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Die Schock-Strategie von Naomi Klein, vorgestellt von Reimar Holzinger  

"Das Unerträgliche wird beschrieben" nennt Reimar Holzinger die "schwierige Besprechung eines sensationellen  Buches", womit er "Die Schock-Strategie" voin Naomi Klein meint:
 
Das neue Buch "Die Schock-Strategie" von Naomi  KLEIN (ihre bekannteste frühere Publikation : "NO LOGO") ist ein 730  Textseiten dicker Wälzer, zwar durchaus in bester journalistischer Manier  äuserst flüssig und verständlich geschrieben, aber schon durch diesen Umfang  erfordert seine Lektüre viel Zeit.
 
Das behandelte Thema und der  dafür notwendige Aufwand an Recherchen und  Doku-mentationen aber  machen diesen Umfang wohl unvermeidlich. Denn das Buch versucht nicht  Weniger, als eine Beschreibung und Analyse der Systematik jener weltweiten  wirtschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte zu geben, die  gemeinhin mit dem Begriffen “Neoliberalismus“ und „Globalisierung“ verbunden  werden. Es stützt sich auf jahrelange, minutiöse Quellenstudien und geht auf  die einzelnen Vorgänge in den verschiedenen Ländern in ausführlicher  Weise  ein.
 
Das  Unerträgliche holt uns ein

In den letzten beiden Jahrzehnten  mußten wir eine wachsende, offenkundig geplante Erosion jenes politischen  und wirtschaftlichen Systems erkennen, das den Aufstieg Österreichs und ganz  Europas aus der Katastrophe des zweiten Weltkrieges ermöglicht hatte.  Während durch technologische Fortschritte gewaltigen Umfanges neue  Produktivkräfte und Kommunikationssysteme entstanden, stagnierte die  daraus eigentlich zu erwartende Entwicklung verbesserter sozialer  Bedingungen für die große Masse der Bevölkerung. Wir haben versucht, diese  oft chaotische Formen annehmenden Vorgänge zu analysieren und ihre Ursachen  festzustellen und kamen zu dem Schluß, daß sie auf die Durchsetzung einer  ganz bestimmten Wirtschaftsideologie zurückzuführen waren.

Einer Ideologie  der von jedem staatlichen oder politischen Einfluß befreiten  kapitalis-tischen, ausschließlich profitbetimmten “Marktwirtschaft“, die von  in Universitäten und „Think-tanks“ organisierten Gruppen professoraler  Wirtschaftswissenschafter (als deren bedeutendste Vertreter sich Friedrich  von Hayek und Milton Friedmans erwiesen) ausgearbeitet und vertreten wurden.  Sie ist als „Neoliberalismus“ oder „Washington-Konsensus“ mit großem  finanziellem und publizistischem Aufwand zum doktrinären „Mainstream“ der  weltweiten wirtschaftpolitischem Aktivität aufgebaut worden. In der Studie  “Versuch einer Erklärung des Unerträglichen“ konnten wir die Ergebnisse  unserer Überlegungen zusammenfassen.
 
Und nun das Buch : schon  beim Durchlesen des Einführungskapitels kam das merkwürdige Gefühl auf, die  meisten Thesen und Einschätzungen zur historischen und politischen  Entwicklung des Friedman'schen Neoliberalismus schon irgendwo gelesen zu  haben – und zwar in unserer eigenen Studie. Wir bescheidenen  Amateursoziologen waren zu ähnlichen Ergebnissen gekommen wie Naomi Klein  mit ihrer unvergleichlich größeren Forschungskapazität ! Nur etwas war dann anders und zeigte einen viel bedrohlicheren, ja sogar erschreckenden  Aspekt der Entwicklungen der letzten Jahrzehnte auf: die angewendete  Systematik der politischen Durchsetzung der neoliberalen  Wirtschaftstheorien. Daß dabei aus psychiatrischen Experimenten  abgeleitete Methoden eine wesentliche Rolle gespielt hatten, schien uns  bisher unvorstellbar. 

Pervertierte Psychiatrie und die Lehre von der reinen Marktwirtschaft

Aber wo  gibt es einen Zusammenhang von Psychiatrie mit Wirtschaftswissenschaft und  Wirtschaftspolitik ? Klein berichtet in einem ersten Kapitel des Buches über  die nach 1950 entwickelten Theorien und Experimente des Professors Dr.Ewen Cameron der kanadischen McGill-Universität. Dieser erwartete, geistige  Störungen seiner Patienten dadurch heilen zu können, daß er zuerst durch  brutalste längerfristige Aktionen, wie totale Isolation,  bewußtseinsverändernde Medikamente in  Überdosis und systematische  Anwendung von Elektrofolter die erkrankte Persönlichkeitssstruktur seiner  unglückli-chen Patiente auf jene von Kleinkindern reduzieren und auf diesem  „weißen Blatt“ eine neue, gesunde Geistesstruktur aufbauen würde. Zwar  funktionierte der erste Teil seiner „Therapie“, der zweite jedoch nicht !  Klein formuliert : „Menschen konnte er damit wohl zerstören, aber er  konnte sie nicht neu zusammensetzen“. Zurück blieben menschliche Wracks,  die erst mit unendlicher Mühe lernen mußten, wieder ein normales Leben zu  führen. Die CIA, die damals gerade auf der Suche nach effizienteren  Verhörmethoden war, hatte ab 1957 Camerons Arbeiten vertraglich und  finanziell unterstützt und die Ergebnisse viele seiner Experimente in ihr  „KUBACK“-Verhörhand-buch aufgenommen, die Universität aber verbot  schließlich deren weitere Anwendung.
 
Zeitgleich mit Dr.Cameron  entwickelte Milton Friedman an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät  der Universität Chicago sein Lehrgebäude eines vön allen Beschränkungen und  Störungen gereinigten idealen Kapitalismus. Klein beschreibt diese Prinzipien so: "die wirtschaftlichen Kräfte des Angebots, der Nachfrage,  der Inflation und der Arbeitslosigkeit sind wie Naturkräfte, unveränderliche  Konstanten... Der wirklich freien Markt ist ein perfektes wissenschaftliches  System, in dem Individuen den größtmöglichen Gewinn für alle schaffen, indem  sie nach ihren von Eigeninteressen bestimmten Bedürfnissen handeln. ... 

Nicht der Marxismus war der Erzfeind, es waren dies die Anhänger von John  Maynard Keynes, die europäischen Sozialdemokraten und die  Entwicklungspraktiker (Developmentalisten) in der „Dritten Welt“, die  glaubten, mit einer gemischten Ökonomie die extremsten Auswüchse des  Kapitalismus einzubremsen und Weltwirtschaftskrisen wie jene von 1929  verhindern zu können", welche die Professoren von Chicago und ihre  großkapitalistischen Unterstützer bekämpften. Für diesen mit allen Mitteln  medialer Beeinflussung geführten Kampf haben sie Thesen entwickelt und  publiziert, die oft in ihrer Absurdität geradezu grotesk sind. So erklärte  Friedman nach der Hurrikan-Katastrophe von New Orleans, das Bestreben von  Eltern zum Weiterbestehen öffentlicher Schulen sei „eine  irrationale Bindung an ein sozialistisches System“. Auf Österreich  angewendet: mit den öffentlichen Schulen nach dem Reichsvolksschulgesetz von  1868 haben also Kaiser Franz Josef und seine Regierung ein „sozialistisches  System“ geschaffen und Bestrebungen zu seiner Beibehaltung sind „irrational“  !

Ob Friedman jemals direkten Kontakt mit Dr.Cameron  hatte oder ob er dessen Perversion der Psychiatrie, dessen Schockmethoden  des Zerbrechens der Persönlichkeit bewußt in seine  wirtschaftswissenschaflichen Überlegungen einfließen ließ, kann nicht  nachge-wiesen werden. Es gibt nur eine durch die Ereignisse der Folgezeit  bestätigte, unheimliche Parallelität zwischen den Methoden zur Durchsetzung  der jeweiligen Ideologien.

Schockdoktrin  läßt das politisch Unmögliche unvermeidlich werden  
 
Friedman erkannte, daß wirtschaftliche und politische  Schockereignisse das geeignetste Mittel zur Durchsetzung seiner  Theorien sein würden – die von der Mehrheit der akademischen Ökonomen  abgelehnt wurden und auch politisch keine Aussicht auf Ver-wirklichung  hatten.  Klein zitiert einen seiner einflußreichsten Texte, „das  strategische Kerndogma seiner Bewegung : Die Schockdoktrin. Er  stellt fest: "Nur eine Krise – eine  tatsächliche oder empfundene führt zu echtem Wandel. Wenn es zu einer  solchen Krise kommt, hängt das weitere Vorgehen von den Ideen ab, die im  Umlauf sind. Dies ist unsere Hauptfunktion: Alternativen zur bestehenden  Politik zu entwickeln, sie am Leben und verfügbar zu halten, bis das  politisch Unmögliche unvermeidlich wird“.

Wenn eine Zerstörung der Persönlichkeit bei  Einzelmenschen möglich war, mußte dies auch bei Staaten funktionieren   - deren historisch gewachsene Struktur konnte ebenso ausgelöscht  werden, um eine andere Gesellschaftsordnung einzurichten. Dazu bedurfte es  aber des von Friedman eingeforderten, von Aussen oder Innen kommenden  krisenhaften Schocks, um jeden Widerstand einer dadurch desorientierten  Gesellschaft gegen die Durchsetzung der neoliberalen Prinzipien kurzfristig  zu lähmen. Dann aber mußte es schnell gehen. Wieder Friedman : Wenn die  Krise erst einmal da ist, kommt es vor allem darauf an, der  krisenngeschüttelten Gesellschaft rasche und unumkehrbare Veränderungen  aufzuzwingen; eine neue Regierung hat dazu ungefähr sechs bis neun Monate  Zeit. Dies nannte er „wirtschaftliche Schockbehandlung“.

Es war  der perfekte „intelligente Entwurf“ für die kommende marktbolschewikische  Konterrevolution, die ein Jahrhundert gesellschaftlichen Fortschritts, ein  Jahrhundert humanistischer Verbesserung der Lebensbedingungen von Millionen  arbeitenden Menschen beseitigen sollte – einer Konterrevolution, deren  Auswirkungen auch wir in Europa zu spüren bekommen und die noch immer  weitergeht.
 
Für Friedman und seine überall in Südamerika  eingeschleusten, bald als „Chicago-Boys“ bekannten und verhaßten Schüler,  aber waren Staaten und Gesellschaften, die der von ihnen als naturgemäß und  daher vernünftig und “normal“ angesehenen, in jeder Richtung völlig  unbeschränkten Marktwirtschaft mit den einzigen Ziel der Profitmaximierung  nicht entsprachen, von einer „ökonomischen Geisteskrankheit“ befallen. Von  dieser Krankheit konnten sie nur durch eine Therapie nach den Methoden des  Dr. Cameron geheilt werden.  
Chile:  das Pilotprojekt
 
Die Ereignisse im Jahre  1972 bei General Pinochets Militärputsch in Chile gegen    Präsident Allende sind heute schon hinlänglich bekannt; was  nicht bekannt ist, sind jedoch die Vorgänge unmittelbar vor und nach diesem  „einseitigen Krieg“ gegen das eigene Volk. Von US-Firmen, deren  Verstaatlichung - bei voller Entschädigung – geplant war, wurde schon im  Zusammenspiel mit der Regierung Nixon versucht, die gewählte chilenische  Regierung zu destabilisieren, aber als eine weitere Wahl einen Erfolg für  Allende brachte, entschied man sich zur Gewalt. Vorher aber hatte schon, wie  später im US-Senat festgestellt wurde, unter Zustimmung der Militärs ein  Team von fast durchwegs in Chicago ausgebildeten Politökonomen zusammen mit  Mitarbeitern des CIA ein umfasssendes, fünfhundertseitiges detailliertes  Wirtschaftsprogramm ausgearbeitet, das nach Pinochets Machtübernahme sofort  in Gesetzesform realisiert wurde.

Klein bringt es auf den Punkt: Der  Schock des Putsches bereitete der wirtschaftlichen Schocktherapie den Boden, der Schock der Folterkammern terrorisierte alle, die daran dachten, sich dem  ersten Sieg der globalen Gegenrevolution in den Weg zu stellen. Das  „Pilotprojekt Chile“ funktionierte genau nach Plan und wurde sogleich in den  Nachbarländern Argentinien und Uruguay mit Erfolg nachgespielt. In Brasilien und Bolivien konnten Hyperinflationen (Bolivien 14000 % !) die Funktion des  Initial-schocks übernehmen, die  darauf folgenden Aktionen führten zu  ähnlichen Vorgängen und Ergebnissen.

Der organisierte Zusammenbruch eines  Weltsystems
 
Die Sowjetunion und ihr  Weltsystem aber waren von einer anderen Größenordnung, als die dazu  vergleichsweise kleinen und schwachen Staaten und Gesellschaften  Südame-ikas. Hier kam der Schock aus dem Inneren des Systems und die  Sowjet-„Chicago-Boys“, kommunistische Wirtschafts-Apparatschiks aus der  hinteren Garnitur, hatten sich Friedmans Lehren im Selbststudium  beigebracht. Klein gibt eine gute Beschreibung der Ausgangslage: Bis zum  Beginn der neunziger Janhre hatte Gorbatschow mit seiner Politik von  „Glasnost“ (Öffentlichkeit) und „Perestrojka (Umgestaltung) in der  Sowjetunion einen bemerkenswerten Demokratisierungsprozess eingeleitet.   Was die Wirtschaft anging, so strebte er eine Mischung aus Markt und  starkem sozialem Sicherheitsnetz an, wobei die Schlüsselindustrien unter  staatlicher Kontrolle bleiben sollten – der Umbau würde zehn bis fünfzehn  Jahre dauern. Als Endziel schwebte ihm eine Sozialdemokratie nach  skandinavischen Beispiel vor, ein  „soziallistisches Leuchtfeuer für  die gesamte Menschheit“.

Das  konnte nicht zugelassen werden.  Als Gorbatschow 1991 auf dem G7-Gipfel  um Unterstütztung für dieses Vorhaben bat, machte man ihm deutlich : Hilfe  aus dem Westen für einen Weg aus der durch die Kosten der Über-Rüstung und  die Systemfehler der stalinistischen “Kommando-Wirtschaft“ entstandenen  Notlage könnte er nur erhalten, wenn er sofort eine radikale wirtschafliche  Schockpolitik zur Einführung der „freien Marktwirtschaft“ durchführen würde.  Von IWF, Weltbank und allen anderen  Finanz-instituten kam der gleiche  Befehl und - alle Schulden müßten bedient werden. Die anschließende  Beschreibung der Ereignisse der folgenden Zeit in Russland sind eine  derartige Horror-Geschichte, daß sie unglaubwürdig erscheinen würde, hätten wir sie nicht miterlebt.

Die Kommunistische Partei der SU mit  ihren Millionen itgliedern, mit ihrem allgegenwärtigen Apparat und mit ihrer verfassungsmäßigen Funktion der „führenden Kraft des Staates“ war zu einem  „sibirischen Papiertiger“ verkommen und spielte bei den dramatischen  Ereignissen eine so geringe Rolle, daß sie für Klein kaum erwähnenswert  erscheint. Mit Boris Jelzin aber fand sich ein Pinochet, der das gewählte, widerstrebende Parlament zusammenschießen liess. Die industriellen  Eeichtü-mer des Landes wurden zu Schnäppchenpreisen an eine weitere Garnitur  drittklassiger Apparatschiks verschleudert, die dabei zu milliardenschweren  „Oligarchen“ mutierten und in manchen Monaten bis zu 2 Milliarden Dollar ins  westliche Ausland verbringen konnten.

Vladimir Putin, Jelzins Nachfolger, muß sich jetzt mit diktatorischen Mitteln bemühen, diese „Oligarchen“ von  der politschen Machtübernahme fernzuhalten und den Ausverkauf der von ihnen  gestohlenen Werte an das US-amerikanische und internationale Finanzkapital  zu verhindern. Daß Millionen Russen alles Ersparte verloren haben, daß  binnen 8 Jahren „Reform“ 72 Millionen Menschen unter die Armuts-grenze  gerieten, daß Rußland heute praktische vom Verkauf seiner Rohstoffe lebt –  all das zählt doch nichts gegen die errungene „Freiheit“ Friedman’scher  Prägung ! Es war das ultimative, ungeheuerlichste Verbrechen der  nachstalinistischen Nomenklatura : sie hat ein weltweites Wirtschaftssystem, das dem schrankenlosen Kapitalismus hätte wirksamen Widerstand leisten  können, skrupellos zu ihrer eigenen Bereicherung von innen heraus zerstört.  

Die betrogenen Freiheitskämpfer
 
In Polen versuchte die  kommunistische Regierung, die gefährlich annwachsende Überal-terung des  Maschinenparks der Schwerindustrie durch kreditfinanzierte Importe aus Westeuropa zu beseitigen, Preissteigerungen aber  lösten die Entstehung einer vom Parteiapparat unabhängigen Gewerkschaft  „Solidarność“ aus, die bald mit 10 Miliionen Mitgliedern zu einem parallelen  Machtzentrum wurde. In ihrem auf dem ersten landesweiten Kongress  beschlossenem Programm forderte sie Selbstbestimmung und demokratische  Reformen auf jeder Verwaltungsebene und ein  neues sozioökonoimisches  System, das den Plan, die Selbstverwaltung und den Markt miteinander  kombiniert. Die Großbetriebe im Staatsbesitz sollten zu  demokratischen Kooperativen in den Händen  der Arbeiter werden und die  so sozialisierten Unternehmen die organisitorische Grundlage der Wirtschaft  sein.  

Das war zuviel für die nachstalinistische  Parteiführung in Moskau, in ihrer Panik erzwang sie im Dezember 1981 die  Verhängung des Kriegsrechts durch die polnische Regierung und die  Verhaftung von tausenden Gewerkschaftsführern. Erst 1988 kam es
wieder zu  großen Streiks, die Wirtschaft stand mit einer galoppierenden Inflation vor dem Zusammenbruch – aber in Moskau war  inzwischen Gorbatschow an der Macht. So wurden 1989 freie Wahlen unter  Beteiligung der „Solidarność“ zugelassen, die ihr einen  überwältigenden Sieg  und die Regierungsübernahme brachten. Damit bekam  sie aber die Verantwortung für 40 Milliarden Dollar Schulden, eine Inflation  von 600 % samt Schwarzmarkt und Nahrungsmittelmangel. Vor einer nur  schrittweise mögliche Umsetztung ihres Programmes war ein  Schuldenerlaß und finanzielle Hilfe nötig, um aus der unmittelbaren Krise zu  entkomment, doch niemand bot Hilfe an. IWF und das US-Finanzministerium in  der Hand der Chicago-Ökonomen sahen Polens Probleme nur durch die Brille der  Schock-Doktrin – wie Klein die Situation treffend  beschreibt.

Die desorientierten und wirtschaftspolitisch  offenkundig naiven Solidarność-Führer holten sich einen „Retter“ in der  Person des Harvard-Absolventen Jeffrey Sachs, der sich einen Ruf als  Bändiger der bolivianischen Hyper-Inflation erworben hatte. Der versprach Hilfskredite in Höhe von 3 Milliarden Dollar, aber nur unter der Bedingung  einer „Schocktherapie“: In einer Nacht schrieb er einen 15-seitigen Plan, wie eine „sozialistische Planwirtschaft in eine „freie Marktwirtschaft“  umgebaut werden könnte: Aufhebung der Preiskontrollen, Streichung von  Subventionen, Verkauf der Industrie an die „Privatwirtschaft“ (was, da es  keinerlei kapitalkräftigen polnischen Unternehmen gab,  nur den Verkauf  an die westliche Finanzindustrie bedeuten würde), Gründung einer Börse und  eines Kapitalmarktes, eine konvertierbare Währung und Übergang von der  Schwerindustrie zur Verbrauchsgüterproduktion. Er versprach „wenn sein  Rat befolgt werden würde, könnte Polen bald von einem Aussenseiter zu einem  normalen euopäischen Land werden“.
 
Die  Solidarność-Führung, inzwischen bereits unterwandert von selbstgestrickten  „Chicago-Boys“, akzeptierte – und wurde dafür bei den nächsten Wahlen bei  nur mehr 5 % Stimmanteil aus dem Amt gejagt. Die „polnische Lösung“, bei  der, wie heute zugegeben wird, „die Ausnützung der Notsituation voll  beabsichtigt gewesen war“, wurde zum Vorbild für die „Reformen“ in den  anderen Staaten Osteuropas. Und heute: die Schiffswerft in Gdansk (Danzig),  wo alles begann, ist tot, die noch nicht zu Ruinen verkommenen  Industriebetriebe sind an westliche und nun auch schon indische  Kapitalsgruppen verkauft, Lech Walesa ist ein verbitterter Pensionist.  Hunderttau-sende Polinen und Polen, für die es in der Heimat keinen  Arbeitsplatz mehr gibt, müssen heute in Westeuropa, vielfach ohne soziale  Absicherung, als Lohndrücker oder „Scheinselbstständige“ ihr Leben fristen.  Polen wird heute von einem korrupten Klüngel klerikal-faschistoider  Chauvinisten regiert, die das Land zum Gespött Europas gemacht haben. Klein  berichtet von einem Solidarność-Aktivisten: „Ich hätte keine Stunde, von  achteinhalb Jahren ganz zu schweigen, für den Kapitalismus im Gefängnis  gesessen !“
 
Am anderen Ende der  Welt, in Südafrika: ein anderes Szenario, aber das gleiche Ergebnis. Die  politisch unerfahrene Führung der ANC konzentrierte sich bei den  Übergabeverhandlungen am Ende des Apartheitssystems völlig auf die Besetzung  der Staatsfunktionen und ließ sich eine Neuregelung des Wirtschaftssystems  als „nebensächliche, rein technische Probleme“ aus den Händen reißen. Sie glaubte, die zur reibungslosen Übernahme des Staates nowendigen  Kompromisse später wieder rückgängig machen zu konnen, sobald sie die  politische Macht ausüben würde. Aber es gab kein „Später“ mehr; sie hatten  zwar den Staat, aber die wirkliche Macht, die wirtschafliche Macht, blieb in  anderen Händen. Das Programm des ANC, die „Freiheits-Charta von Kliptown“:  „der nationale Reichtum des Landes, das Erbe aller Südafri-kaner, soll  dem Volke zurückgegeben werden, der Erzreichtum im Boden, die Banken und  Monopolindustrien sollen als Ganzes in den Besitz des Volkes übergehen“,  ist heute nur mehr das Thema heuchlerischer Sonntagreden einer neuen  schwarzen Nomenklatura, sonst hat sich auf dem entscheidenden Gebiet der  Wirtschaft kaum etwas verändert, fast alles blieb so, wie es vor der  versäumten Stunde der Freiheit gewesen war.

Tigerjagd  in Asien

In den auf ihre Unabhängigkeit folgenden 30  Jahren hatten die Länder Ostasiens eine beachtliche Leistung im Kampf gegen  das nachkoloniale Elend erbracht: höheres Wachstum als jede andere  Weltregion, eine beispiellose Armutsverminderung und wirtschaftliche  Stabilität. Sie waren erfolgreich, weil sie die Diktate des „Washington  Consensus“ und die Vorgaben der Chicagoer Ideologie der „freien  Marktwirtschaft“ nicht befolgt hatten:  durch hohe Sparquoten,  öffentliche Investitionen in Bildung, Infrastruktur und  Industrieentwicklung, durch strikte Kontrolle des Finanzmarktes. Sie waren  die Lieblinge der Globalisierungs-Herolde, die „kleinen Tiger“ aus  Ostasien – Korea, Indonesien, Malaysia, Taiwan, Thailand und die  Philippinen. Sie hatten niedrige Inflation, ihre Staatshaushalte waren  ausge-glichene oder sogar positiv. Doch  plötzlich zerbrachen sie in  einer Finanzkrise, für die keine rationale Ursache zu erkennen war: kein  Krieg, keine Naturkatastrophe, keine Revolution.

Die  Beschreibung der dramatischen Ereignissen von 1997 in diesen Ländern im Buch  von Klein kann man verkürzt etwa so wiedergeben:: Wenn die Anhänger des  freien Handels Anfang der neunziger Jahre auf eine überzeugende  Erfolgsgeschichte verweisen woll-ten, nannten sie stets die „asiatischen  Tigerstaaten“, deren Wunderökonomien angeblich deshalb ein sprunghaftes  Wachstum verzeichnen konnten, weil sie ihre Grenzen für eine  uneingeschränkte Globalisierung geöffnet hatten. Sie betrieben jedoch eine  hochgradig protektionistische Politik, die Ausländern den Erwerb von Grund  und Boden sowie die Übernahme einheimischer Firmen verwehrte. Zudem spielte  der Staat in der Wirtschaft weiterhin eine wichtige Rolle und einige  Sektoren, wie Energie und Verkehr blieben ganz in seiner Hand....

Unter dem  Druck von IWF und WTO ... erleichterten einige von ihnen den Zugang zum  Finanzsektor, erlaubten umfang-reiche Kreditinvestitionen sowie den Handel  mit Devisen. „Heißes Geld“ in Form kurzfristiger Kredite strömte in die  Länder und heizte eine Immobilienblase auf. Ein lanziertes Gerücht, „daß die Nationalbank nicht  über ausreichende Dollarreserven verfüge, um die eigene Währung zu stützen“,  löste in der „elektronische Herde“ der Währungsspekulanten eine panische  Fluchtbewegung aus - die gleichen Aktienhändler, die gestern noch den Kunden  empfohlen hatten, ihr Geld in offene Investmentfonds der „aufstrebenden  asiatischen Märkte“ anzulegen, flohen am nächsten Tag in Massen aus diesen  Fonds und spekulierten mit Millioneneinsätzen gegen die  Landeswährung.
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Als die Nationalbanken bei verzweifelten  Stützungskäufen ihre Dollar-Reserven aufge-braucht hatten, waren die Staaten  dann tätsächlich bankrott, die Gerüchte Wirklich-keit geworden und es kam  die Stunde des IWF. Hilfskredite ja, aber nur unter „Kondi-tionalitäten“,  welche die „Märkte“ dazu bewegen sollten, ihre Kredite zu erneuern : höhere  Zinsen – bis zu 50 %, die zum Zusammenbruch zahlloser Mittelstandsbetriebe  und der sie finanzierenden Banken führten -, Steuererhöhungen, Kürzungen der  Nahrungs-mittel-Subventionen, verfassungsmäßig abgesicherte ausgeglichene  Staatshaushalte, voll-tändige Liberalisiation des Kapitalmarktes,  Massen-Entlassungen in Banken, Verwaltung und Industrie; die Länder mußten  ihre wirtschaftpolitische Souveränität aufgeben. Doch diese Programme  scheiterten, Spekulation und Kapitalflucht gingen weiter, die ganze Region  stürzte in eine Rezession. Die Arbeitslosenrate vervierfachte sich in  Südkorea, verdreifachte sich in Thailand und verzehnfachte sich in  Indonesien, 24 Millionen Menschen verloren – ohne jede Absicherung –  innerhalb zweier Jahre ihre Arbeit. Die IWF-„Stabilisierungshilfe“ aber  verschwand als Zinsen und Rückzahlungen der vorher aufgedrängten Kredite in  den Bilanzen der europäischen und amerikanischer Großbanken. Sogar das ferne  Österreich bekam seinen Teil ab – für schon vereinbarte Lieferungen von  Eisenbahnweichen nach Indonesien gab es keinen Kredit mehr, für das Projekt  einer Stadt- und Überland-Strassenbahn auf Java war kein Geld mehr  vorhanden.

Jetzt aber konnte „abkassiert“ werden.  Es  dauerte nur 20 Monate, dann waren in Südostasien 186 größere Unternehmen an  das westliche Großkapital „übergegangen“, es war seit 50 Jahren der größte  weltweit in Friedenszeiten durchgeführte Vermögens-Transfer.  Finanzmaklerfirmen, Kapitalverwertungsgesellschaften, Banken,  Versicherun-gen, Industriebetrieben, Bergwerke und natürlich die Unternehmen  im öffenlichen Besitz, Energie und Verkehr, Versorgung und  Telekommunikation, wurden zu Billigprei-sen eingekauft, zerlegt, verkleinert  oder ganz aufgelöst, um Konkurrenz loszuwerden.

Das  „Tigermodell“ Ostasiens war zur Strecke gebracht, die Region ist heute  wieder ein integraler Bestandteil der „freien unbeschränkten  Marktwirtschaft“. Aber die  Einkommen liegen dort noch immer 20 % unter  dem Niveau, das sie ohne die Krise erreicht hätten. Klein kommt zum Schluß:  „Die einzige Lehre, die die Anhänger des Kreuzzuges für den freien Markt  aus dem unerhört lukrativen Ausverkauf in Asien zogen, war offenbar eine  Bestätigung der eigenen Doktrin, daß nichts so wirksam Neuland zu  erschließen vermag, wie eine wirkliche Katastrophe, ein echter  gesellschaftlicher Zusammenbruch.“

Ein  bisher von den völlig in Dienste der „neoliberalen Konterrevolution“  stehenden westlichen Medien verschwiegener oder konsequent als „Kampf für  Demokratie“ vernebel-ter wesentlicher Teilaspekt der Ereignisse am Pekinger  Tienanmen-Platz wird von Klein aufgedeckt: Die Proteste richteten sich nicht  nur gegen die Allmacht und die Korruption der sich „kommunistisch“ nennenden  Staatspartei, sondern auch gegen den von Deng Xiao Ping eingeleiteten  Übergang zur profitorientierten kapitalistischen „freien Marktwirtschaft“  und ihre gewerkschaftsfreien „Sonderzonen“. Es sind nicht nur idealistische  Studenten gewesen, die dort demonstriert hatten und unter den Ketten der  Panzer starben, es waren zu einem großen Teil auch Industriearbeiter, die  dann die Mehrzahl der landesweit Verhafteten und ohne jedes Verfahren  Erschossenen stellten. Es wurde die chinesische Variante der  „Schockstrategie“ exekutiert, die Friedman während zweier Besuche in China  der dortigen Staatsführung dargelegt und empfohlen  hatte.

USA : der Krieg wird privatisiert
 
Am 10. September 2001 hielt  Donald Rumsfeld, Verteidigungsminister der USA, vor dem versammelten Leitungspersonals seines Ministeriums eine erstaunliche Rede.  Er erklärte ihnen, die er als „Pentagon-Bürokratie“ bezeichnete und deren  Arbeitsweise er mit kommunistischen Praktiken verglich, den Krieg ! Ab  sofort müßten grundsätzlich alle Leistungen innerhalb der US-Wehrmacht,  die von privaten Unternehmen geleistet werden könnten und nicht  unmittelbar durch Kriegsaktionen bedingt waren – also alles
was bisher  unter den Begriff „Logistik“ fiel -, auch an solche Unternehmen übertragen  werden.

Dies sei Gesetz und alle Dienststellen hätten sofort dazu eine  Personalreduktion um 15 % einzuleiten. Die darauf zu erwartenden  Diskussionen und Empörungen aber gingen in der von den Ereignissen am  nächsten Tag, den islamistischen Terroranschlägen des „12/9“ ausgelösten  Flut des Entsetzens unter.  Diese Weiterentwicklung der Theorien  Friedmans, den Rumsfeld zeitlebens als seinen verehr-ten Lehrer ansah, wurde  in den Folgejahren umgesetzt und ließ eine über den beste-henden  „militär-industrielle Komplex“ weit hinausgehende neue Industrie entstehen,  die als erster Schritt zur totalen „Privatisierung“ der USA angesehen werden  muß. 

Es war ein qualitativer Sprung von bisher unerhörtem und  undenkbarem Ausmaß: nicht nur wie bisher die Entwicklung und Lieferung von  Rüstungsgütern, sondern die Kriegsfüh-rung selbst sollte den Gesetzen der  Kapitalsrentabilität unterworfen werden. Der Krieg in allen seinen Aspekten  ist seither nur mehr eine spezielle Form von Kapital-geschäft – also je mehr  Krieg, desto mehr Profit !  Krieg wurde zum militärischen Teil jenes  Systems, das Klein mit dem Begriff „Katastrophen-Kapitalismus“ bechreibt.  Unglaublich, aber wahr: das Führungspersonal der US Administration war und  ist mit dessen Hauptakteuren (Halliburton, Bechtel, Lockheed, Carlyle u.a.)  durch Aktienbesitz und Aufsichtsratsmandate eng verbunden.
 
Die  mit einer islamistischen Wahnsinnsideologie indoktrinierten Flugzeugattentäter des 11.September aber lieferten kostenfrei die neue  Katastrophe, mit der in bewährter Weise eine weitere profitträchtige  „Schocktherapie“ eingeleitet werden konnte: der „Krieg gegen den Terror“.  Parallel zum Angriff auf die verfassungsmäßigen Bürgerrechte („Patriot Act“)  bildete sich auch hier eine ganze Industrie von Beratungsfirmen,  Dienstleistern und elektronischen Schnüfflern, die Funktionen über-ernahmen,  die eigentlich Aufgaben der Sicherheitsorgane des Staates gewesen wären und dafür aus Steuermitteln üppig bezahlt  werden.
 
Das  vorgeplante Desaster an der Heimatfront

Es gibt eine Ursache für das Drama der brechenden  Dämme, die in der Sturmflut versinkenden Wohnviertel, die einstürzenden Brücken und  die überfluteten U-Bahnen: es ist die immer gleiche, nun auch in der  Europäische Union praktizierte Methode der systematischen Schädigung und des  schließlichen Ausverkaufs von Infrastruktur im öffentlichem Eigentum. Erst  muß der Staat, um Gewinnsteuern zwecks „Förderung der Wirtschaft“ niedrig zu  halten, „sparen“ und dadurch die Erhaltung vernachlässigen. Sind die daraus  entstandenen Mängel offenkundig geworden, wird festgestellt, der Staat könne  nicht wirtschaften und der Ruf nach Verkauf an die Privatwirtschaft erhoben.  Daß dort die zu erzielende Rendite wichtiger ist, als eine ordentliche  Erhaltung, trägt natürlich nicht zu einem besseren Infrastrukturzustand bei.  Tritt dann die voraussehbare Katastrophe ein, soll wieder – bis zum nächsten  Ausverkauf - der Staat die Erneuerung bezahlen, die natürlich der ja so  leistungsfähigen Privatwirtschaft übertragen wird.

Nach diesem Schema verlief auch die  Hurrikankatastrophs von New Orleans. Jahrzehnte-lang gab es kein oder  zuwendig Geld für Erhaltung, Verstärkung oder Erhöhung der Dämme, ein  Hochwasser mit schweren Schäden im Jahre 1950 führte nicht zu einem  nationalen Hochwasserschutzprogramm, wie 1953 in den Niederlanden zum  „Delta-Plan“. Dieser erforderte zwar einen gewaltigen Finanzaufwand des  Staates, brachte aber einen bis heute voll wirksamen Schutz gegen die Fluten  von Maas, Rhein und Nordsee. Klein gibt einige haarsträubende Beispiele für das  vorgeplante Versagen des Staates und die parasitäre Rolle der privilegierten  Privatfirmen:

 "So wurden 2004 von der  Regierung Louisianas bei der von Bush  eingesetzten „Federal Emergency Management Agency“ (FEMA) Mittel für die Erstellung eines  umfassenden Vorsorgeplans für den Fall eines verheerenden Wirbelsturms  beantragt – abgelehnt ! Kurz darauf aber gab die FEMA einem  Privatunternehmen einen gleichartigen Auftrag mit Kosten von 500.000 $, die  schließlich auf 1 Million $ anwuchsen – mit dem Ergebnis einer recht  ordentlichenen  Planung von Evakuierungs- und Hilfsmaßnahmen,  die allerdings nicht zur Ausführung kommen konnte, da 8 Monate nach  Ablieferung noch nichts zu ihrer Realisierung veranlaßt worden war, „da kein  Geld zur Umsetzung zur Verfügung stand“.

Als der Sturm tobte und das Wasser in die unter dem  Meeresspiegel liegenden Viertel hineinflutete, war FEMA nicht imstande, den „Superdome“  in New Orleans zu lokalisieren, in dem 23 000  Menschen seit Tagen ohne  Wasser und Verpflegung kampierten, obwohl Fernsehteams aus aller Welt von dort berichteten. Eine Unterfirma eines großen Bestattungskonzerns erhielt  den Auftrag, in den überschwemmten Straßen und Häusern die Toten  einzusammeln. Als nicht weiterging, Leichen tagelang in der Sonne verwesten,  boten einheimische Bestatter und Hilfsdienste ihre Unterstützung an – es  wurde ihnen als „Eindringen in den geschäftlichen Bereich“ der Großfirma  verboten!

Der Stadt New Orleans waren die Steuereinnahmen  duch das Hochwasser weggebrochen, doch die Regierung Bush erlaubte nicht, daß  Hilfsgelder zur Bezahlung von Gehältern im öffentlichen Dienst herangezogen würden.  3000 städtische Angestellte mußten entlassen werden, darunter Mitarbeiter  der Stadtplanung, während Millionen Steuerdollar an auswärtige  „Beratungsfirmen“ flossen. 4700 Lehrer wurden ebenfalls entlassen, die  beschädigten öffentlichen Schulen nicht repariert und die Eltern auf  Privatschulen verwiesen, für deren Kosten sie von der Regierung finanzierte  Gutschei-ne erhalten würden. Noch zwei Jahre nach dem Sturm stand die  Mehrzahl der im öffent-lichen Besitz befindlichen Wohngebäude leer, 5000  Wohneinheiten waren zum Abriß vorgesehen, um Appartmenthäusern und  Eigentumswohnungen Platz zu machen."

Der republikanische  Kongreßabgeordnete Richard Baker aber erklärte : „Endlich ist New Orleans  von den Sozialwohnungen gesäubert. Wir konnten das nicht tun, aber Gott hat  es getan“. In Europa ist uns nach Hitler eine solche tausendfaches  menschliches Leid verhöhnende Gesinnung einfach nicht mehr vorstellbar, aber  anscheinand entspricht sie der jetzt in den USA tonangebenden Mentalität.  New Orleans 2005 zeigt deutlich, daß die Weltmacht  USA heute, von innen her gesehen, zu einem von seiner Führung systematisch  ausgehöhlten „failed state“ (gescheiterten Staat) geworden ist, der nur mehr  dazu dient, wie ein gigantischer Bankomat Steuergelder als Profite zu einer  Bande gieriger und skrupelloser Nutznieser des Katastrophenkapitalismus  umzuschichten.

Irak: gescheiterter Wiederaufbau einer zerstörten Nation ?

In den Irak-Kapiteln des Buches beschreibt Klein,  wie die Schock-Strategie zur fast perfekt inszenierten Auslöschung eines  Staates führte, wie aber erstmals der „Wiederaufbau“ nach schon  jahrelangem Bemühen sichtlich nicht den erhofften Erfolg  brachte. Das erkärt am Besten eine  Zusammenfassung ihrer Darlegungen und Beweise. Ein strohdummer, großmäuliger Provinzgangster namens  Saddam Hussein (natürlich von unserem Politgenie Jürg Haider gebührend hofiert),  der sich und seinen Familienklan durch Mord und Terror an die Spitze des  irakischen Staates geputscht und zwei völlig sinnlose Kriege mit  hunderttausenden Toten angezettelt hatte, lieferte den  Vorwand für einen Krieg, der als Hebel zur  weiteren Anwendung der Friedman’schen Schockdok-trin samt Erweiterung nach  Rumsfeld dienen würde.

Einen Krieg, der einen anderen Charakter als alle  bisherigen gewaltsamen Ausein-andersetzungen zwischen Staaten bekommen  sollte; einen Krieg der nie erklärt und niemals durch einen ausgehandelten oder diktierten  Waffenstillstand (nur durch eine theatralische deklaration an Bord eises  Flugzeugträgers am anderen Ende der Welt) beendet wurde, über dessen  tatsächlichen Verlauf es anscheinend bis heute keine umfassenden militärhistorischen Darstellungen gibt –  im Gegensatz zu vorhergehenden Kuweit-Krieg.  Einen Krieg, dessen Ziel  es war, einen Staat, eine Nation, eine Kultur, eine ganze  Gesellschaftsordnung mit den Methoden einer neuen Militärdoktrin zu  zerstören und in einen Zustand der Desorientierung und Hilflosigkeit zu  versetzen. Mit dem folgenden Wiederaufbau sollte  „ein andersartiges  Modell im Herzen der ara-bischen Welt“ entstehen, mit „freier  Marktwirtschaft und dadurch bedingter Demokratie“, ein „Modell Friedman“ in  Reinkultur. Einen Krieg, der ein einziges, glänzendes Geschäft für einen  privilegierten Sektor des großen Kapitals werden  würde.

Schon die Luftkriegsoperationen kurz vor dem  Einmarsch der US-Truppen in Bagdad liefern einen Beweis für die Zielsetzung  „Zerstörung“: obwohl es klar sein mußte, daß die schon in Auflösung  befindliche irakische Armee, wie jede andere moderne Streitmacht über ein  autonomes Radio-Kommunikationssystem verfügte und auf die zivilen  Nachrichtenverbindungen nicht angewiesen war, wurden das irakische  Kom-mmunikationsministerium, dazu insgesamt 16 Telephonknotenpunkte und die  Radio- und Fernsehsender durch Bomben und Cruise Missiles zerstört, so daß  die gesamte Bevöl-kerung von jeder privaten und öffentlichen Information  abgeschnitten wurde – die Telephone waren tot, niemand konnte mehr erfahren,  ob seine Angehörigen und Freunde den Bombensturm überlebt hatten.  

Und hinein in diese Informationslosigkeit, in den  Ausfall von Elektrizitäts- und Wasserversorgung, in die nicht verhinderten  Plünderungen musealer Kulturschätze  aus vergangene Jahrtausenden,  schlugen die politischen und wirtschaftlichen „Schockbehandlungen“ der  neuen Herren. Nachdem ein US-General des planmäßig herbeigeführten Chaos  nicht Herr wurde, ernannte Präsident Bush Paul Bremer, den Geschäftsführer  eines  Versicherungsumternehmens, das durch die Flugzeuganschläge vom  12.9. seine Büros und 295 Angstellte verloren hatte, zum neuen „Landvogt“  des Irak - der davon eingestandenerweise keine Ahnung hatte. Brauchte er  auch nicht, denn die von ihm in den ersten vier Monaten seiner Tätigkeit  erlassenen Gesetze verfaßte und verwaltete eine Tochterunternehmung der  internationalen Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG für die Kleinigkeit von 240  Millionen $ aus der Staatskasse.

Selbst für „den Aufbau einer irakischen  Demokratie“ gab es einen Auftrag für 466 Millionen $ - an eine Firma der  Mormonensekte, wo man allen Ernstes glaubte, die Muslime von der  Übereinstimmung der mormonischen Lehren mit dem Islam überzeugen zu können.  Es ist unmöglich, im Rahmen einer notwendigerweise kurzen Zusammenfassung  diese nur als wirtschaftlichen und politischen Wahnsinn zu bezeichnenden  Erlasse und den darauf folgenden „Wiederaufbau“ im Irak darzustellen und zu  bewerten – das muß man in Kleins Buch selbst nachlesen. Nur die wesentlichen  Fakten können hier aufgezählt und ein Versuch gemacht werden, in dem Ganzen  einen Sinn zu finden, sowie abschließend seine Folgewirkungen  aufzuzeigen.

Die erste Maßnahme bestand darin, die Grenzen des  Landes für absolut unbeschränkte Importe zu öffenen – ohne Einfuhrzölle,  ohne Gebühren, ohne Inspektionen und ohne Steuern. Der bisher durch die  UN-Sanktionen vom Welthandel abgeschnittene Irak war damit, so Bremer „offen für Geschäfte“. Die privaten  irakischen Erzeuger und Händlerfirmen mußten in Massen schließen, da sie  mit den hereinströmenden billigen Importen nicht konkurrieren konnten.                        

Danach wurden 500 000 Staatsbedienstete fristlos  entlassen – zumeist Soldaten und Polizisten, aber auch Ärzte, Krankenhauspersonal, Lehrer und Ingenieure. Das in Jahren erworbene Wissen irakischer Fachleute  zählte nicht mehr, wenn sie - wie in allen Diktaturen eine Voraussetzung für  berufliches Vorwärtskommen - an die Staatspartei „Baath“ auch nur  angestreift waren. Jetzt bildeten die Soldaten den Grundstock für ein Heer  von Arbeitslosen und bald die Basis eines gewalttätigen Widerstandes: denn  als die irakische Armee auseinander und nach Hause lief, vergaßen sie nicht,  ihre Waffen mitzunehmen – mit denen sie auch umzugehem  wußten.

Das genügte scheinbar noch nicht, um das gewünschre Ausmaß an Massenverelendung zu produzieren, das bald in der Bevölkerung in  gerechtfertigte Wut auslöste. Im Irak gab es die am höchsten entwickelte  Industrie in der Region und die 200 größten Unternehmen  – Baustoffe,  Kunstdünger, Keramik, Verarbeitung von Produkten der Landwirtschaft, ja  sogar ein Betrieb zum Bau von Autobussen –, sie waren durch den Staat  aufgebaut worden und daher in dessen Besitz. Erst vor kurzem wurde im  US-Magazin „Newsweek“ berichtet, die Bremer-Verwaltung habe, „völlig  voreingenommen von der Ideologie des freien Marktes, alle irakischen  Betriebe im Staatsbesitz zuge-sperrt. Dies schädigte den größten Sektor der  nicht vom Erdöl abhängigen Wirtschaft des Irak und warf hunderttausende  Arbeiter auf die Strasse“. Es war also nicht nur die Verweigerung von  Notstromaggregaten und das Verbot jeder Finanzunterstützung durch die  NationalBank, wie Klein schreibt, es war die totale Lahmlegung als Vorstufe  zur „Privatisierung einer ineffizienten, stalinistischen Wirtschaft“, also  zur Auslieferung an das US-Kapital.   

Dann aber sollte „wiederaufgebaut“ werden. Dafür  stenden bald 73 Milliarden $  bereit, deren Verwendung strikt nach der neuen  Rumsfeld-Doktrin erfolgte: alles was Privatfirmen erledigen konnten, mußte  ihnen auch übertragen werden. Ausschreibungen, Wettbewerb, wozu solche  ineffiziente Spielereien ? Die Arbeiten wurden freihändig an alte und neue  Großunternehmen der Katastrophenbewältigungs-Iindustrie vergeben,  natürlich wieder an Halliburton, Bechtel,  Parsons,KPMG, RTI, Blackwater, DynCorp und wie sie alle heißen. Die  Bezahlung erfolgte auf Basis der gemeldeten Kosten plus einem garantierten  Gewinns, Kontrolle und Abrechenung übernahmen wiederum Privatfirmen. Es war  eine perfekte, von vornherein total korrupt konzipierte Geldteilungsmaschine  und die Rolle der „Provisorischen Verwaltung“ betand nur darin, „den  Vertretern der Auftragnehmer in Plastikhüllen verpackte Bündel von  Hundertdollarscheinen auszuhändigen“, wie Klein feststellt.

Für die Unternehmen galten keinerlei irakischen Haftungsgesetze, ihre Verträge  sollten 30 Jahre gültig bleiben und von keiner spätere irakischen Regierung  zu ändern sein. Als aber doch einer der Firmen betrügerische Machenschaften nachgewiesen wurden, fand sich in den USA ein Richter, der entschied, dass  das „Regierungs-Betrugsgesetz“ (False Claims Act) nicht angewendet werden  dürfe, denn die Irak-Verwaltug sei keine US-Bundesbehörde – somit war nach  US-Präzedenzfallrecht auch in Zukunft jede Gaunerei beim  „Wiederaufbau“ sraffrei gestellt. Der Irak war, wis Klein formuliert,  „das extreme Beispiel der anti-staatlichen Gegenrevolution – ein hohler Staat, der, wie die Gerichte am Ende feststellten, gar nicht da war“.

Kein irakisches Unternehmen wurde an den Arbeiten  beteiligt, die US-Firmen bildeten ganze Untervergabe-Kaskaden, bei denen  Kuweiter, Jordanier und Saudis und ein paar Unternehmen aus den „Ländern der  Willigen“ mitnaschen durften. 17 irakische Zement-fabriken standen still,  Zement für die Bauarbeiten aber wurde zum zehnfachen Preis aus dem Ausland  importiert. Insgesamt nur 15 000 Iraker bekamen Arbeitsplätze, das übrige  Personal war aus den USA und aus Billiglohnländern geholt worden. Als die  Milliarden „verputzt“ waren, aber die Fertigstellung der Arbeiten noch weit  hinter den Vorgaben zurückblieb (Parsons hatte für Arbeiten an 142  Krankenhäusern 186 Millionen $ erhalten, aber nur 6 waren fertig), zogen die  Firmen „auf Grund der wachsenden Unsicherheit“ wieder ab und hinterließen  halbfertige Ruinen. Dazu Klein: „Auch das Personal der Besatzungsbehörde  ging wieder in die Privatwirtschaft zurück, niemand war mehr da, der für die  Mißwirtschaft zur Verantwortung gezogen werden  konnte.“

Das irakische Volk aber, dem die Besatzungsmacht  gleich zum Anfang alle selbst-ständigen Entwicklungen zur Demokratie, wie  Gemeinde- und Provinzialwahlen verboten hatte, wendete sich in seiner Verzweiflung immer  stärker dem religiösen Fundamenta-lismus zu, weil der als die einzige Quelle  von Macht in einem zerstörten Staat übrig geblieben war. Diese Fanatiker,  mit einer der Zeit der europäischen spätmittelalterlichen Religionskriege  entsprechenden Mentalität, hatten zwar die elementarsten Dienstleitungen  sichergestellt und wie Muktadr el-Sadr in den Slums einen  „Schattenwiederaufbau“ organiert, begannen aber alsbald einen Bürgerkrieg  der Mordkommandos, Autobomben und Vertreibungen, der parallel zum Hochkommen  der Gangsterbanden das Land zerreißt. „Das ist das Ergebnis,“ so  Klein, „der schrankenlosen und getreulichen Umsetzung der von der  Chicagoer Schule begründeten Ideologie. Sie fällt jetzt wie ein Bumerang auf  ihre Urheberf und Verfechter zurück“.

Heute wird es immer deutlicher:  das  Irak-Unternehmen ist zum Scheitern verurteilt. So wie die Experimente des  Dr.Cameron keine gesunden Menschen schaffen konnten, sondern nur  traumatisierte Wracks hinterließen, ist Irak heute weiter denn je davon  entfernt, wieder ein normaler Staat zu sein, geschweige denn das Muster  für eine neue Ordnung im Nahen Osten. Doch  noch immer werden ernsthafte theoretische Überlegungen angestellt - und  Klein führt Beispiele dafür an - zur Durchsetzung der Schockdoktrin  ausnützbare Krisen bewußt und systematisch herbeizuführen.  Haben wir  also zu erwarten, daß zur „Transformierung“ eines weiteren Staates, der den  wirt-schaftpolitischen Thesen Friedmans und seiner Schule von Chicago nicht  entspricht und dem sie aufgezwungen werden sollen, irgendwo in der Welt die  nächste Krise, der nächste allein durch seine Logistik hochprofitable Krieg  ausgelöst wird ?

Die  verbrecherische Konterrevolution

Eine Vielfalt von Ereignissen und Aktionen haben  unsere Welt in den letzten 20 Jahren so grundlegend verändert, daß ihre  aktuellen Funktionsprinzipien selbst einem politisch gebildetem und  interessiertem Zeitgenossen, der aber seine Erfahrungen noch in der „Welt  von Gestern“ sammelte, nur mehr schwierig verständlich zu machen sind.  Diesen komplexen Wandel auf eine einfache „Verschwörung“ zurückzuführen,  erscheint zuerst unrealistisch und abenteuerlich, aber das Buch von Klein  führt mit hunderten Einzelheiten und dokumentarischen Belegen den Nachweis,  daß es noch mehr war: eine mit unvorstellbarem Fanatismus, mit  menschenverachtendem Zynismus geplante und vielfach mit brutaler Gewalt und  Folter exekutierte verbrecherische Konterrevolution, mit der die weltweite  Herrschaft des schrankenlosen kapitalstischen Profits, des „real  existierenden Unerträglichen“, gegen den Willen der davon betroffenen  Menschen durchgesetzt wurde, „aufgezwungen“ nach Originaltext Friedman.  

Ein großer Verdienst des Buches aber ist, daß es uns  die Ideologie und die Methoden jener Kräfte beschreibt, aufzeigt und verständlich  macht, deren Ziel es war und ist, alles Geschehen in unserer Welt einem  einzigen Prinzip unterzuordnen : der grenzenlosen Freiheit des  profitgierigen Kapitals.  Wir erkennen jetzt besser, mit wem  wir es zu tun haben und mit welchen Mitteln  gearbeitet wird. Jetzt ist es deutlicher zu erfassen, was mit dem blöden Geschwätz von  Schüssel „Weniger Staat – mehr privat“ wirklich versteckt wird: daß  Millionen Menschen weiter in Elendsvierteln ohne Wasser, ohne sanitäre  Anlagen, ohne ärztliche Hilfe dahinvegetieren, durch Hunger, Krankheit,  Kriege und Umweltkatastrophen elend zu Grunde gehen sollen, daß andere  Millionen Menschen zu nutzlosen Abfallprodukten einer alles beherrschenden  “Marktwirtschaft“ gemacht werden, weil sie einfach nicht mehr profitabel  verwendbar sind – und daß all dies den Profiteuren des Systems völlig  gleichgültig ist : Fiat commercium – pereat mundus: : Geschäfte müssen  gemacht werden, mag darüber die Welt auch zu Grunde gehen!  

Das Buch zeigt jedoch auch, daß sich die  „Schockmethode“ abzunützen beginnt, daß überall immer größer werdende Teile der  Gesellschaften und nun schon der Staaten sich der Diktatur des Profits mit Erfolg zu  widersetzen beginnen. Vielfach sind die einzelnen Menschen nicht mehr bereit, sich  dieser Diktatur zu unterwerfen und sie haben die Angst verloren, die sie zu deren  hilflosen Opfern werden ließ: sie beginnen wieder, sich zusammenzuschließen, um  Widerstand zu leisten. Keine Macht aber wird ihnen dabei helfen, nur sie selbst können  das „Unerträgliche“ in jene Hölle pervertierter Ideologie zurücktreiben, aus der  es entkommen ist. Denn noch immer gilt der Satz eines Liedes, das vor bald  140 Jahren unter ähnlichen Verhältnissen entstanden ist  :

Es rettet uns kein höh’res  Wesen,
kein  Gott, kein Kaiser, kein Tribun,
uns aus dem Elend zu  erlösen,
das  können wir nur selber tun !

Naomi Kleins Buch ist dazu ein Beitrag.

Reimar Holzinger – isp-mitarbeiter www.initsoz.org  (Initiative für eine Sozialistische Politik in der SPÖ)

die initiative gibt es – mit  mehr als 800 unterstützer/innen -  seit 1997
isp-plenum/monatl. 1ter Freitag, 17.00 uhr im BEBEL-HOF  -
1120; steinbauerg.36 - grätzlzentrum gaudenzdorf/wilhelmsdorf  

Webtipps von uns:
The Power of Nightmares - wir stellen BBC-Doku über die Politik der Angst vor
Text über Mind Control
Die TranceFormation (Mind Control und CIA)
Interview mit Dr.,Colin Ross

PS: Der Beschreibung nach hat Klein tatsächlich einiges zusammengetragen und in einer Dichte dargestellt, die fesseln muss. Natürlich weiss man nie genau, ob alles so nach einem Plan von "Verschwörern" lief, wie wir uns das als Aussenstehende anhand zusammenpassender Fakten in verschiedenen Bereichen vermuten. Manchmal wird etwas anders als beabsichtigt eintreten oder es werden sich natürlich ergebende Situationen erkannt, die dann vor andere so aussehen, als seien sie auch nicht per Zufall aufgetreten.

Besonders interessant finde ich den Bezug zu Mind Control, da dies etwas ist, womit "Normalsterbliche" auch in Büchern selten konfrontiert werden, es ist fast sowas wie ein Spezialgebiet der umfassenden Literatur über Geheimdienste. "Deckname Artischocke" würde mir mal einfallen über Experimente besonders in den 50er Jahren oder "The Manchurian Candidate", ein Roman, der Techniken auch darstellt (und spannend zu lesen ist). Die Links zu diesem Thema verweisen auf neuere Forschungen. Mind Control erfolgt auch auf einer einfacheren Ebene, als es im Interview mit Colin Ross beschrieben ist, indem Menschen konditiioniert werden, in ihre Unterhaltungen oder Briefe und Mails Dinge einzubauen, die eine Botschaft an die Zielperson darstellen.

Man wird sich das etwa so vorstellen können wie die Hunde in der Columbo-Folge, die auf das Wort "Rosebud" konditioniert werden, dh man kann das konditionierte Verhalten an- und abschalten. Wenn man das Schüsselwort oder den Schlüsselton errät, kann man eine Person steuern oder die Steuerung aussetzen. Die Opfer von Mind Control werden sich allenfalls hinterher bewusst, dass etwas Seltsames mit ihnen war in letzter Zeit, es ist, wie wenn sie zwei Realitäten hätten (in der einen reden sie mit dir über die Schönheit von Blumen, in der anderen wollen sie dir was reindrücken im Auftrag einer anderen Person). Es gibt Menschen, sagte mir mal eine Psychologin, die solche Personen mit einer versteckten Agenda sofort an ihrem Atem erkennen, der flacher geht, weil sie im Grunde unaufrichtig sind (ich nannte es immer "falsche Augen").

Alexandra Bader



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