UNIFEM, der Frauenfonds der Vereinten Nationen, feierte 2006 sein dreißigjähriges Bestehen und ist auch in Österreich sehr aktiv. Frau sammelt auch Geld für spezifische Hilfsprojekte, etwa für eine mobile Krebsstation für Frauen im Kosovo bei einem Fundraising-Dinner am 15.11.2007 in Wien. Im Otto Wagner Haus, das heute zum Bundeskanzleramt gehört, waren im historischen Kassensaal Tische aufgebaut, was so wirkte, als sei der Raum geradezu dafür geschaffen worden. Den Ehrenschutz übernahm Margit Fischer, die Ehefrau des Bundespräsidenten, während Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und Lilly Sucharipa, Präsidentin des UNIFEM-Nationalkomitees in Österreich als Gastgeberinnen fungierten.
Lilly Sucharipa meinte in ihrem Eingangsstatement, dass ursprünglich Carla del Ponte eingeladen war, jedoch wegen einer aktuellen Entwicklung beim Jugoslawien-Tribunal kurzfristig absagen musste. Später stellte sie dann die Arbeit von UNIFEM dar, die neben der Teilnahme an Konferenzen und der Organisation von Veranstaltungen auch beinhaltet, konkrete Hilfsprojekte für Frauen zu initiieren und zu fördern. Sie sprach von einer unvorstellbaren Todesrate von 90% bei Brustkrebs im Kosovo, da die Diagnose meist zu spät erfolgt. Von 100 Frauen sind aber zwischen 9 und 11 an Brustkrebs erkrankt und haben oft keine Ahnung davon. Gerade im ländlichen Raum bestehen zuwenig Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten, und in diesen Gegenden ist auch das Wissen um die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen gering.
Lilly Sucharipa
Der 1999 gegründete Verein Medica Kosova bietet gratis frei zugängliche gynäkologische Untersuchungen für Frauen aller Ethnien, wozu auch Brustkrebs-Screenings gehören. Mobile Einheiten bringen diese Angebote auch in entlegene Dörfer, was durch das Fundraising-Dinner unterstützt werden soll. Medica Kosova agiert interdisziplinär, sodass auch psychosomatische Betreuung angeboten wird und ebenso psychosoziale Beratung und Rechtsberatung. Medica Kosova ist Mitglied im Frauennetzwerk Kosovo, das im Jahr 2000 gegründet wurde und heute aus 81 Organisationen besteht. UNIFEM Österreich hat in Zusammenarbeit mit dem UNIFEM-Regionalbüro für Zentral- und Osteuropa in Bratislava in den letzten beiden Jahren Veranstaltungen des Frauennetzwerks in Wien unterstützt und gute Erfahrungen in dieser Zusammenarbeit gemacht.
Sucharipa, die unter den Gästen auch die Lebensgefährtin des Bundeskanzlers Eva Steiner begrüßen konnte, gab dann weiter an Barbara Prammer für deren einleitende Worte. Die Nationalratspräsidentin meinte, sie habe sich mit großer Freude bei dieser Veranstaltung engagiert, da sie seit 1997, als sie Frauenministerin wurde, immer wieder mit UNIFEM zusammengearbeitet und dabei "viele engagierte hervorragende Frauen" kennengelernt hat. Sie lobt auch, dass die UNIFEM-Länderorganisationen nicht nur Bewußtseinsarbeit machen, sondern sich auch in konkreten Projekten betätigen. Es ist "ganz wichtig, in internationaler Politik Frauen zu berücksichtigen. Seit dem Jahr 2000 sind die Vereinten Nationen durch die Resolution 1235 dazu verpflichtet, Frauen in Konfliktgebieten Gewicht zu geben. Frauen sollen sich weltweit bei der Konfliktbewältigung einbringen.
Barbara Prammer
Frauen müssen überall auf den Verhandlungstisch, fordert Prammer, und sie freut sich auf viele weitere Gelegenheiten, sich dafür einzusetzen. Natürlich muss diese frauenpolitische Arbeit auch im Parlament vorangetrieben werden, über die Tagespolitik hinaus. Es ist notwendig, die Öffentlichkeit und die Bevölkerung zu sensibilisieren. Auch Außenministerin Ursula Plassnik wies auf die viele Frauen hin, die sich überall in der Welt einbringen. Sie bemüht sich in ihrem Amtsbereich, immer wieder Frauenkonferenzen zu organisieren und die Beteiligung von Frauen an der Politik zu forcieren. Gerade wenn es um Konfliktsituationen geht, müssen die bislang oft ausgeschlossenen Frauen mitentscheiden. Plassnik war kürzlich bei einer Konferenz von Frauen aus der westafrikanischen Wirtschaftsunion in Burkina Faso und erinnert an die Tagung mit Frauen aus dem Kosovo Anfang November in Wien, die ein Gegengewicht zu männerlastigen Treffen bildete.
Ursula Plassnik
Die Ministerin lud Akteurinnen aus den Balkanländern ebenso ein wie weibliche Wirtschaftstreibende auch aus Österreich. Es ging ihr darum. diese Frauen miteinander und mit Medien und der Zivilgesellschaft zusammenzubringen. Sie verspricht sich von den Frauenrunden "neue zusätzliche Impulse" und dass neue Bilder (voneinander) entstehen. Auch bei der Frauen-Nahostkonferenz war dies ein wesentlicher Bestandteil. Der Geografie kann man nicht entkommen, betont sie, sodass die Nachbarschaft eine neue, europäische Qualität haben muss. Nicht nur die Nachbarschaft der Balkan-Staaten untereinander, sondern auch jene von Österreich und diesen Ländern. Es geht um "unser gemeinsames Europa", sodass sich Österreich und die Europapolitik hier einbringen sollen.
Brigitte Jank
Brigitte Jank, die Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer, ist begeistert von UNIFEM und hat auch die Erfahrung gemacht, dass Netzwerken von Frauen sehr wichtig ist. Man dürfe aber bei Konflikten nicht das Gespräch vermeiden, sondern müsse es suchen. Die Wirtschaftskammer ist eigentlich auch ein Netzwerk, und hier gibt es wiederum für das weibliche Drittel der UnternehmerInnen "Frau in der Wirtschaft". Sie erinnert daran, dass das Engagement von Österreich am Balkan auch für wirtschaftliche Stabilität wichtig war, und dass unser Land als Auslandsinvestor und Partner sehr große Bedeutung hat. Jank betont, dass Gesellschaften, in denen Fareun kaum vertreten sind, ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen, sei es in der Wirtschaft oder in der Politik.
Unter dem Begriff UNIFEM muss frau sich präzise gesagt einen Entwicklungsfonds für Frauen vorstellen, der im Jahr 1976 nach der Weltfrauenkonferenz zuerst als "Freiwilliger Fonds für die UN-Frauendekade" gegründet wurde. Daraus wurde dann gegen Ende dieser Dekade eine eigenständige UN-Organisation mit Haupsitz in New York. UNIFEM ist heute in über 100 Ländern vertreten, wobei die inhaltlichen Schwerpunkte Verarmung und Marginalisierung von Frauen, Gewalt gegen Frauen, Ausbreitung von HIV unter Frauen und Mädchen, Benachteiligung von Frauen beim politischen Einfluss und beim Wiederaufbau in Krisengebieten sind. UNIFEM Austria ist eines von 16 ehrenamtlichen Nationalkomitees und besteht seit dem Jahr 1997, wobei frau sich unter anderem um den Kampf gegen Menschenhandel, Gendergerechtigkeit und Frauenrechte kümmert und Schwerpunkte im Bereich Balkan setzt, wo es um die Gesundheit von Frauen geht.
INFOS:
www.unifem.at
www.womensnetwork.org (Kosovo-Frauennetzwerk)
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