Zwei Initiativen machen im Dezember 2007 von sich reden: Ein ökologischer Fußabdruck-Rechner, der mit konkreten Tipps verbunden ist, und ein großangelegtes Stromabschalten am Abend des 8.12., an dem sich möglichst viele Haushalte in Österreich, Deutschland und der Schweiz beteiligen sollen. Hinsichtlich der Sinnhaftigkeit gibt es beträchtliche Unterschiede zwischen beiden Aktionen, von denen die eine eher leise, die andere hingegen lautstark daherkommt.
Der Fußabdruck wird in den Bereichen Wohnen, Lebensmittel, Mobilität und Konsum erfasst. Jeweils gemessen an Durschnittswerten werden die Angaben eingestuft, sodass man eine kleine oder eine große Fußspur als Ergebnis bekommt. Bei Wohnen ist meine sehr klein, aber das ist fast zu erwarten, wenn man in einer neuen Anlage lebt und nicht allzu viele elektrische Geräte betreibt. Dass die großen "Stromfresser" wie Herd, Geschirrspüler und Waschmaschine neu sein sollten, um als ökologisch zu gelten, versteht sich von selbst. Bei anderem kam ich jedoch ein wenig ins Grübeln, denn neue Geräte müssen ja auch produziert und transportiert und die alten entsorgt werden.
Bei Lebensmitteln zeigt sich, dass ich mehr darauf achten könnte, woher ein Produkt stammt. Ich muss aber gestehen, dass ich jüngst beispielsweise unbedingt Wasabi-Nüsse haben wollte und verärgert war, dass der Supermarkt, der sie führen sollte, überlaufen war und sie gar nicht einsortiert hatte. In Sachen Mobilität gibt es wenig zu verbessern dank konsequentem Radfahren (und dem Umstand, dass ich keine beruflichen Flugreisen machen muss, denn dann sähe die Bilanz rasch ganz anders aus), was bei "nicht der Jahreszeit entsprechenden Temperaturen" natürlich keine große Kunst ist. Allerdings gab es auch schon Winter, in denen ich regelrecht Spuren auf verschneiten Radwegen zog.
Konsum umfasst auch Autos und seltsamerweise Car-Sharing, wo ein Nein negativ gewertet wird, während man nicht ausdrücken kann, weder allein noch auf diese Weise Autos regelmäßig zu benutzen. Relativ allgemein sind die Einschätzungen über das Konsumverhalten, das sicher mehr Ausdifferenzierung als drei Stufen vertragen kann. Leider wird nicht versucht, die Internetnutzung zu erfassen, wo das Web mittlerweile auch einen Anteil am Klimawandel für sich verbuchen kann. Ich wüßte da gerne die Relation zwischen meiner "karbonneutralen" Mobilität und der "zwangsläufig" intensiven Webnutzung, sozusagen als Klimakilos, die ich erst abstrampeln müßte.
Alles in allem ist der Rechner, da mit vielen Infos und Tipps verbunden, jedoch eine sehr sinnvolle Sache. Er regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, da er zeigt, wo man sich verbessern kann und auch Mut macht, wenn Bereiche einen sehr kleinen Fußabdruck ergeben, da es dann auch anderswo möglich scheint. Womit wir zur absurden, gar kontraproduktiven Aktion kommen: mit viel Mediengetöse, insbesondere von "Österreich", heißt es also heute Abend Licht aus. Nicht bei mir allerdings, ich will ja nicht, dass unsere Stromversorgung in Schwierigkeiten gerät. "Der plötzliche starke Lastabfall und das anschließende Wiedereinschalten ließe sich möglicherweise nicht durch Pumpspeicherkraftwerke und andere Spitzenlastkraftwerke abfangen, die anders als Kohle- oder Atomkraftwerke kurzzeitig ihre Leistung ändern können. Dann drohen Netzabschaltungen." (Newsticker von heise.de, siehe Links unten)
Sicher kommen die Warnungen von den Stromkonzernen, aber andererseits wissen sie ja wohl am besten über Lasten, Lastabfall und Netze Bescheid. Wollen sie eine sinnvolle Aktion diskreditieren, fragen manche. Dann muss man aber auch beantworten, was daran sinnvoll ist, gemeinsam mit irgendwelchen "Promis" für fünf Minuten das Licht abzudrehen, aber ansonsten so weiterzuleben wie bisher. Es ist bezeichnend, dass Druck gemacht wird für eine rein symbolische Sache, die in Wahrheit eher kontraproduktiv ist aber die Illusion vermittelt, etwas für das Klima getan zu haben. Ich will weder Bundeskanzler Alfred Gusenbauer noch Umweltminister Josef Pröll noch sonst jemandem einen Vorwurf machen, dass sie sich in "Österreich" als Unterstützer haben abbilden lassen.
Würden sie sich weigern, würde Herr Fellner, der sich gerne als Ersatzregierung sieht, sie sicher als "Kanzler Klimafeind" und "Minister Klimakiller" in Umfragetiefs schreiben, Popularität minus 50% und abwärts. Wir als aufgeklärte, medienkritische Menschen dürfen uns aber nicht täuschen lassen, dass einzig oft sperrig formulierte Maßnahmen tatsächlich etwas am Fortschreiten des Klimawandels ändern können. In dieser Formuilierung steckt auch ein weiteres durch Alibiaktionen zugedecktes Faktum: wir unternehmen nichts gegen den bereits stattfindenden Klimawandel, wir können nur hoffen, dass wir unseren Beitrag zum Klimawandel in der Zukunft reduzieren können...
Alexandra
Zum Klimawandel bei uns u.a.:
Die Inuit und der Klimawandel
Der Arktis-Klimareport
Eine unbequeme Wahrheit
INFOS:
http://www.mein-fussabdruck.at/
www.lebensministerium.at
http://www.oeko.de/heute (Kritik an Abschaltaktion)
http://www.heise.de/newsticker/meldung/100150 (Kritik an Abschaltaktion)
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,521721,00.html
What Is Progress? (George Monbiot zur Klimakonferenz in Bali)
Mein
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