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Das war 2007: eine etwas andere Ceiberweiber-Bilanz  

Wie andere Medien auch ist es bei uns bisher Gewohnheit gewesen, einen inhaltlichen Jahresrückblick zu machen. Dabei habe ich besonders typische oder aus meiner Sicht wichtige Artikel aus möglichst vielen Themenbereichen kurz angesprochen und verlinkt, sodass unsere LeserInnen sich auch daran erinnern konnten, was alles im ausklingenden Jahr los war und bei uns vorkam.

Heuer werde ich keine Auswahl treffen, da jede Leserin und jeder Leser ihre und seine "Lieblingstexte" haben wird oder im einen oder anderen Fall sagen wird, dass dieser Text besonders interessant oder hilfreich war. Wir kommen ja auch aus  ohne die Rankings der 1000 angeblich bedeutensten Personen des Landes und ohne die 100 wichtigsten Wirtschafts- oder Medienfrauen und dergleichen anderem, das dazu dient, willkürliche (Be) Wertungen vorzunehmen.

Wenn ich mir ansehe, was die Gratisblätter am 18.12.2007 am Titel bringen, denn wird der Unterschied zwischen kurzfristiger Aufgeregtheit, typischen Medienhypes und einer langfristig angelegten Berichterstattung für eine qualitative LeserInnenschaft gut deutlich: "Heute" informierte uns derart: "60 Millionen Briten suchen Hitlers Sohn", sollen sie, wenn es ihnen Spass macht. Ich würde meinen, es reicht, dass es Hitler selbst einst gab - warum unbedingt wollen, dass er sich vermehrt hat?


Baum im Wissenschaftsministerium

Oder "Österreich", wo wir gleich drei Themen haben: "Politiker-Krieg um Pflege-Chaos" (ein paar markige Sprüche zwischen sachlichen Feststellungen), dann natürlich "Arigona-Diskussion bewegt Österreich" (wurden da nicht wo Anführungszeichen vergessen?) und "Präsident liebt Top-Model" (es geht um Nicolas Sarkozy und Carla Bruni). Mit derlei Schlagzeilen können wir wahrlich nicht dienen, eher schon mit vergleichsweise sperrigen Anliegen wie Gleichbehandlung, Gender Mainstreaming oder einem anderen Blickwinkel auf die Politik. Hypes lassen sich da keine kreiern, auch keine "Politikerkriege" und schon gar keine gesteigerte Prominenz Prominenter.

Wenn ich doch kurz auf dieses Jahr chronologisch eingehe, dann begann es ganz harmlos mit der Aussicht auf sehr viel Arbeit. Nun bedeutet jede Form von Journalismus immer auch eine stressige Beschäftigung, wobei aber die Vielfalt an Themen und der Reiz, diese zu vermitteln, alles mehr als wettmacht. In unserem Fall ging es um etwas recht Praktisches und Pragmatisches: die Umstellung der Ceiberweiber von Seiten in HTML auf CMS. Gewisse Befürchtungen, den Umgang mit HTML zu verlernen, waren natürlich genauso unangebracht wie die Vorstellung, länger als ein paar Minuten zu brauchen, um mit dem CMS zurecht zu kommen.

Dennoch war die Umstellungsphase anstrengend, da kein CMS so perfekt programmiert ist, dass man absolut alles in der Realität Benötigte im Vorhinein weiss. Hier war viel an Nachjustieren erforderlich, während ich parallel auf der "alten Seite" Beiträge verfasste und bereits die "neue" Seite mit Material fütterte, damit der Start bereits viel an Artikeln bietet. Schliesslich kam früher als geplant der große Moment am 15. März: wir sind ganz neu online! Rasch kam viel positives Feedback und eher noch mehr Input, da es nun Sache weniger Minuten war, eine Aussendung oder Einladung ins Web zu stellen.


Wiener Wald :-)

Das CMS hat die Inhalte auch ein wenig beeinflusst, da nun mehr veröffentlicht wird, das von außen kommt und nicht immer jene Standpunkte und Schwerpunkte widerspiegelt, die ich selber aussuchen würde, wäre alles selbstverfasst. Dadurch ist auch in den Eigenberichten und Kommentaren eine deutlichere Positionierung erkennbar. Wie in den vergangenen Jahren ist hier eine große Bandbreite möglich, da ich einerseits danach gehe, was mich interessiert, was bei uns noch kaum vorkam, was wichtig ist und was schlicht dazugehört, auch wenn es bereits mehrmals thematisiert wurde.

Letzteres meint beispielsweise die politische Berichterstattung, bei der man immer auf dem Laufenden sein muss und der Unterschied zu anderen Medien oft vor allem die größere Ausführlichkeit bei uns ist. Dies zeigt auch, dass man selbst mit einem "Standardangebot" innerhalb der Ceiberweiber Akzente setzen kann, nicht nur wenn Politikerinnen so zitiert werden, wie es angebracht ist. Natürlich kommt man auch mit CMS, das vieles erleichtert, niemals dazu, wirklich alles zu behandeln, das es verdient hätte, erwähnt zu werden.

Nach dem arbeitsreichen und interessanten Beginn des Jahres 2007 gab es dann ein paar Monate lang die üblichen durchaus abwechslungsreichen Artikel und einen halben ruhigen Sommer mit weniger Inputs. Ab der zweiten Sommerhälfte bildeten meine Texte dann immer dezidierter einen Kontrapunkt zur sonst meist erfolgenden politischen Berichterstattung, was auch für mich heftige Anfeindungen bedeutete. Wollte ich grundsätzliche Solidarität von KollegInnen in anderen Medien, dann erlebte ich Ignoranz und beim Journalistinnenkongress im Oktober 2007 (sonst immer ein Highlight für mich) wurde ich von den meisten überhaupt geschnitten.


Nunja, wenn frau für eine Überzeugung eintritt und nur das zu schreiben bereit ist, was für sie richtig und mit ihrer Integrität vereinbar ist, dann muss sie damit rechnen, dafür auch einen Preis zu bezahlen. Freilich hatte ich da längst das Gefühl eines Paradigmenwechsels, der sich von Entscheidungen, bei denen man lange Pro- und Kontraargumente abwägt, radikal unterscheidet. Er findet statt, und ab einem gewissen Punkt entwickelt sich alles in eine ganz andere Richtung, eines fügt sich ins andere, und man will nichts anderes als dazu bedingungslos ja zu sagen. Paradigmenwechsel sind keine Spaziergänge, aber sehr intensive Erfahrungen, bei denen sich auch zeigen kann, dass selbst weit zurückliegende Erlebnisse plötzlich ihren wahren Sinn offenbaren.

Zwar bin ich, das sei in dieser besinnlichen Zeit angemerkt, keine Christin, sicher aber so etwas wie eine Pantheistin, die anerkennt, dass es überall einen "göttlichen Funken" geben kann. Letztlich ist es nicht so weit entfernt von Vorstellungen eines Gottes als Vater oder einer Göttin als Mutter (wobei ich dies bevorzugen würde, müsste ich den Pantheismus personifizieren :-). Daher habe ich mich auch nie passiv darauf verlassen, dass sich die Welt von selbst so ändern wird, dass sich meine Wünsche erfüllen, sondern immer versucht, mein Möglichstes zur Welt beizutragen. Wichtig erscheint mir auch, dass aus dem Bedürfnis, etwas Individuelles und Einzigartiges zu schaffen auch resultiert, diesen Impuls anderen auch zuzutrauen.

Wer brav und bescheiden das tut, womit sie oder er ganz sicher nicht aneckt, aber auch nicht sonderlich auffällt, wird sich vielleicht einmal im "Glanz" des Schöpferischen anderer Menschen sonnen können, aber keinen wirklichen Austausch mit solchen Menschen haben. Nunja, mein Individualismus, der auch in den Ceiberweibern gewissermassen verkörpert ist, erscheint manchen sicher oft als Draufgängerinnentum. Nach einem Test in der neuen "Brigitte" sollte ich mich auch im Bereich Draufgängerin einstufen, wobei mir für 2008 empfohlen wird, nicht mehr Einzelkämpferin zu sein, was ich tatsächlich nicht vorhabe, weil es mir als dauerhafte Haltung nicht sinnvoll erscheint.


Selbst die "Kämpferin" ist aus meiner Sicht eine temporäre Rolle, die ich dann einnehme, wenn ich keine andere Wahl habe (mich weinend in die Ecke hocken und vor Verzweiflung nicht mehr rühren fällt für mich nicht unter den Begriff "Wahl").  Vermutlich haben vor allem Frauen gerade in historischen Zeiten so gedacht, wenn sie ihr Land und ihre Lieben verteidigten, aber niemals einen Selbstzweck darin sahen. Sobald es nicht mehr erforderlich war, konnten sie den errungenen Frieden durchaus geniessen und weinten dem Kampf an sich keine Träne nach. Sollte ich für etwas kämpfen müssen, würde ich es jederzeit mit aller Kraft und Kreativität tun auch ohne Rücksicht auf mich selbst. Ansonsten stelle ich die "Ritterinnenrüstung" aber gerne dauerhaft in den Schrank :-)

Paradigmenwechsel sind tiefgreifend und umfassend und bedeuten neue Wege, die vom alten Pfad und der Vergangenheit wegführen und mit jedem Schritt mehr Distanz dazwischen bringen. Im Fall einer Journalistin wirken sie sich natürlich auch in dem aus, was sie worüber schreibt, welche Themen im Vordergrund stehen und welche seltener werden, welche noch kommen können und welche sowieso immer in irgendeiner Form aktuell sind und daher behandelt werden. Erstmal soll dieses Jahr aber sehr friedlich für mich zu Ende gehen, nachdem es zwischendurch immer wieder recht Heftiges zu bieten hatte, alles im allem aber absolut außergewöhnlich war. Und was 2008 betrifft - Ceiberweiber sind, wie auch ich selbst, immer für Überraschungen gut...

Alexandra Bader

Siehe auch Vorweihnachtsgedanken im Blog



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