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Unterwegs mit Bures und Dohnal in Niederösterreich  

Wie laufen eigentlich "Bundesländertermine" einer Ministerin ab? Am 6. September 2007 gab es Gelegenheit, Frauenministerin Doris Bures in die Gemeinde Nappersdorf-Kammersdorf nördlich von Wien zu begleiten. Auf den ersten Blick mag der Besuch in einem Kindergarten und einem Hort zumindest aus städtischer Sicht nicht aufregend klingen. Tatsächlich waren dann aber alle schwer beeindruckt, welch ein wunderschöner großer, liebevoll ausgestatteter Kindergarten in der sechs Gemeinden umfassenden Marktgemeinde mit insgesamt 1334 EinwohnerInnen geschaffen wurde.

Auch eine Besonderheit ist die Tatsache, dass seit einigen Jahren ein Sozialdemokrat Bürgermeister ist, Werner Gössl, der sich unermüdlich für optimale Kinderbetreuung einsetzte. Er erklärte, dass er Vorgaben falsch finde, den Betreuungsbedarf von konkreter Nachfrage abhängig zu machen. Ein Angebot muss einfach vorhanden sein, damit Frauen ein eigenes Einkommen haben können. Dabei hat man am Land oft mit Männerlöhnen von 1100 Euro zu tun, während die Frauen meist in Teilzeit an die 500 Euro verdienen. Derlei Summen sind aber viel für die Familien, meint Gössl, der bewusst soziale Unterschiede im Zugang zur Kinderbetreuung nivellieren will.



Nachmittagsbetreuung kostet die Eltern 15 Euro im Monat, das Mittagessen im Kindergarten 2,20 Euro pro Tag. Gerade auf dem Land ist die Armut noch weniger sichtbar als vielfach in der Stadt, erzählt Gössl, der nicht möchte, dass Kontakte der Kinder nur über die Vorauslese der Eltern gehen. Wenn man den Kindergarten mit seinen großen Räumen sieht, zu dem auch ein schöner Garten gehört, den wir beim starken Regen nur von innen her sahen, kann niemandem die Entscheidung schwerfallen, ein Kind hierher zu geben. Sechs Personen werden flexibel zwischen 6 und 19 Uhr  in der Betreuung eingesetzt, die bei Bedarf auch integrativ, d.h. unter spezieller Förderung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen stattfindet. Die Kinder werden frühmorgens nach Wunsch kostenlos per Bus abgeholt und zu Mittag oder am Nachmittag zu den Eltern zurückgebracht.

Der Kindergarten gehört zu einem Mehrzweckhaus, das auch einen Nahversorger beherbergt, ein Café und ein Jugendzentrum, um das sich die Jugendlichen der Gegend selbst kümmern. Innovation ist auch bei der Energieversorgung angesagt:  es gibt in den Gemeinden vor allem landwirtschaftliche Flächen, aber kaum Wald, und man muss aufgrund von EU-Verordnungen 15% der Äcker brach liegen lassen. Auf diesen wird nun "Energiekorn" angebaut, Getreide, das für Fernwärmeerzeugung verwendet wird. Damit werden die Bauten der Gemeinde geheizt und auch Gemeindewohnungen. Der Weg zur Genehmigung der ungewöhnlichen Energieversorgung war nicht leicht, da manche mit so viel Eigenständigkeit nichts anfangen können.


Die Schule ist hingegen ein Bau aus den 70er Jahren, der energieeffizient renoviert wurde und nun auch die Möglichkeit bietet, aus Klassenzimmern in den Garten zu gehen und dort den Unterricht fortzusetzen. Zur Schule gehört auch Hortbetreuung bis 19 Uhr, aus der gleichen Überlegung wie ein flexibles Kindergartenangebot herauf. Auch beim Hort wurde Bürgermeister Gössl zuerst gesagt, dass man sowas nicht brauche, dass kein Bedarf bestehe. Die Kritiker waren aber verstummt, als binnen weniger Wochen 20 Kinder angemeldet wurden.  Durch das Engagement von Nappersdorf-Kammersdorf haben andere Gemeinden keine Ausreden mehr, wenn Eltern auf Kindergärten und Horte drängen.

Der Besuch von Frauenministerin Bures vergrößerte auch das ohnehin beeindruckende Angebot in Kindergarten und Hort, da sie in beiden einen Stapel Spiele und Bücher als Geschenke daliess. Der "Tross" besuchte dann noch eine Winzerin, die über die Geheimnisse der Weinkeller informierte, in denen die Temperatur konstant und feinstaubfrei ist. Aufgrund des Klimawandels wird jedoch inzwischen zu anderen Zeiten geerntet und man muss Edelstahlbehälter anschaffen, die immerhin haltbarer sind als die traditionellen Holzfässer. Bures informierte bei edlem Tropfen und einer Heurigenjause gemeinsam mit der in der Gegend lebenden Ex-Frauenministerin Johanna Dohnal über wichtige frauenpolitische Fragen.


Dabei zeigte sich, dass viele die Generalkompetenz einer Kanzleramtsministerin nicht so ganz verstanden haben, obwohl sie sich aus der Querschnittsmaterie "Frauenfragen" ergibt. "Wo Massnahmen massive Auswirkungen auf Frauen haben, meldet sie sich zu Wort. So haben wir es immer gewollt", betont Dohnal. Kindergeld ist schon deswegen auch "Frauenthema", weil 97% der BezieherInnen nun mal Frauen sind, meint Bures. Und dass es massive Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit von Frauen hat, wussten die SozialdemokratInnen bereits bei der Einführung durch die schwarzblaue Regierung. "Wir hätte da nicht lockerlassen dürfen", meint Dohnal rückblickend, da dieses Thema vielfach von anderen Kritikpunkten an Schwarzblau verdrängt wurde, an denen ja kein Mangel bestand.

Bures möchte die "Kindergartenmilliarde" wieder einführen, in der Euro-Variante sozusagen: die nächsten drei Jahre jedes Jahr 20 zusätzliche Millionen für Kinderbetreuung. Vor allem sollen mehr Angebote für unter 3jährige geschaffen werden - denn dass die jüngsten Kinder in einer ländlichen Einrichtung zweieinhalb sind, wie wir gerade in Kammersdorf sahen, ist keine Selbstverständlichkeit (ebenso wenig Öffnungszeiten, die den Bedürfnissen berufstätiger Eltern entgegenkommen). Beim Kindergeld sollen Eltern wählen können, ob sie es länger oder kürzer (bei mehr Geld) beziehen möchten. Bei 800 Euro im Monat ist es, meint Bures, durchaus auch für Väter attraktiver als bisher.

Dohnal erinnerte sich an die krassen Ansagen, mit denen sie einst konfrontiert war, etwa als es darum ging, Vergewaltigung in der Ehe strafbar zu machen. "Sollen wir einen Polizisten neben jedes Ehebett stellen" und dergleichen musste sie sich da anhören. Vieles hat sich geändert, ist ihre Bilanz, vieles, womit sich Frauenpolitik heute befassen muss, war aber vor 20 Jahren noch nicht präsent. Und wenn Dohnal daran denkt, wie viele Frauen nach einer Trennung mit mehreren prekären Jobs jonglieren müssen, um zu überleben, dann erinnert sie das fast an längst vergangene Zeiten, als die Sozialdemokratie ArbeiterInnenrechte erkämpfte....

Alexandra Bader

Bilder: Johannes Zinner

INFOS:
frauen.bka.gv.at
nappersdorf.at



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