2. Das Grundeinkommen fördert neue Arbeit:
Arbeitszeiten können frei gestaltet werden, es gibt keine Geringfügigkeitsgrenzen mehr. sodass kleinere Jobs nun an einstige BezieherInnen von Unterstützung vergeben werden können. Tätigkeiten, die Engagement fordern, wie Elternarbeit, Ehrenamt, Pflege, künstlerisches Schaffen werden neu bewertet.
3. Das Grundeinkommen macht nicht passiv, sondern aktiv:
viele Menschen leben unter ihren Möglichkeiten, wenden ihre Kreativität allenfalls dabei an, mit unsicheren Existenzbedingungen zu jonglieren. Für mehr reicht ihre Kraft nicht, und oft genug gehen diese Balanceakte schief. Eine Gesellschaft, die Menschen demütigt, weil sie keinen der weniger werdenden Arbeitsplätze im Produktionsbereich ergattern oder ihn wieder verlieren, macht sie zu Bittstellern, die nach fremden Regeln leben müssen. Dies macht Angst, lähmt und verhindert eigenständiges Handeln. Mit Grundeinkommen wird die Würde der Menschen gewahrt und ihre Grundversorgung gesichert, sodass sie den Kopf frei haben, ihr Leben zu gestalten.
4. Das Grundeinkommen ist frauenfreundlich:
Wir werden ewig warten müssen, bis wir im bestehenden (überholten) System gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten. Die Arbeitsmarktdaten zeigen zudem, dass Frauen weit mehr als Männer Teilzeitjobs annehmen müssen, geringfügig oder atypisch beschäftigt sind. Nach wie vor sind es vor allem Frauen, die Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder sich ehrenamtlich engagieren. Diese Arbeiten, bei denen keine messbare Produktivität erzielt wird, sondern Hinwendung zu anderen im Mittelpunkt steht, sind im Grunde moderne Arbeitsformen nach Agrarwirtschaft und industrieller Revolution. Das Grundeinkommen ermöglicht väterliche Familienarbeit und die Übernahme von Pflege durch Männer. Frauen (und Männer) können dann entscheiden, ob sie mit dem Grundeinkommen das Auslangen finden und in welchem Ausmaß sie dazuarbeiten wollen. Für Frauen, die derzeit am Arbeitsplatz großen Druck ausgesetzt sind, bedeutet das Grundeinkommen die Freiheit, sich einen anderen Job suchen zu können, was die Arbeitsplatzqualität in manchen Brancen verbessert.
5. Das Grundeinkommen ist eines modernen Staates würdig und die richtige Antwort auf Arbeitsplatzverluste in der EU:
Soziales Konfliktpotential wird reduziert, erwirtschafteter Wohlstand wird umverteilt, Beiträge aller Menschen zur Verantwortung für die Gemeinschaft können eingefordert werden, indem an Engagement im Gegenzug appelliert wird. Es gibt immer, bei jedem System sozialer Sicherung, Menschen, die nicht arbeiten wollen. Stets ist es weit teurer, diese Personen ausfindig zu machen und zu sanktionieren, als sie gleich wie andere, motivierte Menschen zu behandeln. Ein moderner, wohlhabender Staat kann dafür sorgen, dass alle Menschen genug zum Leben haben.
6. Das Grundeinkommen ist persönliche Freiheit:
Viele Menschen müssen viel Lebenszeit damit verbringen, sich mit mehreren Jobs zugleich über Wasser zu halten, sich vergeblich zu bewerben und umschulen zu lassen (aus Angst vor Streichung von Arbeitslosengeld oder Notstand), schlaflose Nächte über der eigenen Finanzlage zu grübeln. Frauen verlieren gegenüber Männern durch die Einkommensdiskriminierung bei Vollzeitarbeit alle 15 Jahre ein Fertigteilhaus. (So eine Berechnung der Arbeiterkammer Oberöstereich.) Das Grundeinkommen rettet vor Armut und hilft jenen, die bereits in der "Armutsfalle" gefangen sind. Das Grundeinkommen gibt vielen Menschen zum ersten Mal in ihrem Leben die Freiheit, Konsumverzicht üben zu können, weil sie sich mehr leisten können. In diesem Sinne hilft es bei der Annahme teurerer, fair erzeugter Produkte.
7. Das Grundeinkommen ist leistbar:
Soziale Systeme und Besteuerungen wurden von Menschen geschaffen und können von Menschen verändert werden. Es ist eine Frage der Prioritäten - wollen wir uns leisten, dass einzelne superreich werden und mehr als 6 Milliarden Euro vererben können wie Friedrich Karl Flick (und damit ganz allein ein Grundeinkommen jenseits der kolportierten 800 Euro finanzieren könnten), während Hunderttausende an der Armutsgrenze leben? Sollen z.B. Bankdirektoren im Jahr den Gegenwert von 24 Eigentumswohnungen verdienen, während viele Menschen für eine Wohnung ihr Leben lang Kredite abstottern? Wollen wir uns Milliardenpleiten wie jene der Bawag leisten und dazu staatliche Ausfallshaftungen übernehmen? Wollen wir milliardenteure Abfangjäger ankaufen? Wollen wir "wegen der Arbeitsplätze" Betriebe subventionieren, die allerhöchstens ihre Produktion etwas später nach Fernost verlagern?
8. Das Grundeinkommen ist eine Frage der Einstellung:
Wollen wir, dass Menschen mit der Angst leben, nicht über die Runden zu kommen oder sich dafür fürchten, einmal in diese Lage zu geraten? Oder wollen wir aus der Tatsache, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, auch jeder/m eine Grundversorgung gewähren? Wollen wir Angst verschärfen, um zum Arbeiten zu zwingen, wissend, dass es zuwenig Jobs gibt und dass viele Menschen allenfalls mit viel Glück weit unter ihrer Qualifikation arbeiten können, wissend auch, dass viele Menschen keine gefragten Qualifikationen erwerben konnten und ihre Chancen durch beschäftigungstherapeutische AMS-Kurse auch nicht verbessert werden?
Oder wollen wir, dass sich diese Menschen frei fühlen, sich selbst zu orientieren und aus ihren Interessen heraus Ideen entwickeln? Wollen wir mittels aufwändiger Bürokratie und sozialer Projekte Almosen verteilen, für die wir im Gegenzug Zeit für Warten, Anreise zu Ämter, Ausfüllen von Fragebögen verlangen, oder gestehen wir Menschen zu, selbst über ihre Zeit zu verfügen? Welches Menschenbild haben wir: sind andere Schmarotzer oder potentielle Schmarotzer und Ausbeuter, oder Individuen, die in einer Gemeinschaft leben und mit Veränderungen zurechtkommen wollen?