Wie anders sind Ceiberweiber? Was macht meine Art zu berichten und zu kommentieren eigentlich in manchen Bereichen so anders als es den meisten andere Medien üblich ist? Zum einen ist es sicher so, dass man, auf sich allein gestellt und nicht in eine große Redaktion eingebettet ohnehin eigenständig arbeiten muss. Zum anderen ist aber das Internet ein ideales Medium dafür, da Themen beliebig umfangreich behandelt werden können, man die UserInnen dazu anregen kann, Sachverhalte selbst zu überprüfen oder den angegebenen Links aus anderen Gründen nachzugehen.
Auf Frauenthemen bezogen, die bei uns ja einen Schwerpunkt darstellen, habe ich oft erlebt, dass zwar eifrig mitnotierende Kolleginnen bei Pressekonferenzen weiblicher Regierungsmitglieder waren, auch engagiert inhaltliche Fragen stellten, aber der redaktionelle Output dann eher dürftig war. Dies kann auch bis zur völligen Nichtberichterstattung gehen oder bedeuten, dass nur Teilaspekte vorkommen, was dann aber in der öffentlichen Debatte dazu verwendet wird, Politikerinnen vorzuwerfen, sie blendeten Fragestellungen aus oder konzentrierten sich nur auf einen Zugang. "Ihr habt als einzige was gebracht" höre ich durchaus auch dann, wenn mehrere hochrangige Politikerinnen bei einer Veranstaltung sind.
Nun, ich würde ganz sicher nie in eine Redaktion zurückkehren wollen und dann erleben müssen, dass die Aussagen und Anliegen von Politikerinnen nicht denselben Stellenwert haben wie jene von Politikern. Wenn wir den Bereich Politik verlassen, findet sich dieses Muster auch bei anderen Personengruppen wieder oder bedeutet, dass die Anliegen eines Frauenvereins nicht so wichtig sind für die Berichterstattung wie die einer "gemischten" NGO. Bei uns gibt es die Möglichkeit, Aussendungen und Projekte von Frauenvereinen einfach so zu veröffentlichen, wie wir diese Inputs bekommen, und so zur Verbreitung dieser Anliegen beizutragen, was längst allgemein "zivilgesellschaftlich" gerne genutzt wird.
Für mich ist auch bezeichnend für das Frauenbild in vielen Medien, dass ein guter Teil der überhaupt erwähnten Frauen nur durch ihren (abgeleiteten) "Status" als Frau oder Freundin von (und dann irgendeinen angeblich so wichtigen Männernamen einsetzen) vorkommt. Ähnliches gibt es selbst in Magazinen, die angeblich mehr Qualität haben, wenn wir uns daran erinnern, wie wenige Österreicherinnen unter den 100 Österreichern des letzten Jahrhunderts im "profil" waren. Und unter den paar Frauen befand sich dann auch noch die eine oder andere "Muse" eines Mannes. Der Mann als Accessoire der Frau kommt hingegen nur selten vor, weil so ein "Status" für einen Mann ja auch keine große Freude ist, während frau sich aufgewertet fühlen soll.
Nunja, angesichts der oft selten geistlosen Ansagen solcher Frauen, bei denen manchmal das hervorstechenste Merkmal Brüste sind, die nicht ganz ihnen gehören können, ist aber auch auch nicht verwunderlich, dass es beim Selbstwert hapert. Statt dass ernsthafte Reportagen gebracht werden, die Frauenalltag widerspiegeln oder geistreiche Frauen vorgestellt werden, die ruhig mit wem auch immer liiert sein können, aber durch sich selbst interessant sind, werden LeserInnen gequält mit medial durchgezogenen Eifersuchts- und Trennungsdramen, sehen als "Malerinnen" dilettierende Ex-Frauen von xy und gar manch eine, die einen "Prominenten" nach kürzerer sexueller Beziehung real und via Medien belagert, obwohl er nichts mehr von ihr wissen will.
Dass auch eine Frau nur aus sich selbst heraus einen Wert haben kann, wird von solchen "Tussis" in Übereinstimmung mit sensationsgeilem Medienvoyeurismus bestritten. Es haben ja beide Seiten etwas davon: solche Frauen sind plötzlich auch "prominent", weil sie vorkommen (aber immer noch wären sie es ohne den Männerbezug nicht) und RedakteurInnen müssen sich nicht mit Geschichten abplagen, bei denen es etwas komplexer zugeht - etwa der Aufgabe, Menschenhandel so darzustellen, dass Einfühlung für die Opfer deutlich wird. Es sollte sich aber langsam die Ansicht durchsetzen, dass keine Person in der Ableitung von einer anderen interessant, wichtig und wertvoll sein kann. Und dies auch bei Frauen anzuwenden bedeutet zugleich eine Art "erzieherischen" Effekt, da so erkannt werden kann, dass Frauen wie Männern nichts anderes übrig bleibt, als den Sinn ihres Lebens zuerst in sich selbst zu finden - sonst gibt es ja keinerlei attraktive Angebote an ein etwaiges Du.
Was Politik allgemein betrifft unterschied sich meine Darstellung von Themen, um die unsere Mainstream-Medien in den letzten Monaten einen Hype machten, bei dem oft nur Nuancen zwischen den einzelnen Artikeln, Kommentaren oder ORF-Berichten lagen, entscheidend von der anderer. Ich habe mir meine Ansichten aber auch früher immer selbst gebildet unter Einbeziehung möglichst vieler Fakten und dem Verwerfen von Desinformationen, sodass ich auch dann nicht anders agieren kann, wenn es offensichtlich um sehr viel geht. So schafft frau sich klarerweise auch Feinde, was bedeutete, dass die völlige Ignoranz, die andere Medien mir üblicherweise entgegenbringen, bis zum eisigen Schweigen von langjährig bekannten "KollegInnen" in jenen Medien gesteigert wurde.
Der letzte Journalistinnenkongress im Oktober 2007 wird mir sicher unvergessen bleiben, nicht so sehr nur wegen der mir überreichten "Medienlöwin", sondern wegen der konsequent durchgezogenen Missachtung von Frauen, die ich lange kenne. Klar, wenn frau bei heiklen Themen ganz anders schreibt als der Mainstream es will (und dabei vielleicht sogar die Regierung unterstützt), muss sie mit Reaktionen rechnen. Dennoch war es hart, wie eine Aussätzige behandelt zu werden, und das von Frauen, mit denen ich immer solidarisch war, wenn es um Diskriminierungen im Journalismus ging. Ich habe ihnen auch nie persönlich vorgeworfen, dass sie z.B. von einer Pressekonferenz der Frauenministerin in die Redaktionen kommen und nicht dagegen protestieren, dann nichts drüber zu schreiben.
Für mich hat so etwas mit dem Selbstwert jeder einzelnen Frau zu tun, sodass es exemplarisch aufgezeigt werden muss. Wenn ich in Ordnung finde, eine Ministerin anders zu behandeln als einen Minister, werte ich mich selbst ab und andere Frauen. Ebenso, wenn ich das Recht einer Ministerin auf ihr Privatleben anders bewerte als das Recht eines Ministers. Aber wahrscheinlich ist eine Frau mit dieser Einstellung, die wie gesagt ja auch heikle Themen eigenständig behandelt, ohnehin für etablierte Männerredaktionen zumindest mal irritierend. Ich stelle durch meine Themenwahl und meine Kommentare auch überholte Einstellungen in Frage und vergehe auch nicht vor Ehrfurcht, wenn ich Texte von Männern lese, die einander reihum als "Edelfedern" loben.
Wenn ich etwas an den Analysen anderer sachlich untermauert zu kritisieren habe, werde ich nicht schweigen, nur weil ich damit eventuell bei "dem da" oder "dem da" anecke. Das hat natürlich den Preis, dass mein Name im Mainstream tabu ist, ich auch nach einem Journalistinnenpreis nicht mal als Gastkommentatorin eingeladen werde. Damit habe ich mich zwar abgefunden, doch zeigt es, dass Meinungsfreiheit aus medialer Sicht nicht unbedingt Vielfalt bedeutet. Besonders brutal war es, bei perfiden anonymen Verleumdungen durch Internet-Phantome (wie wehrt man sich gegen sowas erfolgreich?) weder von den langjährig bekannten KollegInnen in anderen Medien noch von Medien (in Österreich) noch von JournalistInnen-Vereinigungen irgendein Zeichen der Solidarität und Unterstützung bekam. Wie gesagt - völlige Ignoranz, wie an einer Wand stehend, in der es keine Tür gibt.
Aus derer aller Sicht findet hier, werte LeserInnen, also wertloser, uninteressanter Journalismus statt. Dies soll nun keineswegs als Klage rüberkommen, sondern als nüchterne und inzwischen gelassen artikulierte Feststellung. Es bleibt mir also der Nischenjournalismus im Internet, da ich nach wie vor dieselbe Person bin und sich an der Ignoranz der anderen auch nichts ändern wird. Damit kann ich aber durchaus leben, da Alternativmedien ja boomen und Zukunft haben, weil sich immer mehr Menschen nicht mehr auf den Mainstream verlassen. Außerdem kann ich den Wert meiner Arbeit auch an anderen Parametern ablesen als an der Ignoranz des Mainstreams und dem Tabuisieren meines Namens - in diesem Sinne wird es hier also auch weitergehen mit der typischen Mischung der Ceiberweiber-Themen und Berichte....denn zu tun gibt es in so einem Beruf immer mehr als genug :-)
Alexandra Bader
Mein
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