wie das denn eigentlich angefangen hatte, bevor man in all die Ämter eingezogen war, in denen man heute das Sagen hat. Die Formulierungen, die dann gefunden und zitiert werden, mit deren Hilfe wieder einmal definiert wird, was einem eigentlich dazu treibt sich so und nicht anders für die MitbürgerIn einzusetzen. Das Grundsätzliche, das beabsichtigt war, und was zu beabsichtigt sein wiederum beteuert wird, liest sich gut. Das ginge einem ja ein. Dazu könnte man ja sagen. Dazu hat man ja auch schon öfter ja gesagt. Nur fällt einem dann auf, dass da eine Menge ausgespart wurde. Das ganz konkrete Ängste und Sorgen, und dringende Fragen - die vor einem halben Jahr noch die Gemeinde bewegt hatten, oder die Stadt, oder vielleicht sogar das ganze Land -, dass diese auf einmal nicht mehr da sind. Nicht mehr da zu sein scheinen.
Dann erinnern sich plötzlich die Leute, dass in dieser Partei die Mitarbeit der BürgerInnen einmal selbstverständlich und auch erwünscht war. Sie erinnern sich wie alles anfing - dass man ihnen gesagt hatte, sie müssten dazukommen und dabei sein, um von innen her mitbestimmen zu können, wohin die Reise gehen sollte.Dann erinnern sie sich, wie die Macht mächtig macht, und fett. Wie ihnen einmal, als sie sogar ihren eigenen FreundInnen zu unruhig und nachdenklich vorgekommen waren, ein Stück Kuchen angeboten worden war – Machtkuchen."
Der Glocalist wird noch weitere Kommemtare veröffentlichen, immer hier im Überblick aufgelistet....
Das "Reformprojekt" wurde einst mit absurden Statutenänderungsanträgen veräppelt - aber nun sind die Grünen zur Parodie ihrer selbst geworden..
Hilfreich besseren Verständnis meines Textes: Übernahmeszenarien in Politik und Wirtschaft
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